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radreisebegeisterte, klarinettenquerflötensaxophonspielende, sportbegeisterte Vege"taristin"

11. Juni 2013
von Annette
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Bodensee-Königssee-Radweg 2010

1. Etappe– 31.07.2010 (Friedrichshafen – Altensberg 69 km)

Hens CrossingStart unserer regnerischen Sommertour um 9:37 Uhr bei Tübingen. Mit dem Zug fuhren wir Richtung Bodensee zuerst einmal bis nach nach Aulendorf. Auch wenn dieser Zug vollmundig als „Radwander-Shuttle“ angekündigt war, gab es pro Waggon lediglich zwei Stellplätze.

Bis Hechingen standen wir an der Tür, konnten aber dann unsere Räder vernünftig parken und entspannt bis kurz nach Sigmaringen fahren. Hier stiegen dann nämlich eine Horde Kinder und Jugendliche in den Zug, die gemeinsam auf den Weg zu einer Jugendfreizeit waren. Entsprechend laut und eng ging es dann auch zur Sache. In Aulendorf angekommen hielten wir Ausschau nach dem RE nach Lindau. Der kam und war brechend voll!!!!

Wir hatten noch nicht einmal eine klitze-kleine Chance, dort hinein zu kommen. Somit nahmen wir eine RB nach Friedrichshafen und haben den mittlerweile verhassten (weil viel zu vollen) Bodenseeradweg bis nach Lindau genommen.

Besonders dieses Stück ist dermaßen voll mit Radlern, so dass man permanent Slalom zwischen langsam fahrenden Rentnern fährt und noch viel stärker auf der Hut sein muss, weil irgendwie alle auf der Ego-Schiene fahren und meinen, sie seien alleine unterwegs.Schloss Syrgenstein

In Lindau ging es dann nach knapp 30 km Fahrt bei schönem Wetter in den Bo-Kö. Bevor es aber das erste Mal richtig bergauf ging, haben wir uns noch in einem sehr schönen Waldcafé bzw. Biergarten mit unserem neuen Lieblingsgetränk – alkoholfreies Weizenbier – gestärkt und sind dann den Buckel rauf. Wie schon im letzten Jahr kann man von dieser Landschaft nur begeistert sein. Man bekommt sogar besonders viel mit wenn man immer schön langsam fährt. Unseren zweiten Pit-Stop machten wir wie bereits im letzten Jahr in Malleichen, die einen wunderschönen Biergarten haben und leckeres Essen haben.

Da es mittlerweile schon recht spät geworden war, haben wir uns im nächsten Ort (Gestratz) was zum Übernachten suchen. Leider gab es nichts im Ort, aber Annette hat in der Käserei nachgefragt und hier wurde uns dann eine Adresse zu einer Pension gegeben, die wir dann mit dem MyNav sofort gefunden haben. Leider ging es noch einmal heftig den Buckel rauf. Dort oben angekommen erwartete uns dann ein schönes, großes und sauberes Zimmer. Eine Kleinigkeit zu Essen gab es auch noch, so dass wir jetzt total müde und OLYMPUS DIGITAL CAMERAwirklich „am Arsch der Welt“ in einem gemütlichen Bett liegen.

Das Hotelzimmer Pension Altensberg Gestratz war für einen Preis von 44,00 € recht günstig und das Frühstück war einfach, aber ausreichend. Das einzige was genervt hat waren die Millionen Fliegen.

2. Etappe Altensberg – Zell (75 km)

Bei wunderschönem Wetter ging es heute Morgen direkt mit einem saftigen Aufstieg los – und so sollte es auch den Rest des Tages bleiben. Aus diesem Grund haben sich die 75 km auch angefühlt wie 120 km.

Außer dass die Landschaft einfach atemberaubend ist und man sehr häufig tolle Biergärten findet in denen man immer Weizen ohne Alkohol bekommt fanden wir in Rettenberg ein einfach tolles Brauhaus wo man einfach gut essen kann. …was soll man also sagen? Selber fahren und genießen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERANach dem wir dann bei Schweinegg einen letzten üblen Aufstieg in der prallen Sonne geschafft haben lag es dann nahe, uns eine Unterkunft zu suchen die wir dann auch in Zell fanden.

Hier sind wir im fahrradfreundlichen Hotel „Bären“ untergekommen. Ob die Preise auch fahrradfreundlich sind werden wir dann morgen sehen – ich glaube aber, dass wir einen neuen (Höchstpreis) Rekord aufstellen werden.

3. Etappe Zell – Eschenlohe (73 km)

Nachdem es heute Nacht so doll gewittert hat, dass ich schon dachte, dass gleich das Dach weg fliegt, sah es heute Morgen entsprechend bewölkt aus. Nach dem Frühstück schien allerdings kurzzeitig die Sonne, was uns Hoffnung für den mit schlechten Wetter gemeldeten Tag machte.

Apropos Frühstück: Wir haben bei den Hotelkosten tatsächlich einen neuen (negativ) Rekord aufgestellt. Es wurden uns 99,00 € in Rechnung gestellt.Das war unserer Meinung nach definitiv zu viel. Auch wenn das Zimmer recht schön und alle Einrichtungen sehr fahrradfreundlich waren – das Frühstück war nun nicht weltmeisterlich und somit finde ich, dass das Zimmer um genau 20 € zu teuer war. Aus diesem Grund würde ich es auch nicht weiterempfehlen, zumal auf dem Weg häufig Plakate mit der Angabe für dieses Hotel mit „Übernachtungen ab 33,00 €“ zu finden sind. …der günstigste Preis ist für eine Übernachtung 49,50 €!Man sollte lieber noch ein paar Kilometer weiterfahren (der Weg geht fast ausnahmslos bergab) – hier gibt es noch eine größere Auswahl an Hotels und Pensionen.

Zum Weg: Die heutige Etappe begann wieder in Wolken und endete in Regen. …das war allerdings nicht so schlimm, da es zum einen nicht all zu kalt war und wir zum anderen eine vernünftige Ausrüstung haben. Nach ein paar km moderater Fahrt kamen wir in Füssen und entsprechend Schwangau mit seinen Königsschlössern an.

Hier hatten wir das Glück, uns unheimlich viele Verrückte anzuschauen, die sich wahrscheinlich alle gleichzeitig gedacht haben: „Bei dem schlechten Wetter schauen wir uns am besten mal Neuschwanstein an“. Glücklich, uns nicht in die Schlange zu stellen, ging es für uns auf einer ebenen Strecke weiter. Durch ein paar nette Dörfer ging es dann irgendwann auf einen Schotterweg, der uns die nächsten km begleiten sollte. Inmitten von Kuhwiesen samt Kühen ging es in Richtung Wieskirch. Dieses Stück war uns noch aus der anderen Richtung von der Pfingstausfahrt 2009 bekannt.

Ca. 3 km vor der Wieskirch trennten sich die „Romantische Straße“ und der Bodensee – Königssee – Radweg und für uns ging es auf einer Schotterpiste durch ein enges Tal. Hier mussten wir dann einen kleinen Bergbach überqueren. Dies funktionierte ohne Brücke und Tunnel! Fuhrten war angesagt. …war aber – auch nach dem ordentlichen Regen aus der letzten Nacht – kein nennenswertes Problem. Nun setzte auch so langsam der Regen ein. Hier allerdings nur als leichter und angenehmer Sommerregen der keine Regenkleidung bedurfte. So ging dann auch die Fahrt weiter. Eine zweite Fuhrt musste überquert werden. Dies war jedoch kein Problem, da es hier einen betonierten Untergrund gab, so dass wir einfach durch radeln konnten. Leider war es nicht nur von unten Nass sondern auch zunehmend von oben, so dass wir uns dann doch dazu entschieden die Regenkleidung überzuwerfen.

So eingemummelt kamen wir dann nach Bad Kohlgrub wo wir eigentlich etwas essen wollten. Die Mägen hingen mittlerweile schon recht ordentlich durch. Aber irgendwie war uns der Ort unsympathisch. Da der Regen auch nicht mehr so stark war und es immer stetig bergab ging, fuhren wir einfach weiter. Dabei ging es dann durch ein mit Gatter geschützten Wildtiergehege oder auch Weidefläche und nach dem zweiten Gatter kam dann der SUPERGAU! Der Regen setzte wieder stärker ein und Annette blieb plötzlich und abrupt stehen mit der Aussage: „Ich habe einen Platten!“ …nicht dass das bei den abgefahrenen Hinterreifen irgendwie überraschend kam… So standen wir dann mitten im Wald an einem rauschenden Bergbach bei einsetzenden Starkregen und mussten das Hinterrad von Annettes KOGA flicken. Eigentlich kein Thema, aber bis jetzt wussten wir beide nur rein „theoretisch“ wie man ein Hinterrad samt Rohloffschaltung ausbaut.

Annette hat naturgemäß ein wenig Panik wenn es darum geht, an dem KOGA herumzubasteln, so dass ich auch bis heute die Finger davon gelassen hatte. Tja, heute dann Basteln unter verschärften Voraussetzungen! Aber was soll ich sagen… es ging wirklich so einfach wie immer gesagt wurde. Ein Hinterrad mit Kettenschaltung ist definitiv beschissener aus- und einzubauen. Das einzig Dumme war der Wolkenbruch! Annette konnte ihre Satteltaschen – Gott sei Dank – in einer alten, herumliegenden Kanalröhre trockenlegen so dass eigentlich nur ich so ein bisschen nass geworden bin. … ging aber auch noch.

Dann ging es im strömenden Regen weiter und uns war spätestens in dem Augenblick klar, dass das nächste Hotel geentert wird, als das Wasser in den Schuhen stand. Leider haben wir im „Bau Stress“ ganz vergessen die Gamaschen anzulegen – die wir, nebenbei bemerkt, extra für diesen Urlaub neu angeschafft haben. So kamen wir dann nach Eschenlohe wo wir – mit ein bisschen Glück – ein Zimmer bei der Familie Oswald bekommen haben.

Hier gibt es zum Glück einen funktionierenden Heizkörper im Bad, so dass wir unsere Sachen wieder trocken legen können. Jetzt hoffen wir zuerst auf etwas vernünftiges zu Essen – wir haben seit dem Frühstück noch nichts bekommen – und dann auf besseres Wetter. Das Zimmer ist auf jeden Fall sehr nett und mit 45,00 € nicht überteuert. …nach der Erfahrung gestern frage ich jetzt lieber wieder nach den Preisen….

4. Etappe Eschenlohe – Gmund am Tegernsee (73 km)

Heute haben wir erst einmal satt verschlafen! Gestern habe ich mit unserer Wirtin noch abgesprochen, dass wir um 8:00 Uhr frühstücken wollen (das Frühstück wurde uns ins Appartement gebracht) und dann lagen wir auch noch prompt im Bett. …das Wetter lud aber auch dazu ein im Bett liegen zu bleiben. Es regnete noch immer. Aber ab ca. 9:00 Uhr wurde das Wetter dann wenigstens so gut, dass wir weiter fahren konnten. Gut wurde es aber nie. So haben wir mittags dann sogar unser komplettes Regenequipment angelegt – und das war dann auch gut so. In Bad Tölz kam dann wieder ein Schauer, so dass wir eigentlich dort übernachten wollten. Aber irgendwie war uns das Städtchen unsympathisch. Dazu kam auch noch, dass das angepeilte Bed and Bike Hotel anscheinend voll war. Also ging es weiter – zuvor aber noch an einem Fahrradgeschäft vorbei um einen neuen Faltreifen (Marathon Racer) einzukaufen. Zum Glück! Nachdem der Weg malerisch durch Felder und eine Art Moos Richtung Gmund über einen Schotterweg lief gab Annette’s vermaledeiter Reifen in einem Waldstück erneut auf. Also: das gleiche Prozedere wie gestern. Aufgrund der nun doch fortgeschrittenen Zeit haben wir uns überlegt in Gmund zu übernachten und haben dann auch gleich ein Bed and Bike Hotel gefunden. Dieses ist mit 78,00 € zwar nicht super günstig, aber für diesen Ort wahrscheinlich angemessen. …dann schaun wir mal, ob morgen das Wetter hoffentlich wieder ein bisschen besser ist.

5. Etappe Gmund am Tegernsee – Bergen (105 km)

Heute war wie erhofft endlich einmal gutes Wetter. Auch wenn es um 6:00 Uhr noch geregnet hat, hat bereits um 7:00 Uhr die Sonne geschienen so dass wir uns dann auch auf die Tour gefreut haben. Nach einem ordentlichen Frühstück ging es dann recht zeitig los. Nach Gmund ging es direkt richtig steil weiter. Dennoch hat das Radeln Spaß gemacht, da die Landschaft einfach schön zum anschauen ist. In Neubeuren haben wir nach fast 60 km eine Mittagspause in einem sehr schönen Biergarten gemacht. Hier gab es mexikanische Küche, was auch mal wieder eine willkommene Abwechslung war. Von nun an war der Weg eine ganze Weile nicht mehr sehr schön. Über viele Kilometer ging der Weg immer entlang der A8. Dabei war nicht nur der Lärm nervig sondern auch die stetige Steigung. Nach gut 100 km kamen wir dann in Bergen an, wussten aber nicht wo wir übernachten sollten. Annette ist dann einfach in eine Boutique gegangen und hat die Verkäuferin gefragt. Die hat uns dann auch direkt ein Zimmer organisiert. Das ist zwar nicht wirklich schön aber mit 45,00 € auch ohne Frühstück in Ordnung. In Bergen haben wir im Gasthof zur Post recht gut gegessen und haben anschließend ein hervorragendes Eis in der ortsansässigen Eisdiele gegessen. Noch ein kurzer Hinweis: Heute haben die Räder gehalten!!!

6. Etappe Bergen – Berchtesgaden (80 km)

Wie die Wettervorhersage versprochen hatte, regnete es. Also haben wir uns direkt in unsere Regenklamotten geworfen und sind zum Frühstücken ins Kaffee in Bergen gefahren. Das Schöne war allerdings, dass es zu regnen aufgehört hat und wir nach dem Frühstück trocken weiterfahren konnten. Und so wurde das Wetter im Laufe des Tages immer besser, so dass Annette am Ende des Tages sogar einen leichten Sonnenbrand auf dem Handrücken hatte. Die Tour verlief bis Bad Reichenhall gut aber nicht wirklich spektakulär. Die häufige Nähe zur Autobahn war etwas nervig. Nach Bad Reichenhall wurde es dann wieder sehr schön aber der Weg wurde auch noch einmal so richtig ruppig zum Ende des Weges. Dazu kam dann noch ein kurzer Schauer so dass wir uns unter einer Unterführung schnell wieder in die Regensachen warfen. Zwar hörte der Regen zunächst auf, aber der Himmel bedeckte sich immer stärker. Trotzdem sind wir über einen beschissenen Radweg nach Berchtesgaden gekommen und haben uns an der Touristeninfo vermeintlich freie Privatzimmer geben lassen. Wir haben uns also eine Adresse ausgesucht, sie ins Navi eingegeben und haben uns dann zuerst bergab und dann wieder bergauf zur Adresse routen lassen. …wären wir verbotener Weise durch die Fußgängerzone gefahren (Was das Navi natürlich nicht macht) wären wir nach 5 Minuten am Ziel gewesen. So aber sind wir quer durch Berchtesgaden geradelt. Das war nicht nur anstrengend wie die Sau sondern auch noch nass, da der Himmel nun endgültig seine Schleusen öffnete. Dumm nur, das der gesamte Weg für die Katz war. Das Zimmer war bereits weg. …wir hätten doch vorher anrufen sollen… Aufgrund des Tipps haben wir dann bei den anderen beiden Herbergen angerufen – und die waren auch beide ausgebucht. Gut das Annette auf dem Weg aufgepasst hat und ein Schild „Zimmer frei“ gesehen hat. Also sind wir wieder zurück und haben geklingelt. …und siehe da, wir sind bei der wohl nettesten Wirtin gelandet, die man sich vorstellen kann. Sie hatte noch genau ein Zimmer für eine Nacht! Nachdem wir dann im Brauhaus ordentlich gegessen und noch ordentlicher getrunken haben, haben wir uns überlegt noch eine Nacht zu bleiben. Daher hat Annette gefragt und Frau Müller hat es tatsächlich irgendwie möglich gemacht das wir bleiben konnten. Wir sind letztlich noch eine Nacht länger geblieben und haben jetzt eine Wetterbedingte Auszeit von zwei Tagen genommen. Diese haben wir aber sinnvoll genutzt, indem wir uns alles angeschaut haben, was wir wollten. Zunächst ging es ins das Besucherbergwerk und danach zum Königssee. Auch hier hatten wir wieder richtig viel Glück mit dem Wetter, so dass wir nach einer kurzen Bootsfahrt auch noch einen kleinen Spaziergang um St. Bartolomä machen konnten. Zurück in Königssee haben wir uns noch mit einer zu fettigen Wurst gestärkt und sind zurück mit dem Bus nach Berchtesgaden. Das ging im übrigen kostenfrei, da wir von der Wirtin Kurkarten bekommen haben, die das Busfahren kostenlos möglich machen. Auf dem Rückweg ist dann auch noch was recht lustiges passiert. Ich wollte Annette das tolle Wolkenspiel vorm Watzmann zeigen und sagte deshalb: „Guck mal da oben links.“ In diesem Augenblick fuhr der Bus an einem Haus vorbei und auf dem Balkon stand ein junger, knackiger halb nackter Jüngling den Annette entsprechend begutachtete. Am zweiten freien Tag fuhren wir dann noch mit dem Bus nach Salzburg. Leider war das Wetter so schlecht, dass wir schon nach kurzer Zeit super nasse Füße hatten. Das machte den Tag nicht schöner. Der Regen ließ nicht nach und wir hatten auch keine Möglichkeit frühzeitig in die Pension zu kommen (Busfahrzeiten am Samstag). Nachdem wir im Lokal des Mozarteum 1,5 Stunden mit Essen und begutachten der Studenten zugebracht haben ging es dann doch endlich wieder zurück und wir kamen fröstelnd wieder in Berchtesgaden an. Die Mutter der Wirtin, eine 81 jährige sympathische Frau, fragten wir nach einem Trockenraum für unsere durchnässten Schuhe, aber sie konnte uns nicht weiterhelfen. Also haben wir unsere nassen Sachen so gut wie möglich ausgebreitet und haben uns dann erstmal ins Bett gelegt und ein bisschen in die Glotze geschaut. Um sechs gingen wir dann zum Essen und als wir wiederkamen lagen unsere Schuhe auf der eingeschalteten Heizung und die noch nassen Radklamotten hingen dann nicht mehr an ihrem Platz sondern lagen in der Waschmaschine bzw. schon im Trockner! Die Wirtin ist wirklich toll. Jetzt bereiten wir uns auf die morgige Tour vor. Zunächst geht es nach Salzburg und dann über den Tauernradweg nach Passau. Von hier geht es dann entlang der Donau in Richtung Ulm. Hoffentlich wird das Wetter jetzt ein bisschen besser. Dort wo wir in der vergangenen Woche waren, ist mittlerweile alles überflutet. Die Nachrichten melden eigentlich nichts anderes. Wir haben also noch einmal Glück gehabt.

7. Etappe Berchtesgaden – Marktl am Inn (112 km)

Heute morgen hatten wir richtig Glück! Das gesamte Tal lag im Nebel der sich dann aber langsam hob. So gab es spektakuläre Bilder vom Watzmann. Danach schien dann – wie bestellt – die Sonne. Der Abschied war tatsächlich ein Abschied. Nach nur drei Tagen haben wir die beiden Wirtinnen lieb gewonnen und glauben das es auf umgekehrter Weise ähnlich war. Zum Weg: nach nur kurzer Zeit ging der Weg von der Hauptstraße ab in eine kleine Nebenstraße. Von hier aus ging es dann mal so richtig Berg auf. Es ging über ca. einem km mit durchschnittlich 24%!!!!!! bergan. Das war zu Beginn mal so richtig anstrengend. Dafür wurde es dann aber recht angenehm. Nach nur kurzer Zeit haben wir den Tauernradweg gefunden und ab da ging es immer leicht bergab Richtung Salzburg. Auch nach Salzburg ging es so weiter so dass wir ein recht ordentliches Tempo hatten. In Oberndorf bzw. Laufen auf der deutschen Seite haben wir nach knapp 50 km unsere erste ausgiebige Pause gemacht und haben quasi unser zweites Frühstück zu uns genommen. Danach ging es dann auf der österreichischen Seite weiter bis nach Ach bzw. Burghausen wo wir uns dann noch ein „afreiwei“ gönnten. Ab hier haben wir dann den Tauernradweg verlassen und haben uns dann leider kurz verfahren. Dazu kam dann auch noch, dass die versprochenen Wolken so langsam aufzogen. Nachdem wir dann den richtigen Weg gefunden haben, kamen wir dann auch an der Firma vorbei, der der Fußballverein aus Burghausen seinen Namen zu verdanken hat – Wacker. Schon wieder was dazu gelernt. In Burghausen gibt es eine ganze Menge von chemischer Industrie – war uns auch neu. Nach Burghausen ging es dann nach einiger Zeit wieder in die „Wildnis“. …und so langsam machte ich mir dann wirklich Gedanken darüber ob wir heute noch trocken an unser Ziel kommen werden. Zum Thema Ziel: Wir hatten noch gar keines. Wir legten es dann aber ganz schnell auf eines der nächsten Hotelstandorte fest der uns über den Weg laufen wird. …da war bei aufziehenden Gewitter aber leider auch keins in Sicht, so dass ich dann endlich auf die Idee kam, das Navi zu fragen – und das war dann eine richtige Entscheidung, denn so wurden wir dann fast trocken zu unserer heutigen Unterkunft geroutet. Diese ist allerdings nicht gerade das Ritz. Aber es wäre alles ganz nett, wenn die Wirtin nicht so eine elende „Fischbüchs“ wäre. Aber für 50,00 € bekommen wir ein annehmbares Zimmer mit gutem Bad und können auch die (unfairen) streitereien zwischen Chefin und Mitarbeiter ertragen. Zum Thema Marktl am Inn: Wir hatten beide keine Ahnung aber die permanente Darstellung vom Papst machte uns so ein bisschen skeptisch. …und dann beim Spaziergang die Lösung: Marktl ist der Geburtsort von Herrn Ratzinger. Mir war zwar Altötting ein Begriff – und das sind nur gut 12 km entfernt aber Marktl war mir unbekannt! … Reisen bildet!!! Morgen geht es weiter in Richtung Passau. Dabei hoffe ich auf zwei Dinge: zum einen soll es trocken sein und zum anderen sollte die Donau hoffentlich nicht über die Ufer getreten sein.

8. Etappe (Marktl – Passau) 95 km

Über die heuti8ge Etappe gibt es nicht wirklich viel zu berichten. Das Frühstück war besser als erwartet – na gut, nicht schwer wenn man nichts erwartet hat. Der Weg war einfach langweilig! Wir sind viele viele km entlang des Inns gefahren. Aber es ging immer nur gerade aus über einen Schotterweg über den Damm. Mehr gab es eigentlich nicht. Das gute war, dass wir schon recht früh in Passau ankamen, so dass wir uns noch in aller Ruhe die wirklich schöne Stadt angucken konnten. Ab morgen geht es dann entlang der Donau. Mal schauen wie das Wetter wird und wie wir vorankommen werden. Vielleicht wird der Weg dann auch wieder etwas spannender.

9. Etappe (Passau – Straubing) 104 km

Heute ging es also an der Donau los. …und das dann sofort so richtig nass. Nicht das man meinen könnte das es geregnet hat. Vielmehr hat der Regen der letzten Wochen die Pegel der Flüsse so stark ansteigen lassen, dass die Radwege zum Teil überspült worden sind. Ansonsten war der Weg zwar sehr stark frequentiert, aber der Verlauf des Donauradweges war sehr schön. Dazu kam noch ein sehr guter Untergrund der uns auch entspannt rollen lassen konnte. Da für morgen schon wieder schlechtes Wetter gemeldet wurde, haben wir uns überlegt von Straubing aus nach Hause zu fahren. Das wird zwar recht anstrengend, da man sehr häufig umsteigen muss – besser aber als zu frieren und wieder nass zu werden. Aus diesem Grund sind wir auch froh in relativer nähe des kleinen Bahnhofs im Landgasthaus Landshut zu finden. Das ist für unseren Urlaub auch der würdige Abgang, denn das Zimmer ist wirklich sehr schön. Resümee: Der BoKö war ein wirklich schöner Radweg – wohl mit das schönste was wir bisher gesehen haben. Der Inn war langweilig und ist nicht zu empfehlen und die Donau scheint mir dann doch ein bisschen zu stark befahren, auch wenn der Weg, den wir kennen gelernt haben, sehr gut war. Schön an diesem Urlaub war, dass wir häufiger in Privatzimmern untergekommen sind, was nicht nur günstiger war sondern auch viel netter.

jagsthausen

9. Juni 2013
von Annette
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Kocher-Jagst-Radweg

Kocher – Jagst – Radweg Ostern  2009

Endlich Frühjahr – unsere Räder sind startklar und das Wetter könnte an diesem Gründonnerstag-Morgen nicht besser sein für unsere erste Radreise in diesem Jahr. Wir haben uns den Kocher-Jagst-Radweg vorgenommen, eine schöne Radel-Runde im Hohenlohischen mit Startpunkt in Aalen. Die weiteren Stationen waren Schwäbisch Hall – Künzelsau – Bad Friedrichshall – Möckmühl – Jagsthausen – Langenburg – Kapfenburg – Lauchheim – Crailsheim – Ellwangen

Am Ende jedes Tages haben wir in unserem Bericht in einer kleinen Übersicht unsere objektiven Eindrücke der jeweiligen Übernachtungsmöglichkeit mitgeteilt – etwas, das mir selbst bisher immer in anderen Berichten gefehlt hat. War die Radunterbringung gut, das Frühstück auch ein Radlerfrühstück usw.- Schaut einfach selbst 😉

Donnerstag, 09.04.09  Aalen – Schwäbisch Hall (77 km)

Es könnte nicht besser sein 🙂 schon um 8 Uhr morgens strahlt die Sonne auf zu radelnden Fahrt nach Tübingen mit uns um die Wette! Abfahrt in Tübingen um 9:00 Uhr im IRE nach Stuttgart. Einzig das hineinhieven und abstellen der Räder in das Zugabteil war eine mittlere Katastrophe, da zum einen die Bauart dieses Zuges keinen vernünftigen Transport zulässt und zum anderen die Fahrradabteile durch „normale“ Passagiere belegt waren.

Nach einer Stunde Zugfahrt kamen wir -bedingt durch das ununterbrochene Festhalten der Räder- etwas gestresst in Stuttgart an. Bahnfahren in vollen Zügen und ohne die Möglichkeit, die Räder richtig hinzustellen ist einfach grausig. Nun denn, nach der Ankunft hatten wir noch jede Menge Zeit, unseren Zug zu suchen. Ein Kopfbahnhof ist klasse!
koja001Bild: entspannte Zugfahrt

Der Weg nach Aalen war dann so, wie man ihn sich als Radreisender mit Gepäck vorstellt. Viel Platz und dazu noch ein supernetter und hilfsbereiter Schaffner, der uns dann noch mit Hilfe unserer Kamera fotografierte.Wenn doch nur jede Fahrt mit dem Zug so toll funktionieren würde!

Nach der Ankunft in Aalen ging es endlich los. Nach kurzer Zeit haben wir den Kocher-Jagst Radweg gefunden und sind ihn direkt die richtige Richtung (also den Kocher hoch) gefahren. Der erste Teil der Strecke war recht angenehm zu radeln, wobei doch ein größerer Teil der Strecke an der B19 entlang führt.

Umso schöner waren dann die Eindrücke, als es von der Straße weg, hinein in die schöne Landschaft ging, die so langsam den Frühling mit stark austreibenden Blättern und viel schönem Grün begrüßte. Und nicht nur die – wir freuten uns zusammen mit den Vögeln, dass der lange Winter jetzt endlich vorbei war.

In der Mittagszeit haben wir verzweifelt nach einem Biergarten gesucht, denn der Bedarf nach einem sauren Radler und einem Klo war mittlerweile doch recht groß. In Gaildorf haben wir dann endlich ein schönes kleines Kaffee gefunden (Café am Schloss, leider ohne Web-Adresse) und haben da dann eine leckere und reichhaltige Suppe und unser ersehntes Radler zu uns genommen

koja002Bild: lecker Süppchen

Nach der Pause hat sich der Weg dann grundlegend verändert. Plötzlich ging es nicht mehr nur am Fluss entlang sondern der Weg hat sich ins hügelige Umland verzweigt. Hier war die Landschaft noch schöner anzuschauen als zuvor, dafür war die Fahrt für die nächsten 15 km aber auch recht anstrengend.

Am Ende unserer ersten Etappe fanden wir ein Hotel, das „Sölch“, 15min. zur Stadtmitte von Schwäbisch Hall gelegen.

Der Empfang war hier sehr herzlich (zur Begrüßung bekamen wir je eine Apfelschorle und ein Stadtplan mit entsprechender Erklärung und Tipps zu Schwäbisch Hall!). Das Zimmer entspricht mit den 72 € voll dem qualitativen Durchschnitt, den wir bisher kennen gelernt haben.

Nach einer ausgiebigen Dusche haben wir noch schnell unseren Getränkevorrat im nahe gelegenem Supermarkt aufgefüllt und haben uns anschließend in die Altstadt von Schwäbisch Hall aufgemacht, die wir uns in aller Ruhe anschauten. Im Restaurant Löwen direkt am Kocher haben wir auf Empfehlung unseres Hotelwirtes zu Abend gegessen. Ein guter Innenarchitekt war da zugange, wir waren sehr angetan von dem „Inneren“, welches durch seine Frische nicht so recht zum Äußeren als auch zur typisch schwäbischen Speisekarte passte. Das Essen war ganz gut.

Unsere Bewertung

Zimmer: sehr gut
Radunterbringung: ok (unter freiem Himmel im abgeschlossenen Garten)
Frühstück: sehr gut
Sonstiges: Begrüßung mit einem großen Apfelschorle – super für immer durstige Radler!
Pension/Hotel: Hotel Sölch in Schwäbisch Hall

Freitag, 10.04.09 Schwäbisch Hall – Neudenau (108 km)

Weiterfahrt nach einem guten und reichhaltigem Frühstück gegen 9:30 Uhr in Schwäbisch Hall.

Das Wetter meint es sehr gut mit uns und wir genießen die herrliche Landschaft und der mäandernde Kocher und lassen es einfach mal rollen – bis uns zur Mittagszeit ein schöner Biergarten, der Bikerbahnhof Weißbach anlacht. Das war mal ein ehemaliger Bahnhof, den Sie ganz nett zum Restaurant umfunktioniert haben.

Ganz groß wurde die geräucherte Forelle angepriesen. Nun ja, schließlich ist ja Karfreitag. Wir haben nur kurz überlegt, ob wir Fisch nehmen sollen. Es IST ja Karfreitag – und der Brauch besagt, dass man da kein Fleisch essen soll (warum Fisch kein Fleisch sein soll ist mir bis heute nicht klar, Tier ist Tier, oder?). Gesagt, getan. Und siehe da – welch possierliches Tierchen wir bekommen haben. Und dazu schwäbischer Kartoffelsalat (leckkkkkker!)

OLYMPUS DIGITAL CAMERABild: unser Karfreitagsfischessen

Die nächste beeindruckende Stadt mit historischem Kern war Künzelsau.

Sehr schön hergerichtet (dank Würth’scher Steuern höchstwahrscheinlich so in Topform 😉 und auch Forchtenberg (Geburtsort der Geschwister Scholl)

Zwischendurch wurde der Weg für ca. 3 – 4 km zur Schotterpiste, die auch durch den Wald vor Ohrenberg führte, was bei unserem guten Weg aber kein Problem war, bei schlechtem Wetter aber schnell zu einer schlammigen Angelegenheit werden kann.

Der Weg führte uns nach Ohrenberg auf einer stillgelegten Bahntrasse weiter, auf der wir – auch aufgrund des Rückenwindes – ein sehr hohes Tempo fahren konnten.

Zunächst wollten wir nur bis nach Bad Friedrichshall fahren, da wir hier aber schon gegen 15:00 vorbei düsten, haben wir uns dazu entschieden noch ein bisschen weiter zu fahren. Den Entschluss haben wir dann aber schnell bereut, da wir schon bald mit ordentlichem Gegenwind und abnehmender Lust zu kämpfen hatten. Schließlich haben wir uns entschieden, einem Gasthofschild an der Strecke zu folgen, was jedoch keine gute Idee war, weil sich das Hotel als Bruchbude herausstellte. Dumm war nur, dass wir bis zu diesem heruntergekommenen Hotel noch richtig viele Höhenmeter machen mussten, bis wir es sahen.

Also wieder zurück auf den Kocher-Jagst Radweg mit mittlerweile quälendem Po (die erste Gore, die scheuert!) bis wir dann vor Neudenau ein Schild mit „Gartenwirtschaft – Fremdenzimmer“ gesehen haben. Dieses kleine Hotel hat sich als griechisches Restaurant herausgestellt. Zum Suchen hatten wir auch keine große Lust mehr, also nahmen wir das mit 50 € sehr günstige und saubere Zimmer.

Unsere Bewertung

Zimmer: gut, nett eingerichtet und zweckmäßig
Radunterbringung: sehr gut (abgeschlossene Garage)
Frühstück: ok
Sonstiges: es stank im Zimmer grauenhaft nach Qualm, der von der Gaststätte die ganze Nacht bis zu den Zimmern waberte!
Pension/Hotel: Gartenwirtschaft-Fremdenzimmer Neudenau

Gegessen haben wir aber nicht beim Griechen, sondern bei einem sehr guten Italiener in der Altstadt. Dieser ist wirklich zu empfehlen!

OLYMPUS DIGITAL CAMERABild: Altstadt von Neudenau

Noch eine kleine Anekdote von der Fahrt, bei der wir uns nun nicht wirklich mit Ruhm bekleckert haben: Bei der Fahrt auf einem Feldweg fragte uns eine Frau (nacheinander!), ob wir vielleicht ein Handy für sie hätten, da sie ihren Schlüssel irgendwo auf der Wiese verloren habe.

Wir verneinten beide und fuhren einfach weiter. Nach wenigen Metern hatten wir beide so ein schlechtes Gewissen und haben uns dann gefragt, weshalb wir dieser Frau nicht geholfen haben! Gott sei Dank sahen wir dann aber aus einiger Entfernung, dass wenigstens ein Nachfolgender Mountainbiker der Frau die Hilfe nicht versagt hatte! Wir Trottel!

Samstag, 11.04.2009 Neudenau – Langenburg (ca. 88 km)

Nach einer unruhigen Nacht in einem quietschenden Bett gab es ein durchschnittliches Frühstück. Die Unterkunft ist meiner Ansicht nach – auch wenn sie recht günstig ist – nur im Notfall zu empfehlen. Nicht wegen des schlichten Ambientes, sondern wegen des ständige Geruches nach Zigarettenqualm, der die Nacht nicht besser machte.

Der Vortag steckte doch stärker in den Knochen als wir dachten, besser ist es wohl, es heute ruhiger angehen lassen. Nach nur gut 10 km kamen wir in das wunderschöne Städtchen „Möckmühl“. Wir waren uns einig, dass wir uns am Vortag ruhig noch die paar km mehr hätten antun können, um diese schöne Stadt zu genießen. Aber man kann sowas ja nicht ahnen – und schließlich waren wir gestern froh, überhaupt noch ein Bett zu finden.

Der Weg schlängelte sich entlang der (jetzt!) Jagst durch die idyllische Landschaft bis zu unserer ersten Pause nach nur 30 km in Jagsthausen. Hier haben wie uns nach einem guten Kaffee bei einem ziemlich „komischen“ Wirt kurz das Schloss von „Götz von Berlichingen“ angeschaut. Anschließend ging es dann weiter in das Dorf „Berlichingen“, wo es allerdings nicht so viel zu Gucken gab.

jagsthausenBild: Jagsthausen – Schloss von Götz zu Berlichingen!

Anschließend fuhren wir dann weiter zum Kloster Schöntal. Das Kloster ist recht imposant, weniger eigentlich wegen der Größe, sondern eher wegen des sehr guten Zustandes. Leider ist das Kloster heute kein Kloster mehr, sondern ein Tagungsort der Diözese Rottenburg (unser Nachbarort von Tübingen).

Wären wir keine solch furchtbaren „Schisser“, würden wir unsere Räder einfach einmal anketten und uns die tollen Burgen und Schlösser anschauen, nur – a) es ist viel zu schön, um drinnen zu sein und b) ich könnte das nicht genießen mit den ganzen Taschen „draußen“ am Rad und nicht in meiner Sichtweite.

Im immer enger werdenden Jagsttal sind wir weiter in Richtung „Mulfingen“ geradelt, welches wir uns für unser heutiges Etappenziel ausgesucht haben. Zuvor haben wir noch kurz in einem kleinen Biergarten mit dem netten Namen „Versteckter Winkel“ eine Pause gemacht.

In Mulfingen war das Bett und Bike Gasthaus „Krone“ unser Ziel. Leider hat uns hier keiner hereingelassen, so dass wir trotz mangelnder Lust und schmerzendem Poppes weiterfahren mussten. In einem Teilort von Mulfingen gab es dann noch ein *** Hotel mit Namens „Jagstmühle“. Hier sollte ein Zimmer allerdings 120,00 € kosten, was nicht nur uns zu teuer war. Mit uns hat an diesem Hotel nämlich auch ein anderes radelndes Paar nach einem Zimmer gesucht. Diese beiden waren aber wirklich in einem schlechten Zustand. Die Frau musste schon bei den kleinsten Hügeln absteigen, und der Mann ließ sie einfach stehen (tsssss…)

Damit wir auch bei der nächsten Gelegenheit in Langenburg nicht in die Röhre gucken mussten, habe ich zuvor beim „Gasthof zur Post“ angerufen und ein Zimmer für die Nacht reserviert.

langenburgDie Fahrt nach Langenburg gestaltete sich bis „Bächlingen“ sehr schön und gemächlich. Ab Bächlingen ging es dann aber noch einmal innerhalb kürzester Zeit seeehhhr hoch hinauf. Die Steigung („Alte Steige“) war mörderisch steil und es war einfach zu heiß. Letztlich haben wir doch nach fast 90 km dem Berg Tribut zollen müssen und mussten (welch Schande!) die letzten 200 m geschoben – und auch das war schon fast zu anstrengend.

Total ausgelaugt kamen wir dann am Hotel an, wo uns durch Zufall der Wirt schon erwartete. Schnell haben wir die Räder untergestellt und das Zimmer bezogen. Die Dusche war dann mit das Schönste an diesem Abend.

Unsere Bewertung

Zimmer: sehr gut
Radunterbringung: sehr gut (abgeschlossene Garage)
Frühstück: gut
Sonstiges: sehr leckeres Abendessen gab es hier!
Pension/Hotel: Gasthof zur Post Langenburg

Anschließend haben wir das schöne Dörflein angeschaut und haben dann im eigenen Hotel hervorragend gegessen. Die Nachrichten verkünden für den nächsten Tag bestes Frühlingswetter!

12.04.09 Langenburg – Lauchheim (84 km)

Heute haben wir den Kocher-Jagst Radweg fast vollständig beendet. Nur noch wenige Kilometer trennen uns noch bis Aalen, so dass wir sagen können, dass wir diese Strecke in 3 ½ Tagen geschafft haben. Bis heute sind wir 342 km geradelt.

Nach unserem Frühstück im Gasthaus zur Post (das Haus ist wirklich zu empfehlen!), sind wir den gleichen Berg wieder herunter gefahren, den wir uns gestern bergauf gequält hatten. Ist schon schöner irgendwie 😉

Nur wenige Kilometer später kamen wir an einem interessanten Bauernhof mit Lamas und Strauße vorbei. Diese mussten natürlich fotografiert werden, wobei wir es nicht geschafft haben, auch nur irgendein „gutes“ Bild zu knipsen. Die waren einfach zu schnell. Gleichzeitig haben wir das Radler-Pärchen von gestern wieder getroffen, die es doch tatsächlich noch in die gleiche Unterkunft geschafft haben wie wir (sich aber in Bächlingen haben abholen lassen). Diese haben sich aber auch heute anscheinend stärker auf das Fahren als auf die Landschaft und dem rundherum gekümmert.

straussBild: Strauße

Nach dem Bauernhof schlängelte sich der Weg durch das immer enger werdende, sehr idyllische Jagsttal.

Nun musste man aber immer häufiger aus dem Tal heraus fahren, so dass die Tour auch etwas anstrengender wurde. Nach einem Aufstieg hatten wir dann einen tollen Blick auf das Städtchen Kirchberg (danke Dieter für die Richtigstellung!) mit dem ehemaligen Residenzschloss der Fürsten zu Hohenlohe. Natürlich haben wir uns dann die komplette Schlossanlage in Ruhe angeschaut und waren begeistert.

Die Strecke rund um Crailsheim war im Vergleich zum Gesehenen eher etwas langweilig. Der Weg hielt sich immer in der Nähe einer Bahntrasse oder der Hauptstraße oder der Jagst und das Tal wurde immer breiter und verbauter.

In Crailsheim-Jagstheim haben wir uns dann in einem Gasthaus ein Mittagessen gegönnt und sind dann gestärkt weiter gefahren. Dort haben wir auch die Pläne für die nächsten Tage geschmiedet und uns schon einmal das Zimmer hier in Lauchheim reserviert.

Nach dem Mittagessen fuhren wir in das sehr ansehnliche Städtchen Ellwangen, welches wir uns vom Fahrrad aus anschauten. Hier war die einzige Stelle auf der gesamten Tour, bei der die Beschilderung zu wünschen übrig ließ, was mitunter auch an der Baustelle gelegen hat, die hier besteht – und für Radler nicht weiter ausgeschildert war.

Lauchheim

Von hier an plätscherte der Weg so vor sich hin bis wir aus der Entfernung die Kapfenburg sehen konnten, die dann auch unser Ziel markierte.

Im Hotel „Zum Ochsen“ angekommen, tranken wir zuerst etwas im netten, winzigen Biergarten, bevor wir im alten Gebäudetrakt ein echtes „Retrozimmer“ bezogen. Hier ist alles im feinsten 70er Stil eingerichtet, was schon wieder Kultcharakter hat.

Unsere Bewertung

Zimmer: Retro-Style ORIGINAL!
Radunterbringung: sehr gut (abgeschlossene Garage)
Frühstück: sehr gut
Sonstiges: sehr erlesene Küche, hat sich für das Ostermenü  mal so richtig gelohnt
Pension/Hotel: Roter Ochsen Lauchheim

Morgen verlassen wir den Kocher – Jagst – Radweg und werden auf dem Hohenlohe – Ostalb Weg weiterfahren. Angepeilt ist Ulm.

Montag, 13.04.2009 Lauchheim – Herrlingen (an der Blau, kurz hinter Ulm) (113 km)

Heute haben wir den Kocher-Jagst-Weg beendet. Er begann aber gleich mit einem ordentlichen Paukenschlag. Dieser führte doch tatsächlich direkt die Kapfenburg von Lauchheim aus hoch und vorbei und dann ging es weiter durch einen Wald, direkt über die A7 führte. Da wir sowieso auf den Hohenlohe – Ostalb Weg weiterfahren wollten  haben wir diesen nach einer kurzen Zeit genommen und den Kocher – Jagst – Radweg fürs erste hier verlassen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERABild: Blick hoch zur Kapfenburg

Der Preis für die Auswahl des Weges hierfür war ein steiler Anstieg mitten durch einen Wald mit üblem Schotteruntergrund und noch eine viel schlimmere Abfahrt auf dem gleich schlechten Untergrund, bis wir endlich wieder auf den Weg in Richtung Unter- und Oberkochen gekommen sind. Dieser Ausflug war ca.15 km lang und dauerte 1 ½ Stunden.

Dieser war dann durch seinen ebenen Verlauf eine willkommene Abwechslung und unsere Beine konnten sich endlich entspannen. In Oberkochen konnten wir dann noch einen Blick auf das Mutterwerk von Carl Zeiss werfen und sind dann entlang der Brenz nach Herbrechtingen gefahren.

Auf dem Weg haben wir noch eine kurze „Radler-Pause“ in einem netten Biergarten an einem See gemacht. Danach sind wir dann noch schnell nach Giengen gefahren, um ein Blick auf das Steiff Werk zu werfen.

koja024Bild: Steiff Museum

Ab hier wurde unsere Fahrt ein wenig chaotisch, da zum einen die Beschilderung immer mehr aussetzte und zum anderen meine Kunst des Kartenlesens (Guido!) nicht zum Besten gestellt war.

Wir sind dann noch ein ganzes Stück die Brenz entlang gefahren bis wir von Sontheim immer in Richtung der Bahntrasse nach Ulm entlang geradelt sind. Diese Fahrt war mehr als langweilig, da landschaftlich nicht mehr als Felder zu sehen war und die Wege sich in der Regel geradeaus durch die Landschaft zogen.

Eigentlich war unser Plan der, in Ulm zu übernachten, aber nachdem wir das (Menschen)-Chaos am Donauufer miterleben durften, waren wir nach einem kurzen Blick auf das Münster froh, wieder aus der Stadt herauszukommen. Das hat nach ein bisschen Gesuche auch ganz gut geklappt.

Letztlich sind wird dann durch Blaustein nach Herrlingen gekommen und haben durch Zufall das Gasthaus Lindenmeier gefunden, in dem wir ein sehr geräumiges Zimmer bezogen. Das Essen war einfach prima, vor allem das Eis zum Nachtisch. Das war, wie uns die Wirtin sagte, von den Bauern hier aus der Region gemacht – und so schmeckte das auch! Es lohnt sich auf jeden Fall noch einmal wieder zu kommen.Für morgen ist dann noch der Weg nach Hause geplant. Vielleicht scheint ja die Sonne morgen nicht ganz so aggressiv wie heute, damit wir ein bisschen unseren Sonnenbrand kurieren können.

Unsere Bewertung

Zimmer: gut (wobei es im Bad ständig nach Rauch roch!?!)
Radunterbringung: gut (Tiefgarage)
Frühstück: sehr gut
Sonstiges: sehr gutes Abendessen, besonders hervorzuheben war das von einem benachbarten Bauernhof selbst gemachte Eis!
Pension/Hotel: Gasthaus Lindenmeier

14.09.2009 Herrlingen – Gomaringen (115 km, ca. 7 h)

Unsere letzte Etappe für diese Tour. Von Herrlingen ging es direkt in Richtung Heimat. Zunächst entlang der Blau bis nach Blaubeuren, welches wir so gut wie touristenfrei angucken konnten.

blautopfBild: der Blautopf

Danach erfragten wir den Weg nach Laichingen. Direkt bei der Pharmafirma Ratiopharm ging es in einen verwunschenen Bergweg, der sich über 15 km stetig bergan durch die Schwäbische Alb schlängelte, bis wir endlich bei der Sontheimer Höhle ankamen.

Danach führte uns der Weg bis nach Laichingen eher unspektakulär an der Straße entlang. Hier haben wir schon ordentlich unsere Beine gemerkt, aber es ging weiter im steten bergauf – bergab bis wir nach einer kurzen Pause die ersten Regentropfen sahen und spürten. Dazu kam noch der kalte Wind, so dass uns schon ein bisschen kalt wurde. Da es aber immer schön bergauf ging, blieben wir jedoch recht warm, auch wenn wir noch einen Blick auf die letzten Schneereste werfen konnten.

In Römerstein angekommen, hätte es eigentlich eine Fahrradsteige in Richtung Urach geben sollen. Diese haben wir aber leider nicht gefunden, so dass wir von Hengen nach Wittlingen und dann nach Seeburg gefahren sind. Von hier düsten wir die Bundesstraße nach Urach runter. Endlich im warmen Urach angekommen, ließen wir in einem Café am Marktplatz unseren Kaffee und Kuchen schmecken.

In Urach haben wir uns kurz überlegt, ob wir mit der Bahn heim fahren sollen, haben uns dann ganz schnell dagegen entschieden. Schließlich haben wir ja unseren Stolz!

Von Urach aus ging es dann über Dettingen und Metzingen nach Reutlingen und nach einem kurzen Stopp bei RR nach Hause. Zum krönenden Abschluss sind wir dann noch in den Sportpark und liegen jetzt total fertig vorm Fernseher.

Fazit: Eine sehr schöne Tour mit insgesamt 578 km – und jede Menge Spaß.

 

1. Juni 2013
von GA2003@
1 Kommentar

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Schön, dass du meine Seite gefunden hast! Sie wurde gerade neu aufgesetzt und wird jetzt nach und nach – nach jahrelanger Online-Abstinenz – wieder gefüttert. Vor allem unsere herrlichen Radreisen der letzten Jahre werden endlich ihren Platz bekommen.

Über Anregungen, Kritik und sonstiges freue ich mich jederzeit 🙂

Liebe Grüße und viel Spaß beim Lesen,

Annette

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30. Juni 2010
von Annette
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Moselradweg – von Metz bis Koblenz, dann noch ein bisschen an der Lahn, der Weser und der Fulda

Moselradweg von Metz nach Koblenz – Pfingsten 2010 Moselradweg von Metz nach Koblenz

Nette Radreise entlang der Mosel mit Start in Metz/Frankreich bis nach Koblenz. Mittlerweile gibt es unzählige Reiseberichte über Radtouren in Deutschland – es gibt somit nichts, was noch nicht über die ganzen Radstrecken geschrieben wurde. Falls es dennoch noch jemanden interessieren sollte, uns auf unserer Reise zu begleiten und einige unserer Missgeschicke zu erleben … nur zu 😉

1. Etappe: Nachtfahrt mit dem CNL nach Metz/Frankreich. Von Metz nach Palzem (95 km)

CNL, Deppen unter unseren RädernBild: Nachtreise unserer Räder mit Untergrundlieger…

Da wir ja letzten Sommer so gute Erfahrungen mit dem City Nightline (CNL) gemacht haben, haben wir uns dieses Jahr gedacht, dass die Fahrt nach Metz auch gut über Nacht zu machen ist. Leider war kein Liegewagen mehr verfügbar, so dass wir ein einfaches Abteil gebucht haben. So weit so gut. Am 23.05.10 sind wir nach Stuttgart gefahren. Am Bahnsteig die erste unangenehme Geschichte: Der Schaffner des Zuges – o.k. der Zugbegleiter – wartete mit uns auf den Zug. Da dachte ich mir: „Frag den doch mal „was“ für ein Zug kommt. Dann wissen wir, ob wir mit Gepäck auf den Rädern ins Abteil kommen oder ob wir den ganzen Mist abbauen müssen.“

Also hin zum Schaffner und gefragt. Antwort: „Worum wollen Sie das wissen?“ Ich: „?! Weil…“ Er: „Ein Sechselfer“ Ich:“?????“ und im Bewusstsein nichts sinnvolles aus diesem Mann heraus zu bekommen habe ich mich dann wieder – freundlich dankend wegen Kinderstube uns so – wieder getrollt. Der „Sechselfer“ war so ein Scheißzug, bei dem man sich, sein Gepäck und sein Fahrrad zunächst auf 1,5m Höhe wuchten muss um sich dann durch eine Minitür zu quetschen. Ein weiteres blödes Detail: zwischen Bahnsteig und Zug klafft ein Loch in dem man einen Sumoringer verstecken könnte. …man muss also auch fast Springen um die Tür zu erreichen. Beim Einstieg schaute der Schaffner sich das Schauspiel von uns begeistert an, was Annette dazu animierte zu fragen, ob es keine Einstiegshilfe gäbe. Schaffner grinsend: „In Stuttgart ist die Lücke noch größer!“ Wir (im Gedanken wegen Kinderstube): „Arschloch!“

Der Rest der ersten Etappe verlief so, wie man sich das an einem Tag vor einem Feiertag so vorstellt. Der CNL kam pünktlich und das war dann auch schon das einzig Positive. Der Einstieg war schon bescheuert, weil eine Mama noch ihrem Kind vor unserer Nase am Einstieg den Zug, die Anzeige, wohin der Zug fährt und woher er kommt fotografieren muss. Als sich die Dame dann mal bequemte, uns rein zu lassen sehen wir uns im Fahrradabteil dem nächsten Problem ausgesetzt. Ein japanisches Pärchen hatte es sich auf dem Fußboden (als Unterlage DB Prospekete – die Japaner lernen schnell, wofür diese Schriftstücke am besten geeignet sind) bequem gemacht. Leider sind diese Abteile jetzt nicht so üppig, als dass man dort unendlich viel Platz hätte, weshalb wir aus diesem Grund auf Englisch …(wegen Kinderstube und so): „Wir müssten da mal unsere Räder hinhängen.“ Japaner antwortet auf Englisch und wir haben ausser nichts GAR NICHTS verstanden! Wir mit der Waffe der Gründlichkeit: „Wir haben reserviert.“ Japaner: „o.k.“ und dazu noch eine unverständliche Erklärung. So konnten wir dann unsere Räder weghängen und uns auf den Weg zu unserem Abteil machen.

Hier ist alles schnell erzählt. Wir machen Chaos, weil wir ja auch unser Gepäck verstauen müssen, „verjagen“ somit einen seltsamen Typen von unseren reservierten Plätzen und fangen an uns zu ekeln wegen des stinkenden Typen neben mir, der ein Aroma abgibt von der Qualität: „Letzte Dusche vor einer Woche und Waschmaschinenkauf noch in Planung“. In Mannheim hält der Zug über eine Stunde, was ein paar Amerikaner animiert, auf den Abteilgang zu gehen und sich nett zu unterhalten – es war – unterm Strich – eine Albtraumfahrt! nach oben Die Fahrt geht endlich los … Metz Trotzdem sind wir in Metz um 7:00 Uhr angekommen. Um aussteigen zu können mussten wir dann den Typen aus unserem Abteil noch mal verjagen (Bild oben … die Typen mit Schlafsack), weil der es sich unter! unseren Rädern bequem gemacht hat. Unfassbar! Man sagte den beiden, dass wir hier aussteigen würden, die wachten auf – und ließen sich gepflegt am Arsch lecken. Solch ein Benehmen hab ich ja noch nie erlebt. Wird man Alter eigentlich immer intoleranter oder besitzt man einfach nur eine bessere Kinderstube?

OLYMPUS DIGITAL CAMERABild: Blick über Metz

Metz überraschte mit einer sehr schönen Altstadt, die wir sehr gerne noch länger erkundet hätten. Unser Problem jedoch: Keine Karte dabei, die uns durch Metz geführt hätte, noch gab es irgendwo auch nur ein einziges Radwegeschild! So irrten wir und irrten und irrten, bis wir dann einigermaßen aus Metz draußen waren. Da war dann alles mit dabei. Singletrail fahren, Räder die Treppen hoch und runter tragen, in die falsche Richtung radeln. Gott sei Dank hatten wir wenigstens einen Kompaß dabei. Als wir dann endlich den Weg aus Metz heraus gefunden haben – in der vermeintlich richtigen Richtung haben wir dann erstmal ein „Firstclass Frühstück“ zu uns genommen – zwei mitgebrachte Äpfel. …das sollte es dann auch für die nächsten 70 km sein und reichen (hat es auch!!!).

Nach dieser kurzen Pause sind wir in einen kleinen Ort eingefahren und wussten hier dann ganz plötzlich auch nicht mehr weiter. Da hat sich Annette dann ein Herz gefasst und einfach mal gefragt. Da es ja immer heißt, Franzosen sind schon sprachlich intolerant war ich sehr gespannt was passiert, nachdem Annette in Englisch gefragt hat. …und, was soll ich sagen – ich wurde überrascht! Die Leute waren so nett – kaum zu glauben! Mit Händen und Füßen sprechend wurde uns der richtige Weg gezeigt. Hiermit aber nicht genug. Die angesprochene Frau – auch mit dem Fahrrad (dabei noch ein Rennrad!) unterwegs – führte uns den kritischen Teil und schickte uns dann auf einen Weg, auf dem nicht mal wir uns noch verfahren konnten. Zwischendrin wurde es dann nochmal etwas anstrengend, weil der Fahrradweg sich in eine Trecker-Teststrecke verwandelte und dann auch noch an einer neuen Brücke endete, die zwar eine Treppe hatte, aber eigentlich Leiter sein wollte. Das war es dann aber auch mit weglichen Ungereimtheiten.

OLYMPUS DIGITAL CAMERABild: in Palzem

Irgendwann fingen dann die Mägen dann doch an zu knurren. Zudem zollten wir der nicht in Anspruch genommenen immer stärker Tribut. …wir waren einfach kaputt und wollten nur noch was Essen. Da erschien ein Hinweisschild am Horizont welches Sättigung und Bier versprach.

Beim wunderbaren Restaurant „Moselbrück“ in „Nennig“ wurden wir dann aber schnell auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Um 14:15 Uhr war die Küche geschlossen und als Ersatz bekamen wir zwei kleine Stücke Kuchen – für 3,50 € das Stück. Liebe Radfahrer, tut Euch einen Gefallen – macht da keine Pause! Wieder auf den Rädern, wollten wir nur noch ein Hotel. Das haben wir dann – zum Glück – im kleinen Dörfchen „Palzem“ gefunden.

Das Hotel „Rebenhof“ bot und ein tolles Zimmer, das Abendessen war gut, dass Frühstück einfach, aber ausreichend und OLYMPUS DIGITAL CAMERAschmackhaft und das alles für einen Preis von 56,00€. Hier kann ich nur eine dicke Empfehlung aussprechen. Nachdem wir unsere Flüssigkeitsschuld mit je zwei Weizen aufgefüllt haben, ging es zu einem örtlichen Winzer („Brunnenhof“) bei dem wir uns dann mit einer sehr guten Flasche Moselwein vergnügten, die uns dann vollends den Gar ausgemacht haben. Man kann sagen, dass unser Schlaf dem Tod bestimmt recht nahe gekommen ist. Überrascht war ich dann am nächsten Morgen, dass ich keinen dicken Kopf vom Wein hatte. …spricht wohl für die Qualität des Weins.

Hotelbewertung

Zimmer: sehr schön
Radunterbringung: sehr gut
Frühstück: einfach, aber ausreichend und sehr schmackhaft
Sonstiges: sehr leckeres Abendessen
Pension/Hotel: Hotel Rebenhof (56 Euro)

2. Etappe: Palzem – Thörnich (73 km)

Um 9:30 ging es los in Richtung Trier. Und hier sind wir dann auch über einen schönen Weg – ohne Vorkommnisse angekommen. Die Wirtin vom „Rebhof“ gab uns noch den Tipp, dass man in Trier sein Fahrrad samt Gepäck einschließen kann. Trier Radgarage …und das stimmte! Mitten im Zentrum – an der Porta Nigra – gibt es ein OLYMPUS DIGITAL CAMERAFahrradparkhaus wo wir für 1,- € unser Fahrrad bewacht abstellen konnten. So hatten wir die Möglichkeit uns die Stadt in Ruhe anzuschauen.

Aber zuerst gab es ein gutes Mittagessen bei einem netten Italiener, wo wir 8,50 € für sehr leckere Tortellinis bezahlt haben aber 4,50 € (!) für ein Radler blechen dürfen. Nach einem Streifzug durch die Innenstadt sind wir dann in den Dom gegangen und waren überwältigt. Eine wirklich sehr schöne Kirche deren Besuch man nur empfehlen kann. Nach gut 2 Stunden Pause ging es dann weiter.

Der Weg aus Trier war dann mal so richtig sch(lecht). Schlechte Straßen, viel Verkehr und überhaupt. Dann war man aber wieder an der Mosel und alles wurde wieder besser. Tja, bis es dann anfing zu regnen. Da kurzfristig Annettes Bremse ein bremsenuntypisches Verhalten an den Tag gelegt hat und auch noch eine B&B Schild am verregneten Wegesrand leuchtete beschlossen wir kurzfristig die Etappe zu verkürzen.

So landeten wir im Gasthof Thimmer in Thörnich, der genauso wie unsere gestrige Unterkunft sehr solide und nett ist. Ebenfalls ein dicker Tipp, gerade weil der Preis mit 44,00 € mehr als günstig ist. Wie das Frühstück ist, kann ich noch nicht sagen, da es gerade 21:00 Uhr ist. Eine Kleinigkeit wollten wir noch essen. Das war allerdings in diesem Dorf das Problem, da es nur ein kleines Restaurant zu sagen wäre übertrieben gibt. Das letzte Gericht war Flammkuchen. Der war mit gutem Wein aber richtig gut und da wir uns ja schon Mittags den Bauch vollgeschlagen haben, war das auch ausreichend. Auf der Terrasse unseres Wirtes haben wir dann noch ein Glas Wein getrunken und liegen jetzt – auf gutes Wetter hoffend – im Bett.

Hotelbewertung

Zimmer: sehr gut
Radunterbringung: sehr gut
Frühstück: gut
Sonstiges:
Pension/Hotel: Gasthof Thimmer in Thörnich

3. Etappe: Thörnich – Zeltingen-Rachtig (heute nur 47 km wegen Dauerregen)

Wenn wir uns gestern schon wegen der paar Tropfen geziert haben, hätten wir heute gleich liegen bleiben können. Da wir aber verdammt harte Hunde sind <hüstel>, haben wir uns heute morgen bei Regen aufgemacht. Natürlich immer in der Hoffnung, dass nach der nächsten Moselbiegung die Sonne scheint und nicht der Himmel den Boden berührt. Tja, Sonne sehe ich jetzt – und jetzt sind wir schon seit sechs Stunden in Zeltingen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAber noch mal von Anfang: Als wir uns bei der Familie Thimmel auf den Weg gemacht haben, hat es ein bisschen getröpfelt. Aber da wir ja vermeintlich gut ausgerüstet sind, haben wir uns in unsere Regenklamotten geschält und sind los. unglaublich, überall Ehses in diesem Ort – Inzucht???Leider wurde der Regen immer schlimmer – was uns aber tatsächlich gar nichts ausmachte. Unsere Laune war einfach nur gut. Das Wetter änderte sich nicht wirklich – mal war es schlecht, mal so richtig schlecht. Was sich allerdings änderte war der Zustand unserer Regenklamotten. Als sich der Himmel in Bernkastel-Kues gedacht hat: „Schluss mit dem Kindergeburtstag – jetzt regne ich mal richtig!“ Haben sich unsere Jacken gedacht: „Ich bin voll!“ und haben ihren Dienst eingestellt.

Tatsächlich hat es Wolkenbruchartig zwischen Bernkastel und Zelting geregnet und der Blick ins Tal verhieß nun auch keine wirkliche Besserung. Zum Glück war es nicht so kalt. Gefroren haben wir nicht. In Zelting überlegten wir dann während des Fahrens ob wir noch bis Traben-Trabach weiterfahren sollten, als am Ende des Städtchens ein B&B Schild auftauchte welches jegliche Überlegungen im Keim erstickte und der Finger fast automatisch auf die Klingel der Familie Ehses landete. Zum Glück war ein Zimmer frei. Der Wirt kümmerte sich schon fast herzlich um uns.

Die nassen Sachen wurden in einen beheizten Raum aufgehängt und nach der heißen Dusche gab es dann noch einen Kaffee. Das Zimmer selbst ist jetzt nicht das Nobelste was auf dem Hotelmarkt zu erlangen ist – so fehlt z.B.der Fernseher auf dem Zimmer – aber alles ist durchaus angenehm. Den Preis kenne ich leider gerade noch nicht, aber ich gehe davon aus, dass es nicht zu teuer sein wird.

22-zeltingBild: leckeres Rösti

Den Nachmittag verbrachten wir dann mit Essen im „Zeltinger Hof“ (sehr zu empfehlen: Kartoffelrösti siehe links) uns spazieren über den heimischen Friedhof. Hier sahen wir, dass es noch einige B&B Herbergen in diesem Ort vorhanden sind und unsere wahrscheinlich zu einen der einfacheren gehören wird. Aber sei’s drum – wir sind wieder trocken, satt und zufrieden. Da unsere Strecke heute nicht mehr als 47 km ausgemacht hat und das Wetter morgen auch wieder besser sein soll, haben wir uns für morgen mal eine richtige Etappe vorgenommen. …na dann schaun wir mal… Jetzt gehen wir aber meiner neuen Leidenschaft nach! Wir werden uns mal ein lauschiges Weinlokal suchen. …daraus wurde leider nichts – weil keines auf hatte.

Deshalb sind wir dann in einem lauschigen Biergarten gelandet und haben uns mit Weizenbier abgefüllt. Der nasse Tag sollte auch ein nasses Ende haben. Unser Zimmer hat nur 42,00 € gekostet, das Frühstück war fast identisch zu den vorherigen und somit war das Preis-Leistungsverhältnis mehr als gut.
Hotelbewertung

Zimmer: sehr gut
Radunterbringung: sehr gut
Frühstück: gut
Sonstiges: sehr nette Unterbringung, unsere nassen Klamotten wurden auf’s liebevollste getrocknet
Pension/Hotel: oje, weiß ich jetzt gar nicht mehr… (42 Euro)

4. Etappe: Zelting-Rachtig – Kobern-Gondorf (116 km)

Mein erster Blick heute morgen ging Richtung Himmel – und der sah noch immer nicht sehr vertrauenserweckend aus. Dennoch war es trocken und das war nach der Schwimmeinlage vom Vortag mehr wert als alles andere. Nach dem allmorgendlichen Gehader waren wir schnell in Traben-Trarbach. Sehr nett und um diese frühe Stunde auch noch nicht von Ocker-farbenen Rentnern besetzt. Trarbach erreicht man, wenn man die Moselbrücke überquert. Meiner bescheidenen Meinung nach – Einheimische werden mich bitte entschuldigen – ist Trarbach der schönere der beiden Orte.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAVon hier pedalierten wir dann weiter in Richtung Cochem. Das dauerte schon ein bisschen länger als die paar Zeilen hier aber es passierte nicht viel, was Erwähnung finden müsste. Die Wege sind sehr gut ausgeschildert und haben eine prima Qualität – und es hat nicht geregnet! Vielmehr hat sich das Wetter gefestigt und ich habe auch nicht mehr wirklich mit dem Regen von oben gerechnet.

In Cochem war ein großer Teil des Fahrradweges gesperrt, was uns dazu zwang durch die Innenstadt zu schieben. Das hätten wir sowieso gemacht, aber unter „normalen“ Verhältnissen hätten wir diese – so wie ich uns kenne – erst noch suchen müssen. Cochem besticht durch seine schönen Gebäude und durch seine vielen Touristen (bevorzugt Holländer), wofür die Stadt zwar nichts kann, uns aber schnell weiterfahren ließ. Ab Cochem wurde der Weg ein wenig langweilig und laut. Das liegt vor allem an dem immer enger werdenden Tal, in dem sich eine Bahntrasse, eine Bundesstraße als auch ein Radweg den Platz teilen müssen. Aus diesem Grund wurden diese drei Verkehrswege einfach direkt nebeneinander gelegt, was für die Radler auf den nächsten ca. 30 km die Folge hat, dass man immer neben einer Straße fährt.

Die Wege waren sehr gut, aber der Lärm der Autos und das nicht mehr wahrnehmbare Vogelgezwitscher nervten schon ein wenig. Wahrscheinlich sind wir aus diesem Grund auch so schnell gefahren und kamen nach 116 km um 16:15 in Kobern an und haben hier in einem kleinen netten Hotel, welches so toll aus Naturstein gebaut ist (wie bei den Engländern) Quartier bezogen.

Gegessen haben wir auf meinem Wunsch bei einem Italiener. Nachdem wir heute Mittag auf dem Weg bei einer Imbiss-Bude einen Pitstop eingelegt haben und nur der Hunger diesen überteuerten Fraß in uns hinein bekam wollte ich nur noch Nudeln Essen. Annette hat mir meinen Wunsch erfüllt und wir sind also zum Italiener. …und den haben wir dann auch noch „beschissen“. Nein haben wir nicht, das hat er brav selbst gemacht. Nachdem wir also unser Essen und unser Bier bestellt und konsumiert haben, kam noch das Gelüste auf einen Eisbecher auf. Der kam dann auch und schmeckte echt lecker. Da wir Kobern-Gondorfdraußen saßen und es immer kälter wurde wollte ich bezahlen. Unser netter Kellner war aber weit und breit nicht mehr zu sehen. Ein zweiter fühlte sich nicht kompetent genug uns unser Geld abzunehmen, so dass ca. 20 Minuten warten ein dritter Kellner – augenscheinlich der Chef – sich erbarmte um unser Geld entgegenzunehmen. Der zählte auf was wir hatten – für ihn nur die Sachen die auf dem Tisch standen.

Da meine Frau durch und durch ehrlich ist, begann sie dann noch aufzählen zu wollen, was wir noch hatten. Aber das wollte der Kellner gar nicht so richtig wissen, so dass ich meine liebe Frau einmal unterm Tisch treten musste (…ich weiß, dass machen eigentlich immer nur Frauen mit Männern) und sie dann lächelnd verstummte. Also mein schlechtes Gewissen hält sich wirklich in Grenzen. Wäre „unser“ Kellner noch da gewesen, hätte der ein dickes Trinkgeld bekommen. Wenn aber der Chef nicht weiß was in seinem Laden abgeht, ist mir das ziemlich egal. …nennt mich Verbrecher!

OLYMPUS DIGITAL CAMERA Nach dem Essen haben wir dann mal wieder unserem Hobby gefrönt und sind über den Friedhof gegangen. Im Gegensatz zu gab es keine Anomalie bezüglich immer gleicher Namen. Statt dessen gab es jede Menge uralte Grabsteine zu sehen, was mich wiederum sehr faszinierte. Steine von 1637 stehen da einfach so rum. …wenn die eine Geschichte erzählen könnten…

Morgen verlassen wir dann die Mosel und steigen in die Lahn ein. Wir sind beide gespannt wie die Landschaft sein wird, denn wir haben beide keine Idee, wie die Gegend ist. Das Hotel am historischen Marktplatz hat 50,00 € gekostet und war damit auch völlig in Ordnung. Das Frühstück war etwas mager. …

5. Etappe Kobern-Gondorf (Mosel) – Limburg (Lahn) (94 km)

Heute haben wir die Mosel verlassen und sind 94 km nach Limburg an der Lahn gefahren. Wie bei bisher jedem Radweg war beim Moselradweg das Ende eher mäßig und beim Lahnradweg der Anfang echt schlecht. Die Krönung war allerdings Koblenz, wo im Moment für die BuGa 2011 umgebaut wird – und zwar das komplette linke Rheinufer.

24_limburgKeine Chance mit dem Rad weiter zu kommen und keine Umleitung oder so ausgeschildert. Koblenzer Treppenwitz Super sch…! Wir waren zuerst verwundert, dann genervt und zum Schluss dann so richtig sauer! Die Krönung war dann noch eine Wegbeschreibung, die eine Treppe (BILD!) hinunter führte, wo man nicht wirklich herunter kam. Danach ging es dann wieder besser.

23-treppenwitzDer Einstieg in den Lahnradweg war eher arm, verbesserte sich dann aber immer stärker. Irgendwann wurde es dann aber etwas anstrengend – o.k. sau anstrengend, als es erstmal ewig bergauf ging. Mosel Also mal so 3,5 km mindestens – und weil das so ein Spaß gemacht hat gleich wieder runter. Danach ging es dann bis nach Limburg der Lahn entlang. Hier haben wir dann in der Touri-Info ein Zimmer Tipp bekommen (ein Italiener) und haben das dann auch gerne angenommen.

Das Essen war zwar etwas langweilig, das Zimmer ist aber ganz o.k. Die Wettervorhersage sagt zwar für morgen was Gutes voraus, aber am Sonntag soll es mal so richtig schlecht werden. Deshalb haben wir uns für morgen vorgenommen nach Siegen zu fahren um dann am Sonntag mit dem Zug in Richtung Hamm zu fahren.

Hotelbewertung

Zimmer: sehr gut
Radunterbringung: unverschämt, weil man dafür extra bezahlen musste (2 Euro pro Rad)
Frühstück: sehr gut
Sonstiges:
Pension/Hotel: wieso weiß ich den Namen jetzt schon wieder nicht mehr? Sorry – war aber mit 89 Euro bisher das teuerste Zimmer

6. Etappe (Limburg – Ennigerloh (mit Zug Etappe) – trotzdem 101 km!

Nachdem wir uns gestern Abend mal wieder den Wetterbericht angeschaut haben und sehen mussten, dass es die nächsten zwei Tage regnen soll. Da hatte meine Frau eine tolle Idee! Nehmen wir doch einfach eine Abkürzung und fahren nach Siegen. Limburg Auf der Karte haben wir dann auch den entsprechenden Weg (R8) gefunden. Morgens ging es dann los und es dauerte nicht lange, da kamen die Anstiege. …und die hörten dann auch irgendwie nicht mehr auf. Dumm nur, dass es zwischendurch immer wieder runter ging. Über ca. 35 km ging dieses Spiel und wir waren einfach nur satt.

p5280187Bild: Kunst in Limburg

Grob zu dieser Zeit haben wir uns überlegt, dass wir heute schon mit dem Zug nach Ennigerloh fahren sollten. Nach km 35 wurde der Weg dann wieder angenehmer und wir wurden für die Schinderei am Vormittag durch einen sehr langgezogenen Abfahrt belohnt. Ein wunderschöner Weg über einen stillgelegten Bahndamm. In Dillenburg stiegen wir dann in den Zug und fuhren über Siegen und Hagen nach Hamm!

7. Etappe: Ennigerloh – Bad Driburg (122 km)

Heute ging es dann über 122 km nach Bad Driburg. Ich dachte zwar, wir kämen weiter – aber hier ist es dennoch sehr nett. Bad Driburg Schließlich ist der Weg das Ziel! Der Weg bis Paderborn war wirklich sehr schön – in Paderborn haben wir uns um 10 km verfahren und waren genervt und sind dann tatsächlich erschöpft und hungrig um 17:30 Uhr in Bad Driburg angekommen.

Viel mehr gibt es für heute tatsächlich nicht zu sagen. Außer: Die Münsterländer haben wirklich gute Radwege und das Wetter wurde Richtung Osten immer schlechter. Abends hat es schließlich noch geregnet, was uns im Hotel aber nicht wirklich gestört hat. Unser Hotel (Eggenwirt) ist o.k. Das Zimmer ist mit 76,00 € relativ teuer – aber die Küche haben wir schon getestet und wenn das Frühstück genauso gut ist wie das Abendessen dann ist der Preis akzeptabel. Nachtrag: Das Frühstück war sehr gut – und damit geht der Preis schon in Ordnung.

8. Etappe: Bad Driburg – Hannoversch Münd (103 km)

Gestärkt durch das gute Frühstück ging es heute schon recht früh los. Leider war das Wetter recht mies! Es war kalt und die Wolkendecke war dick und hing tief. Dazu kam dann noch ein recht starker Wind – natürlich immer gegen unsere Richtung.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA Das zog sich durch bis wir kurz vor Beverungen an die Weser gekommen sind. Ab hier ging es dann endlich Richtung Süden und der Wind stand plötzlich auch recht häufig im Rücken. Die Landschaft des Weserberglandes ist wirklich schön und die Fahrradwege sind sehr empfehlenswert. Dazu kommt eine sehr gute Ausschilderung, was die Fahrt nochmal mit mehr Spaß verbindet.

Als Ziel haben wir uns irgendwann Hannoversch OLYMPUS DIGITAL CAMERAMünd ausgewählt. Wegnetze durch Hannoversch Münden Als wir hier dann ankamen waren wir super überrascht, wie schön dieses Städtchen ist – und das es zu Niedersachsen gehört. Es wimmelt vor super schön hergerichteten Fachwerkhäusern.

Dazu kommt, dass hier Weser, Fulda und Werra zusammenfließen, was die Stadt recht ordentlich umkreist. Untergekommen sind wir im Hotel Fulda, was auf den ersten Blick ein bisschen gammelig wirkt, sich aber auf den zweiten Blick eine sehr schöne Unterkunft ist. Mit 55,00 € ist es dazu in einem guten Preisniveau. Abzuwarten ist natürlich noch das Frühstück. Obwohl wir eigentlich nicht mehr viel zum Abend essen wollten, landeten wir im Ratskeller. Hier gibt es selbstgebrautes Bier und heute eine leckeres Buffet. Kulinarisch ein echter Hammer.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAJeder, der einmal in Hann. Münd zu Gast ist, sollte hier einmal einkehren. Morgen geht es dann in Richtung Fulda. Mal schauen, wie weit wir kommen. Zum Frühstück: Passte zum Rest: Einfach und nicht übertrieben gut. Das Hotel ist dennoch weiterzuempfehlen.

9. Etappe: Hann. Münd – Rotenburg a.d. Fulda (104 km)

Heute war es endlich soweit! SONNE – und zwar den ganzen Tag! Wir haben es echt genossen! Nach dem Frühstück ging es nach kurzer Suche wieder direkt los. Dieses mal entlang der Fulda. Diese Region Deutschlands war für uns beide absolutes Neuland – umso stärker waren wir überrascht wie landschaftlich schön das Fuldatal ist. Kassel Nach ca. 30 km kamen wir in Kassel an – und waren überrascht wie wenig los war.

Man hat kaum gemerkt das man in eine Großstadt einfährt. Hier liegt für die Strecke der einzige Kritikpunkt. Wenn man wie wir einfach OLYMPUS DIGITAL CAMERAnach den Schildern fährt (und ich kann sagen, dass die Ausschilderung wirklich sehr gut ist) geht man davon aus, dass die „Wegverantwortlichen“ die schönsten Teile einer Stadt an eine solche Radlerstrecke legen. Dies war leider in Kassel nicht der Fall, so dass wir plötzlich wieder raus waren – ohne wirklich drin gewesen zu sein. …ein wenig unbefriedigend :).

Aber nichts desto trotz war die heutige Etappe geprägt durch sehr schöne Dörfer und eine für Radler sehr gut ausgebaute Infrastruktur. So gab es u.a. jede Menge Biergärten und Cafes am Weg. Einen haben wir dann auch ca. 15 km nach Kassel ausprobiert. Wie mittlerweile jeden Tag, gönnen wir uns gegen Mittag ein Stück Kuchen und eine Tasse Kaffee.

OLYMPUS DIGITAL CAMERABild: Rotenburg

Dies auch an diesem Tag im Besagten Biergarten. …und alles war mal so richtig gut! Der Kuchen war Selbstgebacken und der Kaffee schmeckte zur Abwechslung mal wieder so richtig gut – und das alles zu einem sehr guten Preis! Radler Herz was begehrst Du mehr? Den zweiten Stopp haben wir in Melsungen eingelegt. manchmal darf’s auch gleich seinHier gab es dann ein alkoholfreies Weizenbier. Das weckt tatsächlich bei diesen Temperaturen die Lebensgeister.

Von Melsungen aus sind wir dann bis nach Rotenburg durchgefahren. Lediglich der Gegenwind störte ab und zu das Fahrvergnügen. Ansonsten war alles bestens. Rotenburg – die Armin Meives Gedächtnisstadt begeistert durch den großen Fachwerkbestand und den sehr gut erhaltenen Gebäuden. Auf der rechten Stadtseite (von der Fulda aus gesehen) gibt es in der direkten Nähe des modernen Sparkassengebäudes einen sehr lauschigen Biergarten.

Dieser ist wirklich zu empfehlen. Weniger zu empfehlen ist unser Hotel. Dieses liegt in direkter Nähe des Biergartens und hat eine eigene Gastronomie im Haus und auch auf der Fußgängerzone. Das Zimmer kostet 64,00 € und ist für diesen Preis sehr mäßig ausgestattet. Dazu kommt noch ein sehr siffiges Badezimmer, so dass schon ein sehr gutes Frühstück serviert werden muss um das alles auszumerzen.

Und just heute musste ich feststellen, dass der Rest der Reise ja noch gar nicht online ist. Tja, sowas fällt dann erst wieder auf, wenn man die Seite neu „aufsetzt“ und somit auch wieder einmal alles „liest“. Wir fuhren am nächsten Tag weiter bis nach Fulda und stiegen dann dort in den Zug in die Heimat. Sollte noch gesagt werden (10.06.13)

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30. August 2009
von Annette
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Tour Brandenburg

Brandenburg an der Havel – Rathenow – Semlin – Wittenberge – Helle – Rheinsberg – Templin – Bad Freienwalde – Kersburger Schleuse – Peitz – Senftenberg – Cottbus – Herzberg – Luckenwalde – Brandenburg an der Havel

Die Hinfahrt von Tübingen nach Brandenburg an der Havel klappte reibungslos. Einzig die Fahrt im City Nightline war anfangs doch recht spannend in Anbetracht des fehlenden Radabteils, weshalb dort dann ALLE Räder die Plätze sowohl in den Gängen als auch in den einzelnen Abteilen oder sogar im Bett 😉 belegten.

Unsere beiden Räder jedenfalls hatten ein jedenfalls ein Luxusabteil nur für sich und einem kleinen Kinderrad. Wir vergnügten uns im 6er Schlafabteil mit einer ratternden und auf Sturm eingestellten Lüftung. Ohrstöpsel sei Dank bekam ich kaum etwas davon mit.

Entgegen unseren Erwartungen haben wir aber tatsächlich ganz gut geschlafen und sind gut in Berlin angekommen. Die Weiterfahrt nach Brandenburg a. d. Havel verlief problemlos, so dass wir dann auch sofort starten konnten.

1. Etappe: Brandenburg – Rathenow – Semlin (76 km) – einrollen

OLYMPUS DIGITAL CAMERAFrühmorgens gegen 8:15 Uhr kamen wir in Brandenburg a. d. Havel an. Irgendwie machten die ersten Meter mit dem Rad keinen sonderlich vertrauenserweckenden Eindruck. Hinter uns der marode aussehende Bahnhof, vor uns ein riesiger Plattenbau. Oje. Willkommen im Osten der Republik. (By the way: exakt dieser Bau sollte an unserem Abreisetag abgerissen werden!)

Das ausgestorben wirkende Brandenburg (es war Sonntag und dann auch noch früh morgens) haben wir uns dann nur kurz vom Fahrrad aus angeschaut, schließlich wollten wir heute noch ein wenig voran kommen. Ein Frühstück war nicht möglich, da (noch) nichts offen hatte.

Im nachhinein kann man sagen, dass es im Osten des Landes wohl die besten Straßen und Radwege gibt.Von über 1100 km mit dem Rad waren vielleicht 20 km auf schlechten Wegen zu fahren!

Alle anderen Wege waren einfach nur traumhaft! Ich sag es ja nicht gerne, aber solch tollen Wege gibt es im Süden nicht (mehr). Leider. Die „Tour Brandenburg“ führte uns am ersten See der vielen weiteren auf dieser Reise entlang des Breitling Sees quer durch einen idyllischen Wald und die ersten Dörfer Kirchmöser und Plaue.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAVon hier aus sind wir bei immer heißer werdendem Wetter über eine wenig befahrene Straße nach Havelsee und weiter nach Pritzerbe gefahren. Hier gab’s dann auch unsere erste Pause in einem sehr schönen Biergarten. Dort haben wir der freundlichen Bedienung erklärt, dass wir gerne ein „saures Radler“ trinken würden. Die erste hier oben im Osten, die nicht verstehen konnte, dass man das bei uns recht gerne trinkt.

Ok, wir beide mit unserem „sauren“, also mineralwassergepanschtem Bier sind schon Exoten, „normales“ Radler kennt man ja schon ;-)Vom Biergarten aus erreichten wir just in time eine Havelfähre, die 2 min. später abfuhr! Weiter gings nach Jerchel und dann über eine wenig befahrene Straße nach Milow, bis wir schließlich Premnitz erreichten.

In Semlin fühlte man sich fast wie am Meer! Später legten wir noch einen kleinen unfreiwilligen Zwischenstopp in Rathenow ein, um eine Kleinigkeit zu essen, weil wir den Radweg nicht gleich gefunden hatten. Frisch gestärkt ging es dann weiter zu unserem ersten Ziel nach Semlin, welches wirklich wunderschön am See liegt. Der Ort hat „See-Charakter“.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAuch hatten die Preise der örtlichen Gasthäuser so ziemlich genau dasselbe Preisniveau wie in Spitzenlagen!

Von „günstig“ konnte man hier jedenfalls nicht reden. Wir haben uns dann noch ein wenig die Füße vertreten und sind noch einmal zum See gegangen.

Resumee der ersten Etappe: Landschaftlich sehr schöne Wege mit sehr guter Qualität. Leider lässt die Beschilderung noch einiges zu Wünschen übrig. Bei schlechter Beschilderung hat uns dann aber bisher (fast) immer der Bikelineführer geholfen.

Unsere Bewertung

Zimmer: sehr gut
Radunterbringung: gut
Frühstück: gut
Sonstiges: schönes Zimmer, nettes Ambiente, 200 m vom See entfernt
Preis für DZ: 60 Euro
Hotel/Pension: Pension Guthan’s Landhaus Semlin

2. Etappe: Rathenow – Semlin – Wittenberge (97 km)

OLYMPUS DIGITAL CAMERAUnsere zweite Etappe führt uns heute zu dem schönen Städtchen Wittenberge. Nach einem guten Frühstück fuhren wir los entlang des Hohenauer Sees durch den Ort mit dem wohl witzigsten Namen dieser Tour. Man muss sich den mal richtig langsam auf der Zunge zergehen lassen … W a s s e r s u p p e! Einer von vielen wirklich witzigen Ortsnamen, die es hier zu bestaunen gab!

Ganz süß ist auch Berlinchen oder Bräsinchen … und wenn man Göttin so liest, wie es erst mal jeder lesen würde, der nicht im Osten wohnt, dann muss ich sagen … Hut ab! Gefiel mir natürlich am besten 😉 Ab hier begann dann eine ziemlich langweilige Strecke. Dieser Weg führte uns eine kleine Ewigkeit über huckelige Betonpisten mit Löchern (sind auf dem Bild ein klein wenig zu sehen).

Eine schöne Abwechslung war dann das Örtchen Stölln, in dem Otto Lilienthal seinen ersten Flug unternahm und hier dann auch bei einem weiteren Flugversuch tödlich verunglückte.

Lilienthal zu Ehren fand 1989 auch eine IL 62 ihre letzte Verwendung auf dem Segelflugplatz. In dieser DDR/Sowjet Maschine ist eine kleine Lilienthal – Ausstellung und ein Standesamt untergebracht. Da Guido Lady Agnes – Sölln neugierig war, hat der Aufenthalt hier ein bisschen länger gedauert.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAIm Gasthause „1. Flieger“, welches auch schon 1895 Lilienthal Unterkunft gewährte logierten wir dann auch kurz auf n Radler. Die Kellnerin war ein echter Klassiker. Nachdem Sie uns gefragt hat wo wie her kommen und was wir vorhaben – und wir ihr das natürlich auch erzählt haben – rotzte sie mit ihrer „Berliner Schnauze“, dass wir doch „bescheuert“ wären – wir hätten uns ja fast weggeschmissen 🙂

Nach Stölln folgte Rhinow, wo wir einmal mehr die Erfahrung machen mussten, dass es in einigen Geschäften (vor allem Bäckereien) noch immer nicht die erhoffte Auswahl gibt. Das war sowieso recht interessant. Mit Backwaren hat man es in Brandenburg nicht so sehr, das war sehr mager. Von Rhinow an wurde der Weg dann noch etwas langweiliger (ok, das ist wohl Geschmacksache), bis wir dann endlich in Havelberg ankamen.

Hier haben wir dann eine kleine Stadtrundfahrt gemacht und sind dann in einem kleinen netten Bett & Bike Biergarten eingekehrt, in dem wir sehr schmackhafte Pasta gegessen haben. Auch hier hat Annette auf Ihrer chamanten Art dem Wirt erklärt, was ein saures Radler ist. Auch wenn dieser uns angeguckt hat, als ob wir pervers wären, haben wir dennoch ein recht schmackhaftes „solches“ bekommen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAb Havelberg wurde es dann aber richtig schön und interessant. Zwischen der Havel und der Elbe führt eine Art Insel mit einem Damm in der Mitte. FlusslandschaftHierüber geht der Fahrradweg, wobei man noch eine wahnsinnig schöne Sicht auf viele Vögel hatte.

Die Stadt, in der die Havel in die Elbe mündet heißt Rühstädt (nö Guido, das ist bereits davor der Fall!) Diese ist aber nicht wegen dieses Umstands besuchenswert, sondern vielmehr wegen der vielen Störche hier. Die Stadt hat insgesamt 50 Nester und gilt somit als „Storchenstadt Nr. 1“ in Deutschland. Von Rühstadt fuhren wir dann weiter entlang der Elbe bis nach Wittenberge.

Diese Stadt sollte nach unserem Bikelineführer ein wahres Highlight sein, in dem sich eine Übernachtung lohnt. Da wir auch schon fast 100 km unterwegs waren, bot sich diese Stadt natürlich auch an. Unser erster Eindruck allerdings: Verfall und Plattenbauten, wohin man schaute. Das angepeilte Bett & Bike Hotel stellte sich als unansehnliche Bruchbude heraus.

So fuhren wir weiter und siehe da, haben wir dann doch noch die schönen Seiten dieser Stadt kennen gelernt und uns auch noch direkt mit Blick auf die Elbe in der Pension „Zum goldenen Anker“ eingemietet!

Das Zimmer als auch das gesamte Haus besticht durch seine Originalität. Alles ist ein bisschen verkitscht – aber auf eine sehr nette Art. Lediglich die Dusche ist zu bemängeln, da hier nur bei regem hin- und herspringen das Nasswerden gelingt.

Nach einem ausführlichen Stadtrundgang sind wir dann noch in das benachbarte Restaurant „Elbe“ eingekehrt und haben bei Flammkuchen und Spaghetti den schönen Abend ausklingen lassen.

Angeblich wird einem hier ein feudales Frühstück serviert. Ich bin daher gespannt, was morgen auf uns wartet!

Unsere Bewertung:

Zimmer:  wunderschön und mit kleinen „Besonderheiten“ wie Fernglas auf dem Sims und netten Accesoires im Landhausstil
Radunterbringung:  sehr gut
Frühstück:  sehr gut – grandios!
Sonstiges:  siehe Zimmer!
Preis für DZ:  60 Euro
Hotel/Pension: Goldener Anker Wittenberge

3. Etappe 18.08.2009 Wittenberge – Helle (96 km)

Nach dem grandiosen Frühstück im „Goldenen Anker“ fuhren wir bei bewölktem Himmel entlang der Elbe in Richtung Lenze. Das bedeutete heute: 34 km Gegenwind. Dennoch war der Weg über Cumlosen und Lütkenwisch sehr schön (was kann der Wind denn auch dafür), da bei diesem bewölkten Himmel die wunderschöne Landschaft durch das Lichtspiel begeisterte.

OLYMPUS DIGITAL CAMERATurnvater JahnIn Lenzen angekommen, haben wir uns auch auf eine kleine Einkehr gefreut, was leider wegen „nicht vorhanden“ ausfiele. Nachdem wir uns kurz die sehr schöne Kirche St. Katharina und Schilder über die Neugestaltung des Dorfes der letzten 20 Jahre seit Beginn der Wiedervereinigung angeschaut haben und uns ein netter Herr dort für Fragen zur Verfügung stand, mussten wir unsere anschließende Suche nach einem Café erfolglos abbrechen.

Ein absolutes Manko an dieser Stelle, zumal wir hier nicht die einzigen Radler waren (der Elberadweg liegt neben dem Dorf!). Auch diese waren auf der Suche nach einer kleinen Kräftigung auf ihrer Reise.

Nachdem wir aber einen Supermarkt gefunden hatten, in dem wir uns mit Kuchen und Brötchen eindecken konnten sind wir dann weiter gefahren (die 5 Radler, die mit uns vor der Kirche waren sind uns dabei gefolgt und taten es uns nach).

Am Anfang des Rudower Sees sahen wir noch ein Schild „Haus am See“ (Grüß Gott Herr Fox ;-)) – dies war für uns leider nicht zu erkennen, die Gaststädte hatte nämlich zu.

Störche überall.Am Ende des Sees, in Leuengarten sah es Cafetechnisch betrachtet genauso aus, so dass wir an einem Aussichtstürmchen ein kleine Pause gemacht haben und über unsere Einkäufe herfielen.

Von hier aus ging es über eine immer schlechter werdende Straße nach Boberow und dann durch die sehr idyllischen Dörfer Mankmuß, Laaslich und Dergenthin nach Perleberg. Hier fanden wir dann den sehnlichst erwarteten Biergarten. Wir ollen Biergarten-Junkies …

Nach nun gut 70 km auf den Rädern sahen wir dann ein Verkehrsschild: Wittenberge 17km. wie jetzt? Man hätte also die Schleife auch weglassen können, aaaber – der Weg hat sich aber definitiv gelohnt, landschaftlich super genial!

OLYMPUS DIGITAL CAMERABild: Radler Oase

 

Nach ca. 20 km kamen wir dann an einem Schild „Radler Oase“ in Klein Langerwisch bei Helle vorbei, was uns direkt ansprach.

Zudem war dieser Hof auch noch eine Bett & Bike Unterkunft, so dass wir in einer kleinen Ferienwohnung für insgesamt 40 € mit Frühstück einquartiert wurden. Zudem sind die Preise hier unschlagbar günstig, so dass das Biertrinken und Essen richtig Spaß macht. Wenngleich das Essen doch seeehr Geschmacksache war. Hauptsache, der Bauch ist voll 😉

Unsere Bewertung:

Zimmer:  ok (beim Duschen kam leider nur kaltes Wasser)
Radunterbringung:  sehr gut
Frühstück:  gut
Sonstiges:  Unterkunft im Original-Bauernhof mit eigenem Gärtchen, Tisch und Stühlen, absolute Idylle
Preis für DZ:  mit 40 Euro unschlagbar
Hotel/Pension:  Radleroase Lilo Fortmann, Klein Langerwischer Weg 1, 16928 Helle

4. Etappe 19.08.2009 Helle – Rheinsberg

Bei sehr schönem Wetter und nach einem ordentlichen Frühstück ging’s weiter auf bestem Radweg zunächst nach Pritzwalk. Eine sehr nette Stadt, die auch gut für eine 600p8190123Unterkunft gewesen wäre. Dennoch war die von uns getroffene Wahl „fernab aller Zivilisation“ zu bleiben die richtige. Nach einem kurzen Umschauen in Pritzwalk ging es dann über wenig befahrene Straßen von Sodenbeck nach Heiligengraben. Hier steht ein wirklich sehr schönes Backsteinkloster, was in jedem Fall einen Besuch wert ist.Kloster Heiligengraben.

Weiterfahrt entlang einer Bundesstraße nach Wittsock, wo wir dann auch endlich unsere Wasservorräte auffüllen konnten. Das war teilweise wirklich anstrengend, weil es kaum Supermärkte o. ä.zu finden gab! Wittstock ist ebenfalls eine sehr schöne Stadt, in der man sieht, dass hier die Wirtschaft anscheinend besser funktioniert als in vielen anderen Orten, da hier weniger Zerfall zu sehen ist als anderswo. Nach kurzer Suche haben wir dann auch den Weg in Richtung Berlinchen gefunden. Hier ging es über einen der wenigen schlechten Fahrradwegen bis nach Sewekow.

Ab hier fing der bisher schönste Wegabschnitt an. Über einen neu asphaltierten Weg ging es über viele Kilometer quer durch den Wald. In Zempow hat man den Wald kurz verlassen. Zempow ist dadurch aufgefallen, dass es gleich mehrere Bio-Bauernhöfe als auch als auch Ferienwohnungen gibt. Von hier aus ging es dann über einen weiteren sehr schönen und guten Waldweg in den „Flecken Zechlin“.

Dieser Flecken ist durch seine schöne Gestaltung als auch durch den See direkt am Dorfkern beachtenswert. Von hier aus fuhren wir über die stark befahrene 2 km lange Landstraße in das „Dorf Zechlin“, weiter dann über eine alte Bahntrasse – wiederum durch den Wald – bis nach Rheinsberg.

Schloss Rheinsberg In dieser Stadt erkennt man kaum noch die alte DDR. Das Schloss, welches vom jungen Friedrich II. umgebaut und bewohnt wurde ist sehr schön saniert und liegt wunderschön am See.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEbenso ist die übrige Stadt sehr sehenswert – und touristisch. Hier gibt es sogar noch Fiaker … äh, Pferdekutschen.

Zudem ist es sehr schön nach einem Tag im zivilisatorischem „nichts“ wieder ein wenig Trubel um sich zu haben.

Im Hotel „Zum jungen Fritz“ haben wir ein recht schönes Zimmer mit einem guten Fahrradstellplatz gefunden. Leider gab’s in Rheinsberg keinen Italiener, obwohl wir sehr große Lust auf italienische Pasta gehabt hätten.

Statt dessen haben wir in einem wunderschönen Innenhof des Nachbargebäudes zu unseren Hotel ein sehr leckeres Restaurant gefunden, in dem wir den schönen Abend beschlossen haben.

 Meine Bewertung

Zimmer: gut
Radunterbringung: gut
Frühstück: sehr gut (reichhaltig und sehr schön dekoriert!)
Sonstiges: sehr nettes Ambiente, zentral gelegen
Preis für DZ: 73 Euro
Hotel/Pension: Zum Jungen Fritz

5. Etappe 20.08.2009 Rheinsberg – Templin (74 km)

Bei wahnsinnig heißem Wetter machten wir uns heute auf in Richtung Uckermark. Zum Glück verlief unser Weg die meiste Zeit durch den schönen brandenburgischen Wald. Direkt ab Rheinsberg hatten wir dann angenehmen Schatten von Stechlin bis nach Fürstenberg.

Hier hat uns der mittlerweile ungewohnte, weil sonst eigentlich auf der Tour Brandenburg kaum vorhandene – Verkehr so genervt, dass wir nur kurz die städtische Kirche von außen bewundert haben und dann direkt auf unserem Weg weiter gefahren sind. Uns war allerdings nicht bewusst, dass direkt neben Fürstenberg das KZ Ravensbrück OLYMPUS DIGITAL CAMERAliegt. Bild: KZ Ravensbrück

Da man leider bei solchen Gedenkstätten nie die Möglichkeit hat die Fahrräder sicher unterzustellen, haben wir die Gebäude jeder für sich besucht, was jedoch nicht zu empfehlen ist.

Bei diesen Horrorszenarien hatte bei jedem Zimmer, in das ich trat das dringende Bedürfnis an Ort und Stelle darüber zu reden! Danach war unser Redebedürfnis jedenfalls auf höchstem Level angelangt.

Nach Ravensbrück ging es dann weiter nach Himmelspfort, welches den Namen dem ehemaligen Kloster zu verdanken hat. Eigentlich auch der Hammer …. auf der einen Seite liegt ein KZ, einige Kilometer weiter kommt man in das „himmlische“ Himmelpfort! Immer noch aufgewühlt von unserem vorigen Besuch hatten wir jedoch auf eine ausgiebige Dorfbesichtigung wenig Lust.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAWir fuhren also weiter – über Lychen bis zu unserer Tagesetappe nach Templin. Hier haben wir im Hotel „Marktseenperle“ ein sehr nobles Zimmer für immerhin 83 € gefunden. Anlehnkerle

Der Stadtrundgang fiel ein wenig kürzer aus, da uns die Hitze an diesem Tag doch sehr zu schaffen gemacht hat und wir das nach der Ankunft in Templin erst so richtig bemerkten.

Gott sei Dank habe ich im hiesigen Fahrradgeschäft das Ersatzteil für meinen Pletscher Ständer gefunden. Dieser hat entweder wegen der Hitze – oder einfach so nachgegeben und wollte mit Gepäck nicht mehr stehen.

Bei einem kleinen Italiener haben wir in einem sehr lauschigen Innenhof leckere Nudeln gegessen und haben dann im hoteleigenen Biergarten noch ein überteuertes Bier getrunken.

In der Hoffnung, dass uns der morgige Tag nicht durch das Wetter verhagelt wird, werden wir den heutigen – immer noch heißen Tag – beschließen.

Meine Bewertung

Zimmer: sehr gut
Radunterbringung: am Waschraum im Gebäude, leider nicht abgeschlossen!
Frühstück: sehr gut
Sonstiges: Personal war nicht dem selbst auferlegten Ambiente entsprechend (Tracht und dreckige Crocs, aufgesetzte Freundlichkeit)
Preis für DZ: 83 Euro
Hotel/Pension: Hotelpension Mühlenseeperle

6. Etappe 21.08.09: Templin – Bad Freienwalde (86 km)

Der Tag begann regnerisch. Heute morgen noch gegen 6 Uhr kam alles herunter, was noch zur Gattung „peitschender Regen“ gehörte. Dennoch ging es bei „nur ziemlich“ bewölktem Himmel und sehr guten Radlertemperaturen nach eine kurzen Kettenwartung am Gudereit los.

600cimg2332Zunächst düsten wir entlang des Lübbesees bis nach Gollin. Auch hier hatte der Weg durch den Wald wieder „Bilderbuchcharakter“. Wald ohne Ende

Allerdings musste man sich hier in der Gegend daran gewöhnen, dass die Beschilderung häufig nur auf die kürzeren lokalen Radwegen beschränkt sind, die „Tour Brandenburg“-Schilder fehlten gänzlich.

Danach führte uns der Fernweg über Reiersdorf nach Friedrichswalde. Hier war allerdings der Weg kurz vor Friedrichswalde komplett gesperrt, da eine neue Straße gebaut wird (wir fragen uns, für wen?????). Eine frühzeitige Ankündigung wie auch eine Umleitung fehlten gänzlich, so dass wir einfach durch die sandige Baustelle gefahren bzw. gerollt sind.

Außer dummen Blicken gab es keine Reaktion der Bauarbeiter, so dass wir mit sandigen Schuhen und versandeten Rädern in Friedrichswalde ankamen.

Von hier aus ging es dann nach Joachimsthal am See – ein kleines Päuschen mit Apfelschorle und Pflaumenkuchen musste nach dieser sandigen Fahrt einfach rausspringen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAÜber Althüttendorf und Senftenhütte sind wir dann nach Chorin gekommen. Hier steht ein sehr imposantes Kloster – leider konnten wir auch hier unsere Räder nicht einfach alleine lassen :-(Kloster Chorin

Das ist ein großes Manko auf der ganzen Tour. Es gibt reichlich Sehenswürdigkeiten, die wir auch gerne angeschaut hätten. Nur denken die Veranstalter einfach nicht daran, dass man für die „Touren-Radler“ entweder bewachte oder abschließbare Radstellplätze schaffen sollte. In diesem Falle war es schließlich so, dass man bei der „Tour Brandenburg“ an wirklichen Schmuckstücken vorbeiradelte. Aber sollte es beim vorbeiradeln bleiben?

Von hier aus ging es dann über „normale“ Waldwege nach Niederfinow.

Hier hatten wir das Glück , beim Schiffshebewerk zu sehen, wie zwei Schiffe bestimmt 40 m in die Höhe gehoben wurden.

Schiffshebewerk Niederfinow

OLYMPUS DIGITAL CAMERADas war schon schwer imposant, wie viel Stahl da so „easy“ bewegt werden, um eine Menge Wasser UND einige Boote hochzuhieven!

In Liepe haben wir in einem Landgasthaus noch einen leckeren Blaubeerkuchen gegessen und haben dann eine Abkürzung über Bralitz und Schiffsmühle nach Bad Freienwalde genommen. Hier haben wir dann Quartie im „Löwen“ bezogen.

Bild rechts: HauswandmalereiOLYMPUS DIGITAL CAMERA

Busengrabscher 😉 – keine Sorge, alles nur gemalt! Aber das super ECHT!

Im Moment regnet es so sehr, dass es sogar durch das Fenster durchkommt. Wo sind wir hier denn gelandet???

Hauptsache morgen ist es wieder besser, zumindest „stimmen“ ja die Temperaturen. Da macht auch mal so n Tröpfchen Wasser nicht viel aus.

Meine Bewertung

Zimmer: so la la (Fenster schloss nicht dicht, es regnete und wir mussten Handtuch auf Sims legen, weil das Wasser hereinlief)
Radunterbringung: ok – unter freiem Himmel, abgeschlossener Innenhof
Frühstück: gut
Sonstiges: Frühstückstisch musste selbst eingedeckt werden mit Besteck (?!)
Preis für DZ: 70 Euro
Hotel/Pension: Hotel/Pension Zum Löwen – Bad Freienwalde

7. Etappe 22.08.09: Bad Freienwalde – Kersdorfer Schleuse (bei Fürstenwalde-Spree) 108 km

Nachdem es Nachts noch ordentlich geregnet hat, war der Morgen bewölkt, aber trocken. So ging es dann auch wie immer auf den Weg.

Die Beschilderung hier in der Gegend war nach wie vor mäßig, so dass wir schon in Freienwalde die Übersicht verloren und ungewollt eine Abkürzung fuhren. Trotzdem kamen wir dann in Rathsdorf am Storchenmuseum vorbei, wo dann auch wie bestellt ein besonders schöner Vogel auf dem eingerichteten Horst saß!

OLYMPUS DIGITAL CAMERABild links: Kirchenruine in Wriezen

Nach dem Storchen-Museum ging es dann weiter in das schöne Städtchen Wriezen – welches noch schöner gewesen wäre, wenn uns übersichtliche Schilder auch wieder den Weg aus der Stadt gewiesen hätten!

Gleichwohl war alleine die Kirchenruine und der davor gelagerte Brunnen ein Besuch wert.

Nachdem wir ein paar Ehrenrunden drehten, dann aber doch noch aus Wriezen herausgefunden haben ging es stetig bergauf über Bliesdorf, Kunersdorf und Reichenow bis nach Strausberg.

In einem kleine Vorort – Klosterdorf – haben wir bei einem ganz tollen Bio-Bäcker Flammkuchen und Lammsbräu Bier getrunken (www.drachenbrot.de). Ein Abstecher zu diesem Bäcker ist in jedem Fall empfehlenswert.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAStrausberg haben wir gleich links liegen lassen und sind entlang des Straussees auf die Suche nach dem Weg nach Rehfelde gegangen.

Das hat zunächst auch recht gut geklappt, aber aufgrund mangelhafter Beschilderung als auch ungenügender Aufmerksamkeit unserer Seite wurde diese Suche zur Odyssee für diesen Tag. Weia 🙁

Immer wieder durch Wälder mit durchweichtem Sandboden, der meine Kettenschaltung noch mehr zusetzte als sowieso schon, um dann noch immer nicht ans Ziel zu kommen. (Annette lächelte nur … bei ihrer Rohloff alles kein Problem … da knuspert lediglich mal die Kette).

Nach vielen Nachfragen und dem finalen Tipp eines besoffenen Jugendlichen haben wir dann doch noch den richtigen Weg gefunden, so dass der langweiligste Teil dieses Tages beginnen konnte. Immer entlang einer Hauptverkehrsstraße ging es über Zinndorf nach Kagel. Erst hier, am Liebenberger See, ging es wieder auf die bekannten abgelegenen Sträßchen, so dass wir uns entschieden eine kleine Pause einzulegen.

600cimg2365Bild: Päuschen am See

Auf einem Bootssteg haben wir dann unser Vesper gegessen (das wir beim Biobäcker gekauft hatten) und haben uns danach auf den Weg nach Fürstenwalde gemacht.

Fürstenwalde ist tatsächlich schon um einiges größer als die bisherigen Städte, so dass wir umso glücklicher waren, dass hier der Radweg endlich wieder hervorragend ausgeschildert war! Nachdem wir wussten, wie es weitergehen wird, haben wir uns noch einen kleinen Umweg durch die Innenstadt gemacht, was aber nicht sehr lohnte.

So ging es dann nach Bergenbrück und von hier aus über eine – auf jeden Fall nicht von Autos befahrene Straße. Dies wird hier so besonders erwähnt, weil diese Straße quer durch den Wald so gut ausgebaut war, dass es sich um eine Schnellstraße hätte handeln können. Dennoch haben wir über 5 km kein einziges Auto gesehen. Nachdem wir dann die Autobahnbrücke zur A12 (auf der im Übrigen auch gebaut wurde) überquerten, wurde der Weg dann auch schlechter und wandelte sich zu einem richtigen Waldweg. Nach noch einmal 4,5 km kamen wir dann endlich im Forsthaus an, dem Ziel unseres heutigen Tages.

OLYMPUS DIGITAL CAMERABild: am Forsthaus an der Spree

Die Unterkunft ist einfach und günstig und mutet ein wenig einer Jugendherberge an.

Wesentlich hieran ist vielmehr die Geschichte dieses Gebäudes. Eingekeilt zwischen Wäldern und der Spree, wurde dieses Forsthaus ab 1968 durch die Stasi enteignet und für die eigenen Zwecke umgewandelt.

Reste hiervon sind auch heute noch sehr gut zu erkennen. So gibt es einen abriegelbaren Innenhof und jede Menge Scheinwerfer, die im Zweifelsfall die Nacht zum Tag machen können.

Für mich ist aber noch interessanter ist die Tatsache, dass einige Kader der RAF hier ihre Einbürgerung inklusive neuer Legenden in die DDR bekommen haben und Leute wie Christian Klar durch die Stasi an Waffen ausgebildet worden sein sollen. Wer weiß, vielleicht schlafen wir heute im gleichen Zimmer wie damals die Terroristen.

Auf einer wunderschön gelegenen Terasse mit direktem Blick auf die Spree haben wir uns mit Bier und sehr gutem Essen gestärkt und fallen nach der bisher längsten Etappe dieser Tour müde ins Bett.

Meine Bewertung

Zimmer: Jugendherbergscharakter… aber schöööön)
Radunterbringung: unter freiem Himmel, da war mir nicht sehr wohl!
Frühstück: gut
Sonstiges: Ambiente mit geschichtsträchtigem Stasi- als auch RAF-Hintergrund, superleckeres Abendessen
Preis für DZ: 44 Euro – unschlagbar!
Hotel/Pension: Hotel/Pension Forsthaus an der Spree – Briesen

8. Etappe Kersdorfer Schleuse – Peitz (85 km)

Von unserer sehr schönen Unterkunft mitten im Wald ging es als erstes in das sehr schöne Städtchen Beeskow. Hier haben wir direkt eine kleine Pause bei einer sehr guten Apfelsaftschorle gemacht.

OLYMPUS DIGITAL CAMERABild links: Beeskow

Ab hier begann dann eine seeeehr einsame Etappe. Immer entlang wenig befahrener Landstraßen oder asphaltierten Waldwegen ging es ohne die Möglichkeit zur Einkehr immer voran.

Bild rechts: HeidelandschaftOLYMPUS DIGITAL CAMERA

Zwischen Reicherskreuz und Pinnow fuhren wir dann durch eine wunderbare Heidelandschaft, wo eine so große Zahl von Eriken blühte, wie ich es noch nie gesehen habe. So weit das Auge reichte sah man die schönen Blüten zwischen einigen, wenigen Bäumen.

Von Pinnow aus ging’s dann weiter durch den Wald bis nach Tauer und dann unserem Tagesziel nach Peitz.

Hier haben wir uns dann den Festungssturm angeschaut, nachdem wir im Gasthaus „Zum Löwen“ Quartier bezogen hatten.

Mehr gab es hier dann auch nicht zu sehen. Im Festungsturm gab es allerdings noch einen sehr netten, älteren Herren, der mit sehr viel Humor die Geschichte und die Eigenarten des Turms erklärt hat. Ein echtes „Original“ eben.

Essen gab es nur im Hotel, was zwar sehr schmackhaft aber im ganzen zu fleischhaltig war. Ein Italiener wäre mir lieber gewesen (mein Guido …). Insgesamt hätte ich mir ein bisschen mehr von Peitz erhofft. Leider konnten wir nicht zu Fuß bis zu den Teichen laufen, weil es zu weit für unsere Flip-Flop beschuhten Füße war. Das werden wir dann aber morgen mit den Rädern nachholen und erkundschaften.

Meine Bewertung

Zimmer: gut
Radunterbringung: gut
Frühstück: so la la
Sonstiges: lag direkt an einer viel befahrenen Hauptstraße
Preis für DZ: 60 Euro
Hotel/Pension: Hotel Löwen – Peitz

9. Etappe 24.08.09: Peitz – Senftenberg 102 km

Heute Morgen fuhren wir dann also zwischen den Peitzer Teichen hindurch nach Cottbus. Die Teiche hatten wir uns allerdings etwas „romantischer“ vorgestellt. Warum auch immer.

Einige Kilometer vor Cottbus waren bereits Schilder aufgestellt, die uns in die Innenstadt leiten sollten. Wir wunderten uns die ganze Zeit darüber, dass wir keine „Stadt“ sahen, sondern nur durch schöne grüne Ecken und Wälder fuhren. Und plötzlich waren wir in der Altstadt!!!! Wir haben eine kleine Stadtrundfahrt gestartet und waren nochmals überrascht, wie schön diese Stadt war!

OLYMPUS DIGITAL CAMERABild: Cottbus

Natürlich mussten wir dann noch in einem schönen Lokal (Mosquito) einkehren und eine Apfelsaftschorle trinken. Wir haben selten so etwas in der Gastronomie gesehen, das so dermaßen stylish war .. unglaublich!

Beim Gang zur Toilette setzte ich meine Füße in Zeitlupe durch die edlen Räume, um die tollen Räume richtig genießen zu können (und wir dann auch noch mit unseren ollen Radklamotten!)

Nach unserem Besuch in Cottbus ging es weiter zum Spremberger Stausee.

Kurz nach nach dem Ort Bräsinchen (wie süüüüüüß!) haben wir in einem kleinen Biergarten zu Mittag gegessen („Soljanka“ und Annette hatte ihre Liebe zu Kartoffeln mit Kräuterquark und Leinöl entdeckt).

Von hier aus ging es dann weiter nach Spremberg, das wir dann aber links liegen ließen und uns einmal mehr oder weniger verfahren haben. Wir sahen die „Umleitung“ nicht, also fuhren wir letztendlich 4 Kilometer länger als eigentlich hätte sein müssen. Nicht falsch verstehen, wir fahren auch gerne Kilometer mehr … manchmal sollten wir dann aber auch Umleitungen „sehen“ – auch wenn sie nicht explizit der „Tour Brandenburg“ gelten.

Der Weg ging zwar schön, aber schlecht ausgeschildert weiter. Entlang eines Vattenfall – Kraftwerks sind wir durch ein echtes Geisterdorf (Haidemühl) gekommen. Ab hier stimmte dann auch nichts mehr im Bikeline.

umher irren

OLYMPUS DIGITAL CAMERABild: Hier wächst Sanddorn aus dem Boden!

Die Karten scheinen doch recht veraltet gewesen zu sein, denn schon recht lang bestehende Baustellen und Umgehungen waren nicht eingezeichnet.

Dazu waren auch noch alte Bahntrassen eingezeichnet, die bestimmt auch schon ewig nicht mehr vorhanden sind.

Über Klein Partwitz ging es entlang dem Geierswalder Sees weiter zum Senftenberger See nach Senftenberg rein.

Hier dann der GAU – mir ist eine Speiche gerissen. Gott sei Dank haben wir auf dem Weg zu unserer Pension (Pension Mandy) ein Fahrradgeschäft gefunden (direkt gegenüber) zu dem ich morgen früh das Rad hinbringen kann.

Kuriosum in Senftenberg

OLYMPUS DIGITAL CAMERAIn der Pension war kein Zimmer mehr frei – statt dessen aber eine riesige Ferienwohnung! Suuuuper! Da kann man sich dann so richtig ausbreiten.

Der Wirt war auch sehr nett, so dass wir hier rund herum zufrieden sein können. In der Hoffnung, dass der Tag morgen gut wird, beenden wir den heutigen Tag.

So viel auch tagsüber am „Strand“ los war, abends war davon nicht mehr so viel zu sehen. Klasse fanden wir es heute, dass es eine Vielzahl von Abschnitten am Senftenberger See gibt wie bspw. Textilfreie und Textile Zonen.

Meine Bewertung

Zimmer: großes, schönes Appartement
Radunterbringung: sehr gut
Frühstück: sehr gut
Sonstiges: supernettes Ambiente, freundliches Personal – wird mit Herzblut betrieben
Preis für DZ: 65 Euro (günstiger für Radler!!!)
Hotel/Pension: Pension Mandy -Senftenberg

10. Etappe 25.08.09: Senftenberg – Herzberg 92 km

Heute ging es erst um 11:00 Uhr los, weil ich so lange auf mein Fahrrad warten musste. Herr Slomka hat aber alles gerichtet (anscheinend sogar einen Höhenschlag) und ich bin mit 21,00 € sehr günstig aus dieser Misere heraus gekommen.

Während unserer Wartezeit haben wir dann noch versucht ein Zugticket zu bekommen, was leider fehlgeschlagen ist. Zuerst sind wir zum Bahnhof gegangen, wo es leider keinen Schalter, sondern nur einen Automaten gab. Da haben wir zwar eine Verbindung gfunden – aber nur ohne Fahrrad. Also ins Reisebüro, wo eine nicht so ganz fachkundige – aber sehr nette Frau keine passende Verbindung gefunden hat.

Nachdem ich dann endlich mein Fahrrad wieder hatte, haben wir die riesige Ferienwohnung geräumt und haben uns mit einem ziemlich schnellen Tempo wieder auf den Weg gemacht.

Es ging immer entlang der „Schwarzen Elster“, einen sehr langweiligen, begradigten Fluss, der bei dem Heißen Wetter kaum eine „tierische“ Abwechslung bot. So ging es bis nach Herzberg weiter, lediglich unterbrochen durch die „Elstermühle“, in der wir zum Mittagessen eingekehrt sind und einer „Fahrradbefragung“, die kurz vor Elsterwerda stattfand. Hier hatten wir dann die Möglichkeit, einige Fragen zu beantworten und einige Erfahrungen aus den vergangenen 800 km Preis zu geben. Leider gab es keine Frage, was verbesserungswürdig wäre.

Angekommen in Herzberg waren wir zunächst wieder vom Zustand der Stadt beeindruckt und dann erschrocken, dass anscheinend die ganze Stadt ausgebucht war! Uns half dann aber ein ausgebuchter Wirt, ein Zimmer in der „Nordklause“ zu finden. Die Räder wurden in einer Garage untergebracht – aber nicht sofort, was Annette dann doch beunruhigte und sie von insgesamt drei Leuten beruhigt werden musste.

Meine Bewertung

Zimmer: gut
Radunterbringung: in Garage, aber unabgeschlossen wegen nebenstehender Catering-Küche
Frühstück: wenig Auswahl
Sonstiges:
Preis für DZ: 60 Euro
Hotel/Pension: Nordklause, Kaxdorfer Weg 8A, 04916 Herzberg (Elster)

11. Etappe 26.08.09: Herzberg – Luckenwalde (82 km)

Nachdem wir in der Nordklause gestartet sind, ging es den gleichen Weg zurück wie gestern. Dabei haben wir uns zunächst kurz verfahren und sind dann wieder durch den Stadtpark auf die Tour gekommen. Zu unserer Überraschung ging dann nach einigen km der Weg direkt am Hotel vorbei. Leider an der Rückseite des Hotels – sonst hätten wir es ja auch gesehen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAauf zur Schwarzen Elster

Danach fuhren wir zunächst noch einmal an der Schwarzen Elster entlang.

Diesen haben wir dann kurz nach Herzberg verlassen und der Weg ging dann nach wenigen Kilometern auf einen so genannten Skaterkurs (Fläming-Skate) weiter.

Dieser entwickelte sich jedoch zu einer hervorragenden Stecke, die uns bis nach Luckenwalde begleitete.

Die Skatestrecke hat eine gesamte Länge von mehr als 200 km, auf 60 km davon sind wir bereits gefahren. Die Wegequalität hier ist der absolute Hammer!

In Petkus haben wir unsere Mittagspause im Lokal „Roggenkönig“ eingelegt und haben neben der obligatorischen Apfelschorle auch etwas gegessen. Das kann man leider nicht weiter empfehlen. Meine Nudeln in Pilzrahmsauce schmeckten wie ein Fertiggericht. Annettes Salat musste auf dem Teller angemacht werden. Also alles in allem hatte der Koch heute einen schlechten Tag.

OLYMPUS DIGITAL CAMERABild: Kirche in Luckenwalde

Danach ging es dann weiter nach Luckenwalde. Hier haben wir dann nach kurzem Suchen das Hotel Pelikan gefunden.

Eigentlich hatten wir vor, den Tag in den Fläming Thermen zu verbringen.

Leider hat Annette zwischenzeitlich eine Art Sonnenallergie an den Händen und Armen, denen zu viel Wasser als auch Hitze wie in der Sauna nicht unbedingt gut tut.

Daher haben wir einfach die Stadt ein wenig angeschaut und waren etwas enttäuscht darüber, wie wenig es sich hier anzugucken gibt.

Schön, dass wir von unserem Hotelwirt den WLAN Schlüssel bekamen, so dass wir uns später im Hotel in Ruhe nach einer Zugverbindung umschauen konnten.

Weil wir dann doch noch ein bisschen raus wollten haben wir dann noch was in einem indisch-italienischen Restaurant gegessen (sehr Lecker) und sind dann – mit einem viel zu vollen Bauch – ins Hotel zurück.

OLYMPUS DIGITAL CAMERABild: Der Vierseithof in Luckenwalde

Meine Bewertung

Zimmer: gut
Radunterbringung: abgeschlossen und überdacht, sehr gut
Frühstück: ok – gegen 8:15 war das Büfett schon recht ausgedünnt und wurde nicht wieder aufgefüllt
Sonstiges: WLAN
Preis für DZ: 70 Euro
Hotel/Pension: Hotel Pelikan – Luckenwalde

12. Etappe: Luckenwalde – Startpunkt Brandenburg an der Havel (108 km)

Zur heutigen Etappe gibt es nur zu sagen, dass wir diese einfach nur stramm durchgefahren sind, das letzte Stück der Strecke auf einer Bundesstraße. Und zwar AUF dieser! Wenn auch nur für ca. 2 km – das war die absolute Horrorfahrt! Dieses letzte Stück fuhren wir in Richtung Brandenburg, links neben der B verlief der Radweg. Und plötzlich …. hörte dieser einfach auf, eine Markierung von der Straße weg in diesen Radweg erfolgte von der selben Seite, soll heißen: Wir mussten irgendwie auf die andere Straßenseite kommen!

Das Problem dabei war nur, dass die Straße mehr als VOLL war. Herrje, was ist denen bloß da eingefallen? So etwas können nur Leute planen, die keinen Plan vom Radfahren haben – und sich eben diese am liebsten UNTER einem Auto sehen Schreien

OLYMPUS DIGITAL CAMERABild: Pension am Jungfernstieg in Brandenburg

Schlussendlich sind wir dann aber gut in Brandenburg angekommen und sind zum Bahnhof gefahren, um für den nächsten Tag Tickets zu holen. Im übrigen fuhren wir mit einem „Quer-durchs-Land-Ticket“ für 41 Euro einmal quer durch Deutschland nach Hause.

Nachdem Guido die Tickets hatte machten wir uns auch gleich auf die Suche nach unserer letzten Unterkunft auf unserer Reise, der Pension am Jungfernstieg, einmal mehr eine Bett & Bike Unterkunft.

Und meiner Meinung nach auch die schönste. Nicht, weil das Zimmer jetzt besonders schön war – das Ambiente war einfach großartig!

Nachdem wir uns geduscht hatten machten wir uns bei strahlend blauem Himmel auf in Richtung „Inder“. Der wurde uns vom Hauswirt ans Herz gelegt. Und was soll ich sagen. Ein klasse Tipp! Das Essen war wunderbar, wir waren Gott sei Dank frühzeitig dort, kurze Zeit später hätten wir keinen Platz mehr ergattert.

Später schauten wir uns das Städtchen noch ein wenig an – schade, dass es schon so frühzeitig dunkel wurde! Die Brücke über der Havel und die schönen Häuser am Fluß sowie die Gastronomie an eben dieser Stelle wie wir sie sahen erinnerten uns doch stark an unser Tübingen 🙂

Toll war jedenfalls, dass so viel los war an diesem Abend. Das lag aber vor allem auch daran, weil eine riesige „Shopping-Mall“ in der Stadt neu aufgemacht hatte. Den Abend ließen wir in der wohl besten Eisdiele der Stadt ausklingen. Wir kamen bei soviel um uns herum servierten Eisbecher gar nicht mehr aus dem Staunen heraus.

Meine Bewertung

Zimmer: sehr gut (nostalgisches, nettes Ambiente)
Radunterbringung: sehr gut
Frühstück: wunderbar – liebevoll hergerichtet, wunderschöner Frühstücksraum, sehr netter Gastwirt
Sonstiges: liebevoll eingerichtetes Altstadtgebäude
Preis für DZ: 55 Euro
Hotel/Pension: Pension am Jungfernstieg – Brandenburg an der Havel

Nachlese …

Unendliche Weiten, tolle Seen, schattenspendende Wälder, wunderbare Flora, tolle Steinkirchen und viel unberührte Natur … absolutes Highlight der letzten 12 Tage … die WAHNSINNIG GUTEN WEGE in Brandenburg! Na ja, ich freute mich (teilweise), dass der in den letzten 20 Jahren von mir einbezahlte Soli irgendwo auf diesen Strecken lag und von uns befahren werden durfte 😉 . Zur Tour ist noch zu sagen, dass sie für unseren Geschmack einfach ein klein wenig zu lange geraten ist. Nicht, weil wir nicht gerne so lange radeln, sondern weil irgendwann einfach „alles schon da war“. Hört sich blöd an, aber bisherige geradelte Strecken veränderten sich alle 100 km mehr.

Etwas nervtötend war auch, dass der Bikeline-Radführer zur Tour von 2007 bereits komplett veraltet war. Teilweise gab es die Straßen nicht mehr, es wurde immer und überall noch gebaut. Es gab für Radfahrer kaum Umleitungsempfehlungen (SCHWACH!), was im Osten doch etwas problematischer war, da man auch gut mal 10-13 Kilometer fuhr, OHNE einen Ort anzutreffen. Wenn man dann nicht weiß, ob man richtig ist, weil einfach die Schilder fehlen, kann es schnell stressig werden, vor allem, wenn es schon später am Tag ist und man noch irgendwo eine Unterkunft benötigt.

 

 

 

 

 

 

 

 

p5310174

10. Juni 2009
von Annette
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Radtour Romantische Straße – von Würzburg bis Füssen

Unsere zweite Radreise führte uns in diesem Jahr zur „Romantischen Straße“ mit Start in Würzburg und Ende in Füssen im Allgäu. Ein tolles Erlebsnis – nicht nur für Japaner 😉 und schon gar nicht nur für motorisierte Zweibeiner!

Hervorzuheben ist das absolute Highlight Rothenburg ob der Tauber. Wir hatten Glück, dass noch nicht so viele weitere Touristen außer uns unterwegs waren und konnten demzufolge diese wunderschöne Altstadt mit allen Sinnen genießen.

1. Etappe 26.05.09 (10 km, letztlich 50 km) Würzburg – Waldbrunn (oder auch: die Odyssee von Würzburg! ;-))

Um 9:37 Uhr fuhren wir mit dem Zug von Tübingen über Stuttgart nach Würzburg. Schon heute morgen hing der Himmel über Tübingen schief, so dass wir froh waren, noch trocken in den Zug zu kommen. Gerade als wir einstiegen, brach auch schon ein ordentliches Gewitter los. Nach 3 ½ Stunden Fahrt in wirklich sehr guten Fahrradabteilen sind wir (mit dem Ba-Wü Ticket) im bewölkten und leicht verregneten Würzburg angekommen.

Ab dann begann unsere kleine Odyssee. Der beschilderte Fahrradweg war – wie beschrieben – direkt am Bahnhof zu finden. Wir fuhren entlang der Innenstadt von Würzburg immer schön neben den glitschigen Straßenbahnschienen brav den Schildern nach bis zum ersten unverständlichen Punkt. Nachdem wir uns nach kurzem Überlegen für eine Richtung entschieden hatten, kamen wir nach ein paar geradelten Metern exakt wieder beim Hauptbahnhof raus! Super.

…also noch mal der gleiche Versuch, jetzt schon ein bisschen entnervter. Beim entsprechenden Schild ging es in die nächstbeste Richtung, wobei wir aber nach kurzer Zeit gemerkt haben, dass dieser Weg auch nicht der richtige sein kann. Also wieder zurück und mal in Ruhe auf die Karte geguckt.

Da gerade der Himmel wieder seine Schleusen öffnete, warf ich nur einen kurzen Blick auf den nächsten Ort an einem Fahrradweg (der war Gott sein Dank ausgeschildert) und schon ging es los. Immer dem Main entlang, bis uns nach ca. 4 km eine Gänsefamilie entgegen kam, die unbedingt fotografiert werden wollte. Die Zeit des Shootings habe ich dann damit verbracht noch einmal einen Blick auf die Karte zu werfen. Da fiel mir dann auf, dass wir auf dem Main – Radweg unterwegs waren und nicht auf der Romantischen Straße. Gott sei Dank war der Umweg nicht so lang und zum Glück gab es die Gänse…

p5260002Bild: Gänsewegweiser

Also zurück auf den wohl miesest ausgeschilderten Weg den wir bisher befahren haben und auf die Suche nach dem richtigen Weg. Ich möchte jetzt nicht jeden km erläutern, den wir herum irrten aber es hat noch einmal eine ¾ Stunde gedauert bis wir dann endlich auf dem „richtigen Weg“ waren. Unfassbar.

Dieser schlängelte sich dann stetig bergauf aus dem Maintal. Das Wetter wurde dann immer launischer (kalt und windig) und als wir dann in Waldbrunn ankamen haben wir uns kurz überlegt ob wir im hiesigen Hotel (Waldbrunner Hof) übernachten sollen, haben uns aber dann entschieden noch weiter zu fahren.

Nach dem von uns gefundenen Weg fuhren wir dann quer durchs Dorf bergab, bis wir zu einer Infotafel zur Romantischen Straße „RoStr“ kamen. Leider gab es bei der folgenden T-Kreuzung keine Wegweiser, so dass wir uns mal wieder entscheiden mussten. Leider mal wieder in die falsche Richtung, was uns schon wieder ein paar Kilometer Umweg gekostet hat.

Wenn man an einer T-Kreuzung in die falsche Richtung abbiegt, sollte man davon ausgehen, dass die andere Alternative die Richtige ist. In diesem Fall war dem aber nicht so, da wir nach einem ordentlichen Berg wieder direkt vor Waldbrunn heraus kamen. Da das Wetter und unsere Laune immer schlechter wurde, war uns klar, dass wir doch im Hotel „Waldbrunner Hof“ übernachten werden. Auf dem Weg dorthin haben wir dann aber unseren Fehler entdeckt. Versteckt hinter einem Baum stand ein zweites Schild zur RoStr, nur wies dieses in die entgegengesetzte Richtung als dem von uns gewählten.

Wir haben heute also fast 50 km abgeradelt, sind aber von Würzburg maximal 10 km entfernt. Das ist frustrierend und doof. Wir hoffen jetzt für morgen, dass nicht nur das Wetter besser wird, sondern auch die Beschilderung. Und noch eines ist richtig: Wir beide HASSEN Karten lesen 😉 Schließlich gibt es schöneres anzuschauen, vor allem wenn man sich auf die Wegkennzeichnungen verlässt. Vielleicht doch irgendwann ein GPS? Besser wäre es (für uns)

Unsere Hotelbewertung

Zimmer: gut (großes Bad)
Radunterbringung: gut (abgeschlossener Hof)
Frühstück: gut
Sonstiges: Die Zimmer sind einfach, aber sauber und haben ein recht schönes Bad. Die 60 € für das Zimmer sind angemessen. Die Betten sind leider etwas zu weich. Da am Haus eine Metzgerei angeschlossen ist, war das Essen, das wir abends dort eingenommen hatten entsprechend deftig.
Pension/Hotel: Waldbrunner Hof

Anekdote:

Nachdem wir uns mal wieder in Würzburg verfahren haben, fragte ich in einem Kiosk bei einem netten türkischen Kioskbesitzer nach dem richtigen Weg. Derweil guckte mein Mann mal wieder in die Karte. Dies sah ein recht freundlicher Herr und bot direkt Hilfe an. In dem Moment kam ich und berichtete von dem richtigen Weg und wollte mich mit einem Blick auf die Karte noch einmal versichern.

Der Herr war wohl mit diesem Weg nicht zufrieden, den ich erfragt hatte und wollte uns quer durch die Botanik schicken. Als ich ein bisschen widersprach kam als Kommentar: „Lassen Sie mich doch jetzt auch mal was sagen. Sie können mir das ruhig glauben.“ Ein wenig überrascht von dieser Reaktion ließen wir den Mann reden und dann auch fahren und haben uns dann selbst auf „unseren“ Weg gemacht – der mir von dem freundlichen Kioskbesitzer als exakt und richtig erklärt wurde!

2. Etappe Mittwoch, 27.05.2009 Waldbrunn – Rothenburg ob der Tauber (100 km)

Wie gestern von uns gewünscht, war der Tag und der Weg jetzt klasse ausgeschildert. Als wenn es so sein sollte, dass wir gestern nur einen kurzen Tag hatten 😉

Von Waldbrunn ging es los in Richtung Tauberbischofsheim. Da wir gestern schon super früh eingeschlafen sind, waren wir heute auch entsprechend früh wach und sind schon um 8:00 Uhr los gefahren. Leider hatten wir dann sofort eine der heftigsten Steigung des Tages, so dass wir bei der folgenden Abfahrt schon nass geschwitzt und bei nur 11 Grad ziemlich gefroren haben.

Ab da schlängelte sich der Weg entlang der Tauber über den entsprechenden Weg „Liebliches Taubertal Der Klassiker!“. Ein wirkliches Highlight war Weikersheim. Die Innenstadt ist sehr schön historisch und wird durch die Musikakademie gekrönt. Hier haben wir uns mit einem leckeren Rababarkuchen gestärkt, um dann weiter Richtung Rothenburg zu fahren. Anfangs ging der Weg noch immer direkt an der Tauber durch das breite Taubertal. Aber je näher wir in Richtung unser Ziel kamen, desto enger wurde das Tal und entsprechend hügeliger wurde der Weg.

OLYMPUS DIGITAL CAMERABild: Weikersheim

Was „ob der Tauber“ bedeutet, wurde uns dann auf den letzten Kilometern bewusst, als es dann nämlich ununterbrochen bergauf ging. OBERHALB! Hier erwartete uns dann eine wahnsinnig große und schöne Altstadt, die wir so noch nicht gesehen haben.

Eine Unterkunft fanden wir im Hotel „Zum schwarzen Adler“, wo wir ein sehr niedliches Zimmer mit einem „historischen Anstrich“ bezogen. Nach einer ausgiebigen Dusche ging es dann gegen 16:00 Uhr direkt los mit einem Stadtrundgang. Abends haben wir noch einen ausgiebigen Sparziergang über die Stadtmauer gemacht. Das hat nicht nur Spaß gemacht sondern war auch wahnsinnig spektakulär! Richtig toll fanden wir auch die eingemauerten Tafeln, die wohl auf Spender der Stadt verweisen. Und dabei fiel auf, dass dabei keine kleine Zahl von Japanern und Amerikanern verewigt waren!

Außerdem begann man damit, die Befreiung Rothenburgs mit den Passionsfestspielen zu feiern, die an Pfingsten ihren Höhepunkt finden. Auf dem Marktplatz standen plötzlich jede Menge Reiter in mittelalterlichen Kostümen, es wurden Kanonenschüsse abgefeuert, abends gab es eine Prozession mit vielen Musikern. Es gab jedenfalls jede Menge zu bestaunen. Rothenburg ist im nachhinein betrachtet auf dieser Radreise die schönste Stadt.

p5270074Bild: Rothenburger Mittelalterleut‘

Anekdote: Heute ist es eher keine Anekdote sondern eher die Beschreibung meiner Dubbeligkeit (Guido’s!). Nachdem wir ca. 15 km unterwegs waren ist mir plötzlich aufgefallen, dass mein Tacho weg war. Ihn lediglich vergessen aufzusetzen habe ich nicht, das war klar. Ich musste ihn also verloren haben und hatte auch sofort eine Idee, wo das gewesen sein musste.

Ich habe mich also sofort auf den Weg zurück gemacht und Annette sollte auf mich warten. An der vermuteten Stelle war der Tacho natürlich nicht, so dass ich noch ein kleines Stück weitergefahren bin, die Suche dann aber erfolglos aufgegeben habe. Schon mit dem Gedanken eines Neukaufs habe ich mich dann wieder auf den Weg zu Annette gemacht, die mir auch schon entgegen kam und fröhlich winkend auf mich wartete. Sie hatte den Tacho nämlich nur ein paar Meter nach meiner Entdeckung gefunden.. sie hatte in einer Kurve „irgendwas gehört“ …weibliche Intuition halt…

Unsere Hotelbewertung

Zimmer: tolles Ambiente!
Radunterbringung: ok (im Gästehaus unter der Treppe)
Frühstück: siehe unter „sonstiges“
Sonstiges: Das Haus ist wunderschön antik eingerichtet, weshalb der Frühstücksraum am nächsten Morgen direkt erschreckend war. Griechische Einrichtung mit blauen Wänden und gespannten Netzen im Raum (?!) Was aber sehr genervt hat war die laute Musik zum Frühstück, die der eigentlich sehr nette Grieche auch nach unserer Bitte nicht leiser gedreht hatte. Da wir direkt an einen Tisch bei den Boxen verwiesen wurden hatten wir wenig Chancen, uns in normaler Lautstärke miteinander zu unterhalten.
Pension/Hotel: „Schwarzer Adler“ durch einen Griechen (mit passendem Restaurant) geführt. 65 € mit Frühstück.

3. Etappe Donnerstag, 28.05.2009 -Rothenburg ob der Tauber – Nördlingen 95 km

Leider war das Wetter heute nicht wirklich traumhaft. Wie die Tage davor war es kalt und windig und sehr stark bewölkt. Das hat uns natürlich nicht von unserer Weiterfahrt abgehalten, zumal wir nach der Ruckelfahrt über Rothenburgs Kopfsteinpflaster den Weg direkt gefunden haben.

Leider fing es dann schon bald an zu nieseln, aber Gott sei Dank dauerte es nicht so lange, bis es wieder aufgehört hatte. So haben wir die Tauber wieder verlassen und sind durch eine wirklich sehr schöne Landschaft geradelt. In Feuchtwangen haben wir eine kurze Pause in einem Kaffee gemacht, wo wir einen anderen Radler getroffen haben, der schon den kompletten Weg über die Via Claudia Augusta zurückgelegt hat. Die kurze Erzählung hat Spaß auf mehr gemacht und wir konnten noch einige offene Fragen klären.

Danach sollte es dann weiter nach Dinkelsbühl gehen. Wir haben also den ausgeschriebenen Weg genommen und wurden nach kurzer Zeit von einem ortsansässigen Wirt noch in Feuchtwangen angehalten. Der hat uns dann vor einem ca. 15 km langen Umweg bewahrt, da vor ca. 2 Jahren die Route umgeplant wurde. Dieser „neue“ Weg ist jedoch länger als der alte, so dass der Wirt uns auf den „alten“ Weg geschickt hat.

Auch wenn wir uns – aufgrund meiner bescheidenen Kartenlesekenntnisse – noch einmal kurz verfahren haben, war der Weg nicht nur kürzer sondern auch sehr schön zu fahren (Karpfenroute).

OLYMPUS DIGITAL CAMERABild: unterwegs

Dinkelsbühl haben wir uns nur sehr kurz angeschaut – wir werden das dann noch einmal ohne Räder nachholen – haben aber eine Kleinigkeit gegessen um uns danach auf die anstrengendste Etappe des heutigen Tages zu machen.

Kurz nach Dinkelsbühl ging es mit dem stetigen bergauf – bergab los. Dazu kam dann noch erschwerend dazu, dass wir zum einen über Schotter- und Waldwege fahren mussten und zum anderen immer noch der Wind in unverminderte Stärke aus vollen Backen blies.

Irgendwann haben wir dann dummerweise den Weg verloren und es fing dann auch noch an zu regnen. Wir waren aber schon nah vor Nördlingen und hatten nach kurzer Zeit die Route auch wieder gefunden. In Nördlingen angekommen erwartete uns das reine Verkehrschaos innerhalb der Stadtmauern, was völlig entnervend war.

Für die heutige Übernachtung haben wir nach einem Bett & Bike Hotel aus dem ADFC Verzeichnis gesucht, aber da dieses zum einen außerhalb der Stadtmauern lag und wir die Suche aufgrund des Verkehrs aufgegeben haben, sind wir dann in einem kleinen Hotel (Altreuter) direkt am Dom untergekommen. Die Fahrräder durften wir auf unkonventionelle Art und Weise in einen nicht benötigten Teil des Caféraums stellen. Dazu kommt noch, dass das Zimmer wirklich sehr schön und mir 58 € dazu noch sehr günstig ist.

Nach der Dusche waren wir beide dann so platt, dass der Weg zum Essen schon mehr als anstrengend war. Bei einem Italiener haben wir recht gute Gnocchis gegessen und haben uns dann ohne weitere Stadtbesichtigung wieder ins Hotel begeben.Mal schauen wo es uns morgen hinführt. Hoffentlich wird das Wetter ein bisschen besser.

Unsere Hotelbewertung

Zimmer: sehr gut
Radunterbringung: ok – im Café-Nebenraum
Frühstück: das war eine 1*** – da war wirklich alles mit dabei, was das Radlerherz begehrt! SUPER!
Sonstiges: liegt direkt neben der Kirche… um 22 Uhr gab es ein Trompetenkonzert – genial
Pension/Hotel: Cafe Hotel Altreuter Nördlingen

4. Etappe Freitag, 29.05.2009 – Nördlingen – Königsbrunn 112 km

Herrlich, wir haben heute strahlend blaue Himmel! Nach 35 km erreichten wir Donauwörth. Der Weg dahin war wirklich sehr schön zu fahren und wir haben die Sonne genossen. Lediglich der kalte Ostwind, der uns die ganze Zeit begleitet war ein bisschen unangenehm. In Donauwörth genossen wir ein leckeres Radler. Wir hatten zum Glück den Weg in Donauwörth recht bald gefunden, so dass es dann auch auf der Via Claudia Augusta weitergehen konnte.

Irgendwann plagte uns dann der Hunger, aber leider war weit und breit in der Gegend nichts Essbares zu finden. Kein einziger kleiner Supermarkt oder Tante Emma – Laden war in Sicht und unsere Suche war erst nach 85 km kurz vor Augsburg zu Ende, wo wir uns dann in einem Biergarten draußen im Kühlen mit einem (auch kalten) Wurstsalat stärkten.

p5300132Bild: an der Lech

Uns wurde immer kälter, auch zogen immer stärker die Wolken auf, so dass wir uns dazu entschieden, in Augsburg zu übernachten. Auf dem Weg fing es dann auch noch leicht an zu regnen und der Verkehr in der Großstadt machte uns dazu den Garaus.

Wir sind dann immer in Richtung Zentrum geradelt, wir hatten ein Schild mit „Fahrradparkhaus“ gesehen. Dort angekommen, habe ich mir dann Infos bezüglich einer Unterkunft erhofft – und auch bekommen.

Die Räder hätten wir prima im Fahrradparkhaus abstellen können und direkt nebenan war ein Hotel. Das war uns dann mit 113 € einfach viel zu teuer. Kurz entschlossen machten wir uns dann wieder auf den Weg. Was ein „Preis“ doch nicht alles bewirken kann. Da hat man plötzlich wieder jede Menge Power.

Gut, dass einige Radler in dem Großstadtgewirr vor uns fuhren, so konnten wir -ohne selbst größeres Chaos zu verursachen- aus dem Großstadtgewusel entkommen. Wir fuhren weiter bis wir in Königsbrunn ankamen und standenl mitten in einem Wohnblock, von „Stadt“ keine Spur. Das dauerte dann doch noch eine Weile, bis wir schließlich ein Hotel gefunden hatten. An diesem fuhren wir zweimal vorbei, weil uns das Äußere nicht allzu sympathisch war, haben und mangels Alternativen aber dann doch dafür entschieden. Die Wahl war aber nicht so schlecht. Das Zimmer ist klein aber in Ordnung und mit 70 € gerade noch zu akzeptieren.

Abends aßen wir auch im Hotel und was soll man sagen, es hat wirklich gut geschmeckt.

Unsere Hotelbewertung

Zimmer: ok, es stank jedoch permanent nach „kaltem“ Rauch
Radunterbringung: gut – abgeschlossener Hinterhof
Frühstück: sehr gut und reichlich (Büfett)
Sonstiges: im Treppenhaus standen mit Sand gefüllte Eimer für die Qualmer auf jeder Etage, klasse: Getränkeautomat auf jeder Etage mit preislich einwandfreien Kaltgetränken
Pension/Hotel: Gasthof Krone Königsbrunn

Und jetzt die Anekdote zum Schluss:

Bei unserer heutigen Fahrt kamen wir auf der Such nach was Essbarem an einem kleinen, netten Bett & Bike Gasthof vorbei, der leider sehr geschlossen aussah. Das bestätigte sich dann auch, als die Wirtin gerade heraus kam und die Tür abschloss. Nachdem wir gefragt haben, ob der Laden tatsächlich geschlossen ist, lamentierte die Frau ein bisschen herum und gab uns zum Schluss den tollen Tipp „beim nächsten mal ein bisschen früher zu kommen“, schließlich sei es ja schon 13:45 Uhr und somit keine Zeit mehr zum Mittagessen?!? Bitte?

Ein toller Tipp für Radler auf der Durchreise. Was uns an all dem geärgert hat war, dass der Gasthof am Radlerschild mit „Radler erwünscht“ geworben hatte. Na ja. Wir waren schließlich über die Pfingstferien da.

5. Etappe Samstag, 30.05.2009 – Königsbrunn – Schongau 84 km

Unser Weg schlängelte sich immer der Lech entlang bis zu der ersten Schlüsselstelle des Tages. Die Beschilderung ließ wieder einmal zu wünschen übrig und wir sind direkt in die falsche Richtung gefahren. Zum Glück konnte uns ein Mountainbiker auf den richtigen Weg schicken.

cimg1921Bild: Schilderchaos

Die Beschilderung hörte dann leider irgendwann wieder auf, so dass wir uns dazu entschieden, den Tipp von dem Radler zu beherzigen und einfach über den Damm weiter zu fahren.

Das Naturerlebnis war grandios, der Weg aber irgendwann nicht mehr so prickelnd. Der Weg wurde zuerst zu einem Pfad und dann zu einer Mountainbikestrecke. Das hat mit unseren Reiserädern nicht wirklich Spaß gemacht. Aber, wir waren auf dem richtigen Weg! Mitten in der Wildnis war an einem Baum ein Schild mit der Aufschrift „Romantische Straße“ angebracht worden. Nur, was hat mit die RoStr mit einer Mountainbikestrecke zu tun???

Irgendwann haben wir dann auch wieder einen vernünftigen Weg gefunden, der uns dann bis Landsberg am Lech geführt hat. Dort angekommen, wurden wir von einem Polizisten begrüßt, der gerade die Straße absperrte. Eigentlich haben wir uns auf einen Biergarten gefreut und wollten die Stadt in aller Ruhe anschauen, was aber leider wegen einer „braunen Gesocks“-Demo ausfallen musste 🙁

Die Weiterfahrt an der Romantischen Straße war aber kein Problem, nachdem wir das Hinweisschild schon vor dem Marktplatz entdeckt hatten und einfach nur zurück radeln mussten.

Der Weg führte uns in ein Wildgehege (Lechpark), in dem es Tiere wie Rehe und Wildschweinefast zum „Anfassen“ gab. Diese „Anlage“ war wirklich sehr schön angelegt. Allerdings folgte kurz darauf unser „Wege-Chaos Teil 2“. Der Weg im Wald gleichte bald wieder einer Mountainbike-Strecke, der noch schlimmer war als der vorhin beschriebene. Der Verlauf wurde so „bescheiden“, dass ich irgendwann entnervt und stinksauer aufgab (Guido!) und wir den Weg wieder zurück fuhren (der Weg sollte über eine schmale Treppe hinab führen).

Wir sind also komplett zurück gefahren und direkt bei den Wildschweinen sahen wir dann die „richtige“ Abzweigung und der Weg wurde dann auch wieder gut. Es wäre noch einmal interessant zu wissen, warum es grüne UND blaue RoStr-Schilder gibt! Wir hatten das Gefühl, dass die Blauen eher für Mountainbiker gedacht sind. Vielleicht weiß das ja jemand. Hunger hatten wir aber noch immer. Diesen konnten wir dann an einem sehr netten Ausflugslokal (der „Teufelsküche“) stillen.

Wir fuhren jetzt oberhalb des Lech und konnten den ersten Blick auf die Alpen werfen. Wow, herrlich! Der Blick blieb uns sogar noch erhalten und die Berge kamen immer näher.

p5310174Bild: endlich – die Alpen

So ging der Weg wunderschön durch die kleinen Dörfer bis es zum „Wege-Chaos Teil 3“ kam.

Es war wieder das gleiche Drama wie zuvor, mit dem Unterschied, dass wir nach einer ordentlichen Abfahrt sofort gemerkt haben, wo der Hase lang läuft. Wir mussten also wieder HOCH auf den richtigen Weg. Um diesen zu finden hat Annette einen älteren Herren gefragt (was sie liebend gerne tut, wenn sie keine Lust hat, auf Karten irgendwas zu finden), der gerade aus seinem Auto stieg.

Dieser erklärte uns, wo wir lang fahren mussten und fuhr selbst mit seinem Auto dann an uns vorbei. Und jetzt kommt es zur

Anekdote des Tages. Der Mann leitete uns bis fast nach Schongau! Immer wenn wir zu einer Kreuzung kamen, an der wir uns hätten verfahren können (was man jetzt nicht mehr konnte, da der Weg ausgeschildert war) stand er mit seinem Auto da, um uns den Weg zu weisen. Als wir uns wirklich nicht mehr verfahren konnten haben wir uns noch einmal mit ihm unterhalten und er hat uns noch gezeigt wo wir im Bergpanorama die Zugspitze finden. Nachdem wir uns mehrfach bedankt haben ging es für uns dann weiter nach Schöngau.

Wir haben den Entschluss gefasst, in Schöngau zu bleiben und haben uns im Hotel „Rössle“ einquartiert. Nettes großes Zimmer und zentral im Ort gelegen – aber mit einem Preis von 85 € nicht mehr so günstig wie in den letzten Tagen. Das liegt aber vor allem daran, dass es hier jetzt immer touristischer wird.

Unsere Hotelbewertung

Zimmer: sehr gut
Radunterbringung: ok – leider nur im Gebäudeflur und mit vielen anderen Radlern zusammen“gekettet“
Frühstück: sehr gut – tolle Auswahl, sehr reichlich und mit frischen Säften
Sonstiges:
Pension/Hotel: Hotel Rössle Schongau (85 Euro)

Morgen geht es dann weiter in Richtung Bodensee-Königssee Radweg. Die Wettervorhersage ist gut. Hoffentlich trifft sie auch zu.

6. Etappe Pfingstsonntag, 31.05.2009 – Schongau – Nesselwang 78 km

„Tag der Entscheidung“ Na super. Heute war es noch kälter als gestern, so dass wir uns schon nach ein paar Metern wärmer anziehen mussten. Aufgrund des aktuellen Wetters als auch der Wettervorhersage haben wir uns dazu entschlossen, nicht auf den Weg in das östliche Bayern und damit zum (ursprünglich geplanten) Königssee zu machen, sondern durch das Allgäu zum Bodensee zu fahren um uns dann noch ein Alternativprogramm zu überlegen.

Heute war eine richtige Voralpen-Etappe. Ein stetiges Auf und Ab begleitete uns durch das wunderschöne Voralpenland. Zunächst machten wir einen kurzen Besuch bei der Wieskirche. Die war zwar nur ca. 30 km von Schongau entfernt, wegen des Streckenprofils haben wir allerdings fast zwei Stunden gebraucht. Der Blick in die Wieskirche war recht spektakulär. Leider fand gerade zu dieser Zeit ein Gottesdienst (und auch noch Pfingsten) statt, so dass man sich den Innenraum nicht genauer anschauen konnte.

In einem neben liegenden Gasthaus haben wir uns bei einer Flädlesuppe und Kartoffelpuffer gestärkt. …und plötzlich sagt Annette: „Die kenn ich!“ Tatsächlich saßen direkt neben uns die Eltern einer Bekannten von Annette. Die beiden wollten auch zum Königssee, ließen sich aber nicht vom angekündigten Wetter abschrecken. …soviel zur heutigen Anekdote.

Von der Wieskirche ging es dann weiter in Richtung Schwangau. Trotz zunehmendem Wind war die Strecke für uns nicht so anstrengend, da der Wind immer schön von hinten kam. Hat auch mal was.

cimg1935Bild: Freude pur

Bei Neuschwanstein war wohl wie immer, wenn wir hier vorbeikommen Chaos angesagt. Aus diesem Grund haben wir uns lediglich auf eine entfernte Besichtigung beschränkt und sind gleich weiter nach Füssen und Hopfen am See gefahren. Hier war an dem Pfingstwochenende überall wahnsinnig viel los. Dennoch haben wir uns in Hopfen einen Apfelstrudel gegönnt und uns im Anschluss daran auf eine super anstrengende Schlussetappe gemacht.

Immer schön im Auf und Ab mit teilweise heftigsten Steigungen (wir reisen mit schweren Reiserädern, 28 Zöllern und nicht mit Mountainbikes!) sind wir in Nesselwang angekommen und in der Bett und Bike Pension „Haus Weidach“ für 55 € untergekommen. Wie so häufig in so kleinen Pensionen war die Wirtin super nett und zuvorkommend.

Unsere Hotelbewertung

Zimmer: 70er Jahre-Style, aber gut
Radunterbringung: super (abgeschlossene Garage)
Frühstück: leider bisher das liebloseste und „magerste“ Frühstück. Es gab weder Ei noch O-Saft, sehr spartanisch.
Sonstiges: entgegen der Aussage auf deren Website war das Frühstück KEIN und schon gar kein reichhaltiges (Radler)frühstück, wir hoffen für alle weiteren Besucher, dass das ein Ausrutscher war.
Pension/Hotel: Haus Weidach (55 Euro)

Anekdote: In Füssen kam uns eine Japanerin per pedes entgegen, die uns uns ganz lieb und freundlich zugewunken und angelächelt hatte, so dass wir beide selbst wie Honigkuchenpferde grinsen mussten. Darüber haben wir uns wahnsinnig gefreut! Spontanes Lächeln hat schon was 😉

7. Etappe Pfingstmontag, 01.06.2009 – Nesselwang – Lindau 107 km

Bei strahlendem Sonnenschein aber eisiger Kälte (um 8 Uhr hatte es 3 °C!) ging’s wieder auf den Weg. Entgegen der Idee von gestern, dass wir auf jeden Fall noch eine Nacht im Allgäu bleiben wollten haben wir uns dazu entschieden, direkt an den Bodensee zu fahren. Der Grund war mal wieder das Wetter. Es war uns einfach eisig kalt!

Von Nesselwang ging es zunächst immer bergan bis nach Haag, das auf fast 1000 m lag. Der Wind blies sehr heftig, so dass wir auf der folgenden Abfahrt ziemlich gefroren haben. So ging der Weg im ständigen Auf und Ab durch das Allgäu. Zuerst schien noch die Sonne, aber auch diese wurde bald von den Wolken eingeholt, so dass es empfindlich kalt wurde.

Unsere erste Pause haben wir in Immenstadt gemacht. Mit über einer Stunde recht umfangreich. Das lag aber nicht daran, dass wir uns so lange ausruhen wollten, sondern daran, dass wir im Kaffee so lange auf unser (wahnsinnig leckeres!) zweites Frühstück warten mussten.

Von Immenstadt ging es dann entlang des Alpsee bis in das Ski-Mekka Oberstaufen. Hier haben wir unseren Durst und Annette ihren Kuchenhunger gestillt.

Nach Oberstaufen führte der Weg noch einmal eine Zeitlang bergauf um dann -im Kreis Lindau angekommen- fast nur noch bergab zu fahren (natürlich gab es immer mal wieder knackig-kurze Aufstiege wie bspw. Zum Schloss Syrgenstein). Der kalte Wind begleitete uns auch dieses mal wieder und die Sonne wollte auch noch nicht scheinen. Die rasanten Abfahrten waren unter diesen Bedingungen kein großer allzu großer Spaß.

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Bild: Schloss Syrgenstein (der 1. von bisher 4 Besuchen auf dieser Strecke bis 2013)

In einem sehr schönen Biergarten in Malleichen haben wir noch einmal eine kleine Pause eingelegt. Hier kam dann auch die Sonne wieder raus und es wurde endlich ein wenig wärmer.

Hier haben wir auch das erste Mal darüber nachgedacht, wirklich bis nach Lindau durch zu fahren, auch wenn wir bisher nicht wirklich daran geglaubt haben nach der gebirgigen Etappe so weit zu kommen.

Dass es doch geklappt hat lag vor allem daran, dass der Weg fast nur noch bergab ging.

So kamen wir auf der Lindau-Insel an, auf der wir nach kurzer Suche mitten in der Stadt das Hotel „The Medusa“ (früher: Hotel Petershof) gefunden haben. Angeschlossen ist ein Mexikanisches Restaurant, welches wir auch gleich testeten. Das Essen war einfach gut.

Wie es morgen weiter geht wissen wir noch nicht. Wir benötigen jedenfalls noch unbedingt eine Karte für den Bodensee und die Schwäbische Alb.

Unsere Hotelbewertung

Zimmer: sehr schön (und endlich mal mit vielen Haken im Bad!)
Radunterbringung: gut – im Hotel unter der Treppe
Frühstück: sehr gut und sehr lecker mit viel Auswahl und frisch gebrühtem Kaffee!
Sonstiges: ein „Mexikaner“ – abends konnte man ein leckeres Essen in tollem Ambiente genießen. Mitten in der Lindau-Insel.
Pension/Hotel: The Medusa (früher: Hotel Petershof)

8. Etappe Dienstag, 02.06.2009 – Lindau – Illmensee 80 km

Wir haben tatsächlich sofort eine passende Karte gefunden (die ADFC-Karten sind sehr zu empfehlen!) und haben uns überlegt, vom Bodensee bis zur Donau über den gleichnamigen Weg zu fahren. Nach einem wirklich sehr guten Frühstück ging es dann zunächst von Lindau nach Immenstaad. Ca. 40 km entlang des Bodensees immer im Slalom mit anderen Radlern oder Fußgängern.

Dazu kamen noch andere Radler die durch mehr oder weniger rücksichtslosen Fahrens auffielen (Rennradler). Eine Spezies, bei der man die meisten mit (Männlichkeitsverstärkern) Cabrio-Fahrern oder SUV-Volk vergleichen kann oder auch: „ich bin ein toller Hecht, schaut, was ich habe/kann/ausstrahle“ <grummel> Liebe Männer, ein wahrer Mann hat das nicht nötig. Außerdem sind andere Qualitäten sehr viel wichtiger 😉 – Kann ich frohen Herzens behaupten, da mich mein Traummann durch’s Leben begleitet!

p6010203Bild: Lindau am Bodensee

In Friedrichshafen gab es die erste Pause für uns direkt am Bodensee. Von hier aus führte uns die Radstrecke über eine miese Strecke bis nach Immenstaad. Dort aßen wir zu Mittag. Die Entscheidung war genau die richtige, da ab Immenstaad der Donau-Bodensee Radweg begann und es auf den nächsten 30 km keine Einkehrmöglichkeit mehr zu finden war.

Es ging also Richtung Marktdorf. Der Weg dorthin war wegen Baumaßnahmen gesperrt, so dass wir eine ordentliche Umleitung radeln mussten. Der erste Teil des Umwegs war sogar recht interessant, da es die ganze Zeit durch die berühmten Bodensee Obstfelder ging.

Danach fuhren wir jedoch nur noch entlang der B33 bis nach Markdorf. Der Donau-Bodensee-Radweg führte uns dann sofort sehr steil und sehr lange bergauf und beim Zurückblicken sah man ins Bodenseetal hinab.

Wir kamen an sehr kleinen aber auch sehr schönen Dörfer vorbei. Leider gab es in keinem davon einen Laden und unser Wasservorrat war schon fast aufgebraucht.

Später fuhren wir durch die absolute Einöde in ein Chaosgebiet. Das Gewitter letzte Woche hat hier solch verheerende Schäden angerichtet, dass wir total schockiert von den Ausmaßen waren. Sehr viele Felder waren durch Hagelschlag zerstört und die Bäume waren teilweise einfach auf einer Höhe zwischen 1 und 5 Metern „abrasiert“. Auf den Wegen konnte man noch genau erkennen, wie sie mit Schlamm überspült wurden. Wir waren nachträglich sehr froh darüber, uns für die Romantische Straße statt für den Bodensee-Königssee-Radweg entschieden zu haben! Das wäre nicht gut gegangen.

p6020231Bild: abgeknickte Bäume rund ums Bodensee-Gebiet

Als wir in Wilhemsdorf ankamen zog ein Gewitter auf und begaben uns auf die Suche nach einem Hotel. Leider gab es in dem gesamten Ort kein Hotel oder Pension.

In einer Pizzaria bekamen wir den Tipp, nach Illmensee zu fahren, was wir dann auch ganz schnell gemacht haben, auch wenn dieser Ort entgegengesetzt „unseres“ Weges war. Direkt nach dem Ortsschild bekamen wir dann die ersten Tropfen ab und freuten uns schon im nächsten Dorf ein Bett & Bike Hotel gefunden zu haben.

Dieses hatte aber heute seinen Ruhetag (ein Bett&Bike mit RUHETAG?) und es war auch keine Telefonnummer angegeben wo man vielleicht hätte mal anrufen können. Mit ein bisschen Wut im Bauch radelten wir dann weiter bis nach Illmensee. Dort bekamen wir im Hotel Seehof noch ein Zimmer. Das Zimmer ist seeeeehr einfach, aber ok. Das (Abend)Essen war gut und wie immer besteht die Hoffnung auf ein gutes, stärkendes Frühstück. Morgen geht es dann zurück auf den Donau-Bodensee Weg in Richtung Zwiefaltendorf.

Unsere Hotelbewertung

Zimmer: geht so (offen herumliegende Kabel, Einrichtung alt und lieblos)
Radunterbringung: sehr gut (abgeschlossener Raum)
Frühstück: gut, zwar kein Büfett, aber die Qualität war recht gut
Sonstiges: bruddeliger, aber netter Wirt
Pension/Hotel: Hotel Seehof

8. Etappe Mittwoch, 03.05.2008 Illmensee – Gomaringen 117 km

Schon wieder haben wir uns kurzfristig überlegt, von unserem ursprünglichen Plan abzuweichen. Wir haben beschlossen, über die Schwäbische Alb ganz nach Hause zu fahren. …das haben wir dann auch gemacht.

Von Illmensee fuhren wir los in Richtung Pfullendorf. Schön, dass das Wetter zwischenzeitlich etwas angenehmer ist, soll heißen: Sonnenschein und nur mäßigen Wind. Pfullendorf schauten wir von unseren Rädern aus an, was ganz nett war. Von dieser Stadt wußten wir eigentlich nur, dass ALNO-Küchen hierher kamen. Und irgendein DSDS-Schnösel, der uns auf einigen Plakaten entgegengrinste.

Über sehr schöne Wege in absoluter Einsamkeit radelten wir 50 km weiter bis nach Sigmaringen. Vertraute „Heimat“ – zwar noch auf der Alb, aber man kennt es natürlich 🙂 Dort angekommen, gönnten wir uns ein paradiesisch gutes Mittagessen im Gasthof Traube (grandioses Salatbüfett!!!!) So gestärkt waren die restlichen Kilometer doch locker zu schaffen.

Die Strecke von Sigmaringen in Richtung Heimat war uns eigentlich schon bekannt, dennoch haben wir einen Weg eingeschlagen, den wir noch nicht gefahren sind und der nichts desto trotz sehr schön war. Teilweise machte die Wegbeschaffenheit durch zu viel Kiesel und Schotter die Fahrt etwas anstrengend.

p6030283Bild: schöne Lauchert

Zunächst ging die Fahrt durch das schöne Laucherttal bis zu einer Abzweigung nach Burladingen. Hier ging es dann über eine recht heftige Steigung auf die Albhochfläche in Richtung Neufra.

Jetzt waren wir schon fast daheim aber es war noch immer eine lange Strecke. Über Gauselfingen bis nach Burladingen und dann nach einer (zuvor, weil Guido „schielte“ und den Weg nicht richtig deutete!) umsonst gefahrenen Steigung nach Ringingen. Von hier aus mussten wir nur noch nach Melchingen um dann die Talheimer Steige nach unten zu nehmen.

Fazit: Die Beschilderung in großen Teilen der Strecke mangelhaft. Mit der Ausnahme von den „großen“ Wegen musste man doch recht häufig suchen oder einfach die Karte zu Hilfe nehmen. Insgesamt haben wir in den vergangenen Tagen 807 km per Velo zurück gelegt. Das hat aber in solch einer tollen Landschaft superviel Spaß gemacht!

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30. Juni 2008
von Annette
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Madeira’s Westen und Norden

Unsere schönsten Levada- und Bergwanderungen in kurzer Zusammenfassung unserer eigenen Eindrücke. 14 Tage Entspannung bei angenehmen Temperaturen und tollen, teils aber auch gefährlichen Wanderungen. Wir waren die erste Woche im Westen der Insel, in Fajã da Ovelha um die ersten folgenden Touren zu erkunden:

Faja da Ovelha

OLYMPUS DIGITAL CAMERAUnser nettes kleines „Hotel Colina da Fajã“, das uns beherbergte war ein architektonisches Schmuckstück.

Mit nur sage und schreibe 9 Zimmer war das sehr überschaubar – eine große Küche, in der man gerne selbst kochen durfte und ein großer Tisch, an dem man seine Nachbarn beim Frühstück auch kennen lernen konnte, dazu noch ein gemütliches Kaminzimmer und eine wunderschöne Terrasse mit kleinem Swimmingpool rundeten das Ganze noch ab.

Vom großzügig und schön eingerichteten und ausgestatteten Zimmer mit Dielenboden, einem durchgestylten Bad mit Riesendusche ganz zu schweigen.

Bild: Der Eingangsbereich des Hotel Colina da Fajã

einziges kleines Manko hier war eigentlich nur, dass es die ganze Woche über zum Frühstück das selbe am Büfett gab 🙁

Bild rechts: Die Levada NovaOLYMPUS DIGITAL CAMERA

erstes Kennenlernen der madeirensischen Flora. Der erste Erkundungsspaziergang führte uns direkt vom Hotel weg die Levada in Richtung Prazeres lang.

Levadawanderung von Lamaceiros in die Schlucht der Ribeira da Janela

Bei passablem, bewölkten Wetter starteten wir unsere erste Levadawanderung auf Madeira gut gelaunt und mit Eifer.

Das eingekerbte Tal, in dem diese Levada da Central da Ribeira sich hindurchschlängelte sah recht beeindruckend aus und OLYMPUS DIGITAL CAMERAwar im Gegensatz zur Wanderstrecke selbst auch naturbelassen. Etwas befremdet waren wir von dem anfänglich sehr gepflegten Weg, den Picknickbänken mit Abfalleimern, es sah alles irgendwie sehr „deutsch“ aus. Gewundert hätten wir uns nicht, wenn sie das Gras noch mit dem Rasenmäher gemäht hätten …

Bild: Terrassenfelder bei Lamaceiros

eine knappe Stunde weiter änderte sich das Bild (endlich) und die Umgebung sah ganz anders aus – wilder, „unordentlich“ – wunderschön eben. Als der erste Tunnel erreicht war, den wir knappe 10 min. durchgehen mussten liefen auch immer weniger Menschen mit. Ohne Taschenlampe war die Tunnelbegehung nicht möglich.

Ein weiterer kürzerer Tunnelgang folgte dann alsbald, bis wir dann an einem Wasserhaus ankamen.

Immer schön der Levada entlang – links davon sieht man die Abzäunung für Nervenschwache 😉OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Nun ja, diesen ganzen Weg ging es dann auch wieder zum Ausgangspunkt zurück.Landschaftlich war das natürlich grandios, überall blüht es wie verrückt und die Luft war angenehm frisch in dieser grünen Lunge!

Von Rabaçal zu den 25 Fontes (Quellen)

Im Rother-Wanderführer wird von einer Bilderbuchtour im Quellgebiet des Hochlands gesprochen. Möglich, dass man das so sehen kann.

OLYMPUS DIGITAL CAMERABild links: eine der Quellen

Uns ist diese Tour allerdings recht schnell verleidet, weil man UNUNTERBROCHEN damit beschäftigt war, anderen, entgegen kommenden Wanderern auszuweichen. Scheinbar ist dieser Wanderweg ebenso wie der Weg hoch zum Pico Ruivo das absolute MUSS, wenn man nach Madeira kommt.

Doch wir kamen an dem Felsenkessel der 25 Quellen – wenn auch etwas genervt – letztendlich an.

Und bekamen sogar ein Bild ohne Menschlein drauf!Der Rückweg war dann noch beschwerlicher, Horden von Franzosen quetschten sich an uns vorbei. Die kennen nichts – einfach drauflos, ohne Rücksicht auf andere.

Der kleine madeirensische Buchfink setzte sich bei einer kleinen Rast fernab der Menschenmassen einfach mal so zu uns.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Wir hatten Kekse mit dabei, die er uns fast aus der Hand fraß, sowieso ist die Tierwelt hier sehr zutraulich.

Eine Eidechse war ganz scharf auf Kuchenkrümel und um an diese zu kommen, saß mir dieses kleine Urzeit-Tierchen plötzlich auf dem Schenkel!

Unsere Note für diese Wanderung: 3

Die große Küstenrunde von Paul do Mar

600cimg0446Bei dieser Runde konnten wir endlich einmal unsere Kondition austesten. Bisher wanderten wir lediglich an Levadawege entlang, was mich (Annette) zwischenzeitlich doch sehr langweilte. Ich brauche etwas, um mich auszupowern.

Und auch das war hervorragend auf Madeira möglich!

wer guckt da durch die Liebesblumen?

Wir starteten mit dieser Tour direkt an unserem Hotel und wanderten wie bei unserem ersten „Spaziergang“ die Levada Nova entlang bis nach Prazeres entlang von Farn- und Kieferwäldern. Nach langer Levadawanderung steigen wir in Prazeres davon ab auf die Hauptstraße von Prazeres.

Dort suchen wir den Weg zum Hotel Jardim Atlantico, von wo aus die Tour „eigentlich“ startet. Dieser Teil des Weges war wenig interessant und der Fußmarsch auf der Straße und in gleisender Sonne auch ein wenig beschwerlich. Doch dann sollte es endlich wieder herrlich werden. Auf einem Pflasterweg geht es nun sehr steil in Richtung Paul do Mar hinab.

Abstieg nach Paul do Mar600cimg0583

Opuntien in Hülle und Fülle beim Abstieg durch die Serpentinen zum Hafen von Paul do Mar

Am Hafen angekommen geht es jetzt an der (eher hässlichen) Strandpromenade entlang, an der wir dann auch in einem Gasthof einkehren, bevor es anschließend hoch hinauf nach Faja de Ovelha geht. Am letzten Haus des Ortes geht es einen weiteren Pflasterweg hoch in Richtung Faja de Ovelha. Es folgt ein langer, steiler Anstieg durch ein Meer von Agaven und Opuntien.

Jetzt sind wir auch wieder der Sonne völlig ausgesetzt, genießen aber die sportliche Einlage bis zum noch weit entfernten Hotel in allen Zügen 😉

Unsere Note hierfür: 1-2 (reine Gehzeit ca. 5 1/2 Stunden)

Die Halbinsel São Lourenço – felsige Landschaft

In dieser zweiten Woche bezogen wir unsere nächste Unterkunft im Nordosten des Landes, in Porto da Cruz und im Hotel Costa Linda. Das konnte man mit dem ersten Hotel OLYMPUS DIGITAL CAMERAnicht so richtig vergleichen. Das Hotel ist viel älter, das Zimmer nicht annähernd schön und was ganz furchtbar war – gleißendes Licht bei Nacht von draußen. Zum einen werden die Lichter in Madeira des nächtens NICHT ausgemacht und zweitens hatten wir im Zimmer keine Möglichkeit, den Vorhang blickdicht zu bekommen.

Bild: Fels bei São Lourenço

Nach São Lourenço kommt man über eine serpentinenreiche Straße von Machico – übrigens einer kleinen süßen Stadt – durch einen Tunnel aus der grünen Insel direkt auf karges Felsland.

In der Nähe von Machico befindet sich direkt an der Steilküste gelegen der Flughafen Madeiras mit der spektakulären, auf Betonpfählen gebauten Rollbahn.

Der Raum unter den Betonpfählen der Start- und Landebahn wurde zu einem Sport- und Freizeitzentrum umgewandelt. Dort kann man Handball, Tennis und viele andere Ballsportarten betreiben.

Mich würde jedoch kein Mensch UNTER die Landebahn eines Flughafens bringen. Wie die Menschen das dort freiwillig tun können ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel.

Östlich von Machico befindet sich der Aussichtspunkt Pico do Facho. Von hier aus reicht der Blick über die Landebahn des Flughafens Santa Catarina im Westen und die Bucht von Machico über den Ort Caniçal hinweg bis hin zur Ostspitze Madeiras, der Landzunge Ponta de São Lourenço, die wir heute entlang wandern. Die Landschaft hier auf dieser Landzunge kann gegensätzlicher zu der Landschaft außerhalb nicht sein. Hier gab es eine komplett andere Flora zu bestaunen als im übrigen Land.

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Der Weg über diese Zunge verlief teilweise über einen felsigen Grat, was beim Zurückwandern teilweise etwas nervig war, wenn man hinter einem Strom Menschen herlaufen musste und man diese doch gern überholt hätte. Aber das war schlecht möglich – und wäre auch etwas „daneben“ gewesen.

Allerdings war es genau das, was mich teilweise an den Wanderungen auf Madeira störte. Im Altersschnitt waren wir dann auch ganz weit unterhalb des Durchschnittes angesiedelt, was sich hin und wieder einfach bemerkbar machte. Und im Schritttempo von Ü60-jährigen gehen zu müssen kann auf die Dauer ganz schön anstrengend werden.

OLYMPUS DIGITAL CAMERABild: Sao Laurenco

Über diese ganze Zunge führte uns der Weg, auf dem wir gnadenlos und ununterbrochen der Sonne ausgesetzt waren.

Dank der Sonnenschutzfilter, ohne die man hier dermaßen verbrannt wäre.

engste Stelle, aber abgesichert OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Hier auf dem Bild ist die engste Stelle erreicht, von der es links und rechts des „Grats“ je fast 100 m hinab geht.

Einige Zeit danach erreichten wir das Casa do Sardinha, welche wie in einer Oase liegt und von Dattelpalmen umringt ist.

Die Landschaft hier ist in schönsten Rost- und Currytönen „eingefärbt“.

Nachdem wir den Rundweg verlassen haben geht es an das letzte Steilstück des Wanderweges, jetzt beginnt der steile Anstieg zum Pico do Furado, bei dem Wanderstöcke absolut hilfreich sind.

Es ist immer wieder interessant mit ansehen zu müssen, dass es einige Menschen gibt, die auch solche steilen Anstiege auf erodiertem Stein in TURNSCHUHEN begehen. Manchmal könnte einem das Herz aussetzen, wenn man sieht, wie die rutschen oder sich völlig unsicher auf dem Stein bewegen.

Oben auf dem Pico angekommen, genießen wir einen Wahnsinns-Ausblick – auch auf die Nachbarinsel Porto Santo. Auf fast demselben Weg geht es dann auch wieder zurück zum Ausgangspunkt.

Unsere Note für diese „heiße“ Wanderung: 2

Der „Balkon“ von Ribeiro Frio

Laut Rother Wanderführer ist das einer der bekannteste Aussichtspunkte der Insel – deshalb wird aber auch darauf hingewiesen, noch vor 11 Uhr dort zu sein, bevor sämtliche Heerscharen von Bussen hier einfallen. Da hatten wir wohl ein wenig Pech, zumal wir davor in Funchal einen kleinen Abstecher hin machten.

In der Tat waren wir mit einer ganzen Menschenhorde unterwegs, wobei man eingestehen muss, dass der Weg sehr nett zu gehen war. Leider gab es am Aussichtpunkt, dem Balcões dann wegen des Wetters außer Nebel nichts zu sehen. Schade.

Unsere Note: 3

Vom Caniçal-Tunnel nach Porto da Cruz

Die wohl schönste und unvergesslichste Tour auf Madeira führte uns über einen abenteuerlichen Klippensteig, der uns einiges an Nerven kostete.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERABild links: hier geht es rauf

Boca do Risco

Nach einer 1,5 stündigen Wanderung auf einem bequemen Pfad entlang einer Levada erreichten wir den Boca do Risco. Nachdem der Pass überquert war folgten wir noch dem schönen Küstenpfad leicht abwärts und in schönem „Baumheide-Urwald“.

Man fühlte sich seeeehr sicher, weil man den abschüssigen Hang nicht sehen kann.

Dumm nur, wenn man seinen Fotoapparat zückt, um ein schönes Blümlein zu fotografieren und dabei „einfach nur ein wenig in den Busch tritt“ – und plötzlich bis zu den Knien im Busch versinkt, weil darunter „nichts“ mehr ist!!! Wir haben uns beide wahnsinnig erschrocken.

Von hier aus sah man dann auch den Küstensteig (siehe Pfeil), über den wir gehen wollten.

Küstensteig

OLYMPUS DIGITAL CAMERAWollten wir wirklich? Bei diesem Anblick konnte es einem dann schon ein wenig anders werden. Mit einem Kribbeln im Bauch gingen wir dann in höchster Konzentration über diesen Pfad, bis wir an eine Stelle kamen, an dem mein Guido fast das Herz stockte.

Sieht harmlos aus, war es aber ganz und gar nicht!

Ein Bergrutsch hatte 2005 hier den Pfad zerstört und als Sicherung wurde einfach ein Seil gespannt, an dem man sich dann festhalten konnte. Die Stelle war insofern recht pikant, als man von hier aus einige hundert Meter nach unten stürzen konnte.

da kommen wir her! WahnsinnGanz hinten auf diesem Bild kann man noch ein Stück von Sao Laurenco erkennen.

Wir können es kaum fassen, an dieser „Wand“ entlang gegangen zu sein. Ein erhebendes Gefühl ;-)Die schwierigsten Passagen sind hinter uns, der Weg führt weiter durch ein Eukalyptuswäldchen, es ist wieder sehr feucht und wir mussten beim Gang über schlüpfrige Stufen aufpassen, nicht auszurutschen.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Von jetzt ab wurde der Weg dann auch wieder breiter, er ging dann auch bald schon in einen Fahrweg über und bald erreichten wir den Ort Larano.

Porto da Cruz immer im Blick lassen wir uns jetzt sehr viel Zeit um zu gucken und gemütlich zum Hotel zurück zu schlendern.

Unsere Note trotz einiger „Schocks“ zwischendurch: 1+

Vom Caldeirão Verde bis in den Höllenkessel Caldeirão do Inferno

Bild: Santana-Häuschen

600cimg0556Das nächste Highlight! Diese Tour in den „grünen Kessel“ zählt zu den spektakulärsten Levadawanderungen der Insel. Die Levada ist hier zum größten Teil in eine Felswand eingeschlagen, weshalb die auch gerne mal 2 Meter tief ist.

Ein „Santana“-Häuschen, die man hier noch im Original betrachten kann.

Der anfangs breite Levadaweg wird im Verlauf der Tour immer enger, mitunter muss auf dem 30 cm schmalen Mäuerchen balanciert werden.

Diese Tour begeht man komplett im „feuchten“ Nebelurwald der Insel. An den Wänden tropft es ununterbrochen hinein in die Levada – man kann sich von dem ganzen grün der Farne und Moose nicht satt sehen (na ja, ich zumindest nicht)

Wir queren an einem Picknickplatz einen Bach und kurz darauf die Pflasterstraße am Parque das Queimadas. Bisher wandern sehr viele Familien zusammen mit uns auf diesem gemütlichen Weg, der dann aber plötzlich immer schmaler wird. Abfallende Stellen von bis zu 100 m geht es jetzt hinunter, wobei man sich in Sicherheit wiegt, weil dichter Bewuchs den Weg säumt.

 

Caldeirao do Inferno

Es folgen einige schwindelerregende Stellen, die aber immer mit Drahtzäumen (die zwar im Ernstfall nichts halten, aber für die PsychOLYMPUS DIGITAL CAMERAe doch schwer hilfreich sind!) gesichert sind.

Mitunter durchqueren wir auch hier auf dieser Wanderung einige Tunnels, die teilweise recht unangenehm zu durchgehen waren, weil das Wasser ziemlich hoch darin stand und es auch recht glitschig wurde.Einige Zeit nach dem 4. Tunnel stehen wir in dem beeindruckenden Caldeirão Verde.

Doch jetzt begann erst der wirklich beeindruckende Teil der Tour!

Der schwindelerregende Levadaweg ist stellenweise NICHT gesichert, weshalb man absolut schwindelfrei und trittsicher sein muss!

Abgründe

600cimg0698Das sieht SO ja schon ziemlich harmlos aus. Auch ist hier der Weg schön eben, aber das war nicht die ganze Zeit so angenehm.

Der Caldeirão do Inferno selbst empfanden wir als weniger spannend, das Wetter machte uns wieder einmal einen Strich durch die Rechnung – es war superdiesig und regnete ein klein wenig.

Riesige BäumeOLYMPUS DIGITAL CAMERA

Auf dem Rückweg sahen wir plötzlich diese riesigen, mächtigen Bäume, deren Äste selbst dick wie sonst die Bäume in unseren Wäldern sind.

Absolut gigantisch!

Alles in allem war das jedoch eine absolut grandiose Wanderung, ein wirkliches MUSS!

Unsere Note für diese grandiose Wanderung: 1+

Die letzte Wanderung von Camacha nach Sítio das Quatros Estradas haben wir nach einer Gehzeit von 1 Stunde in Boqueirao wegen Regen abgebrochen …

 

 

 

 

 

 

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20. Januar 2004
von Annette
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Chile mit Patagonien – 4300 km von Nord nach Süd

Chile von Nord bis Süd mit Trekkingtour zu den Torres del Paine in Patagonien

Flug Frankfurt-Santiago de Chile mit 1,5stündigem Zwischen-Aufenthalt in Madrid. Schlafenszeit im Flugzeug – nur ist daran nicht zu denken, weil einer unserer zukünftigen Gruppe den ganzen Schwarzwald zusammensägt. Ich habe so etwas bis dato noch nicht erlebt. Das kann ja heiter werden. Nach unendlichen Stunden kommen wir endlich in Santiago an – der erste kurze Besuch gilt dem San Cristóbal Hügel, den wir mit einem ruckenden Bähnlein hochfahren. Die Aussicht über die Stadt von dort oben ist grandios. Wir befinden uns 290 über dieser Metropole und sind schwer beeindruckt.

Später besuchen wir noch einen netten kleinen „Krämermarkt“ und trinken unser erstes Bier in einer gemütlichen Kneipe mitten in Santiago.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAGegen Abend fahren wir ab der Metro – Station „Terminal Los Héroes“ auf Bahnsteig 9 mit dem Schlafbus Richtung Pucón. In Deutschland habe ich noch keinen solch noblen Bus gesehen. Das hatte fast etwas luxuriöses!

Bild: Abendstimmung in Santiago de Chile

Morgens gegen 8 Uhr kamen wir in Pucón an und bezogen unser erstes Hospedaje, das Majorie in der Straße Brazil. Die Mittagszeit verwendeten wir für einen Stadtrundgang und einer kleinen Shopping-Tour in die netten Läden, bevor es gegen Abend zur „Kleidungs-Anprobe“ für die Besteigung des 2850 m hohen Vulkanes Villarrica ging, den wir am nächsten Tag hoch wollten.

In diesem brodelt es heute noch wie in einer Hexenküche. Mit leckerstem Wein und guten, selbst gegrillten Köstlichkeiten beendeten wir unseren ersten richtigen Urlaubstag in Chile. Villarrica Blick auf den Villarrica, den wir am nächsten Tag besteigen sollten ….

Und los ging es dann auch schon um 6 Uhr morgens – Katzenwäsche mit eiskaltem Wasser, schnell einen Kaffee getrunken, einen Wecken belegt, Wasser in die Flasche gefüllt und los ging’s zum Vulkan-Trip. Mit unserer Gruppe waren nochmal mindestens 20 andere Leute, die alle ihre Tour-Klamotten bekamen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAMit allem eingedeckt, saßen wir eine Stunde später in einem Mini-Bus, der uns auf eine höhe von 1400 m brachte. Nach dem Ausstieg dort am Fuße des Vulkans bekam jeder noch seinen Eispickel, dann saß ich auch schon mit Guido im Sessellift, welcher uns 400 m nach oben beförderte. Immerhin.

Die Guides erklärten uns, wie wir mit dem Eispickel den Schnee hoch kommen und wie wir uns abbremsen können, falls man stürzt. Gute Aussichten! Und dann noch, wie man beim Absteig auf dem Hosenboden bremsen kann. Dann ging es endlich los. Ich wollte in jedem Fall mit der schnelleren Truppe gehen, was dann auch klappte. Anfangs marschierten wir ganz gemächlich und ruhig nach oben, wir machten nur eine kurze Rast und dann ging es komplett hoch. Am Krater oben angekommen, packte unser Grüppchen erst einmal belegte Brötchen, Bananen, Äpfel und Süßigkeiten aus und dann genossen wir das leckere Mahl, bevor wir die wundervolle Aussicht von dort oben herunter auf das Villarrica-Gebiet bis hin zum Vulkan Osorno, den man dank wolkenlosem Himmel und trotz großer Entfernung direkt vor uns sehen konnte.

Wir gingen einige Zeit später einmal rings um den Krater, de mit seinen 200 m im Durchmesser und einer Tiefe von 100 m doch schon recht imposant war – und vor allem auch ziemlich eklig schwefelig dampfte.

Dann kamen die Schneehosen und die Handschuhe zum Einsatz. Was dann kam hatte mich zuerst schwer entsetzt – wir sollten diesen steilen Vulkan auf dem HOSENBODEN runter! Gebremst wurde mit dem Pickel! Nach anfänglicher Unsicherheit schossen wir dann aber alle mit immer größerem Vergnügen auf dem Schnee hinunter. Das war eine Mords-Gaudi!

Pucón – Ausflug zum Parque Nacional Huerquehue

Unsere heutige Tagestour führt uns in den Parque Nacional Huerquehue. Dort angekommen nahmen wir als erstes unser Frühstück ein, ganz früh am Morgen gab es lediglich villarrica_park23 Löffelchen Müsli mit einer Tasse Kaffee, von daher konnte man das gut brauchen. Wir gingen hoch zum Bergsee Lago Verde und wanderten im schönen Wald, den man von unseren Wäldern insofern unterscheiden konnte, dass man hier einige Araukarien sieht.

Nach der Rückkehr an dem Gasthaus pausierten wir wieder einmal mehr bei einem leckeren, selbst gemachten Erdbeer- und Apfelkuchen.

Bild: Nationalpark Huerquehue

Anschließend fuhren wir weiter mit unserem Minibus zu den heißen Quellen, die vom Villarrica gespeist werden. Das Baden darin war bei dem heißen Wetter an dem Tag nicht so wirklich erfrischend, trotzdem blieben wir eine längere Zeit dort und sonnten uns auch mal zwischendurch auf den riesigen Felsblöcken.

Abends gab es ein köstliches Heiligabendmahl mit Meeresfrüchten, Fisch, Brot, Salat und Nudeln – und dazu natürlich Pisco Sour. So kann man den Heiligabend doch auch mal genießen 😉

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAm ersten Weihnachtstag bummelten wir noch ein letztes Mal in Pucón herum und kauften letzte Kleinigkeiten vor unserer Patagonien-Trekking-Tour am übernächsten Tag. Ich hatte bis dahin natürlich noch keine Sonnenbrille, auch musste noch Geld gezogen werden. Morgen geht es weiter in Richtung Puerto Montt.

Nach 4 Tagen Pucón bin ich froh, dass wir dann endlich wieder weiter fahren, um neue „Welten“ zu erkunden. In Valdivia stoppten wir, um einen Fischmarkt zu besuchen, auf dem alles mögliche Kleingetier kreuchte und fleuchte. Und dann sahen wir sogar Seekühe vor denn Betonvorsprüngen am Markt!

Bild: Hexenküche in Puerto Montt

Puerto Montt, ein auf deutsche Einwanderer zurückgehenden Ort, erreichten wir im Regen. Unser Gepäck war im Anhänger von „Vater und Sohn“ (die fuhren uns in dem kleinen Minibus) und wollte bei der Ankunft am Schlaflager nicht mehr aufgehen!

Wir machten uns auf nach Angelmó, um Kunsthandwerkermärkte zu besichtigen und um letzte Kleinigkeiten für die Tour einkaufen zu gehen.

Patagonien – am Grey Gletscher

Früh am nächsten Morgen flogen wir los zum vermeintlichen Ende der Welt, direkt an der Magellanstraße in Punta Arenas, der wohl schönsten Siedlung Patagoniens. Weiterfahrt mit dem Bus nach Puerto Natales dem Ausgangspunkt unserer Trekking-Tour.

Dort gab es eine Überraschung. Unser Hospedaje „Casa Cecilia“ wurde von einem gemütlichen Schweizer und seiner Frau geführt. Die Zimmer waren supersauber und schön.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAm nächsten Tag ließen wir die Dinge zurück, die wir für den Trek nicht benötigten und packten unsere Rucksäcke bis es dann endlich losging. 3 Stunden Busfahrt mit kleinen Stopps bis zu einem Hotel am Grey Gletscher, in dem wir unsere Rucksäcke für ein paar Stunden deponierten.

Dort bekamen wir auch das erste Mal den patagonischen Wind zu spüren. HEFTIG! Im nachhinein bin ich sehr froh, dass dies das einzige Mal war, an dem wir richtiggehend durchgewirbelt wurden. Später holten wir uns Gepäck und fuhren mit dem Boot zum Gletscher.

Bild: der Grey Gletscher

Hier gab es das schönste „Blau“, das ich je gesehen hatte. Man konnte sich an dieser Kühle gar nicht satt sehen, so faszinierend war das! Auch hatte ich das Gefühl, eine einzigartige Atmosphäre zu spüren. Ruhe …. Ruhe … Ruhe … Wir fuhren dann weiter bis zu unserer Hütte, bzw. zu unserem Campingplatz, der sich direkt am Grey Gletscher befand.

Was für ein Platz! Der lag absolut idyllisch in einem kleinen Wäldchen, daneben gab es einen kleinen Grillplatz und Holzbänke. Was wollte man also mehr? Einzig schade war, dass die Hütte eigentlich überbelegt war und somit voller Menschen, die sich fast über die Füße liefen. So stellt man sich einen Ameisenhaufen vor.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAWir bekamen das „Puma“ Zimmer, welches seinem Namen alle Ehre machte. Puuuuuuuh. Bis auf 2 Leutchen unserer Gruppe schliefen wir also alle in diesem einen Raum. Mal wieder. Gewöhnungsbedürftig irgendwie – aber auch heimelig.

Den Abend verbrachten wir draußen – unter anderem mit einigen Pisco Sour. Das Besondere daran: mit frisch gefischten Eis

Bild: Guido der Pisco-Eisfischer

Gegen 8 Uhr morgens standen wir auf, um unsere erste Tour entlang des Gletschers zu unternehmen. Eine wunderschöne Wanderstrecke führte uns durch zauberhafte grüne Wälder und über Bäche immer dem Gletscher lang, der mit jedem Meter den wir näher kamen imposanter wurde.

Etwa 4 Stunden waren wir unterwegs – dieses mal noch ohne Rucksack, da wir ein weiteres Mal im Puma-Käfig übernachteten 🙂 Das schönste einer solchen Tour ist für mich, mich DANACH unter eine Dusche stellen zu können. Das ist der pure Luxus, auch wenn die Duschen alle „unter aller Kanone“ aussehen.

durch den Nationalpark Torres del Paine

OLYMPUS DIGITAL CAMERABild: Orchideen

Die heutige Tour führte uns vom Campamente Grey in einer 9stündigen Tour bis nach Los Cuernos.

Unsere Tour führte uns über fantastische Gletscherseen in tollsten Tönen und wunderschöne Flora, halbhohe Büsche mit dicken, zackigen Blättern, eingesäumt von lila blühenden Pflänzchen, die hier buschartig blühen. Die Bäume mit ihren roten Büten – eine wunderschöne Farbenvielfalt.

Die Strecke verlief ruhig, ohne riesige Höhensprünge, zumindest lief alles recht stressfrei ab. In der Hütte in Los Cuernos empfingen uns auch schon unser Teamer Carlo und Guido.

In der Hütte gab es 3 Etagenbetten, die oberste in schwindelerregender Höhe. Der nächste Tag, am 31. Dezember 2003 führte uns durch die abwechslungsreichsteStrecke gestrueppbisher. Hier gab es Sumpfgebiete mit Moorhühnern, jede Menge Felssteine und sandige Aufstiege.

Die Hütte Camping Chileno lag wunderschön in einem „rauschenden Fluss“, der Schlafraum kann sich auch sehen lassen.

Neujahr haben wir dieses Mal 2x gefeiert – einmal nach MEZ, einmal nach chilenischer Zeit. Das chilenische Festmahl war wunderbar. Es gab gerollte Hühnchenrolle, Lammbraten, gebratenen leckeren Reis, Erbsengemüse, Lasagne (abgewandelt mit Rindfleischstücken), Tomaten, Gurken, Kartoffelsalat. Zum Dessert Schokokuchen die Torres(für Schokoholics wie mich!), Obstkuchen und und und. Dazu den leckersten Pisco Sour.

Anschließend tanzten wir noch mit den Chilenos Salsa und Merenque und begrüßten das neue Jahr 2004!

Der nächste Tag begann mit Regen. Ärgerlich, zumal wir heute die Torres hoch wollten! Draußen vor dem Chileno haben wir die Backpacker beobachtet, die gerade ihre Zelte zusammenrollten.

torres_diedreiEs ist nach 13 Uhr, Langeweile kommt auf – wir warten immer noch auf besseres Wetter. Das Wetter wurde ein wenig besser und ein paar aus der Gruppe wollten doch hoch laufen. Ich war wohl die letzte, die hoch wollte – alle anderen waren vor mir. Und siehe da, mein sportlicher Ehrgeiz packte mich komplett.

Ich hatte alle eingeholt, bin teilweise sogar durch den Wald gelaufen (was ich normalerweise hasse wie die Pest!) – aber das lief so gut. Dann holte ich die ersten ein – und überholte.

Dann ging es richtig über Steinbrocken nach oben, ich übernahm die Führung und stieg einfach davon. Bei den Torres angekommen hatte ich mindestens 5 min. Vorsprung vor den anderen beiden. Ich freute mich wie ein Honigkuchenpferd und ein Gefühl von Stolz breitete sich in mir aus :-))))))))

Den Abstieg hinunter zum Chileno habe ich dann sehr genossen. Mein Tempo gehen, die Ruhe genießen (trotz vieler anderer Touristen. Als ich das Geröll hinter mich gebracht hatte fing ich wieder an zu joggen, der totale Glückshormon-Flash war das. Ein geiles Gefühl, durch nichts zu toppen.

In der Hütte angekommen hätte es gleich weitergehen können. Keine Ahnung, woher die Power in den Beinen kam.

Das war der letzte Tag im Nationalpark – am nächsten Morgen gingen wir ca. 1 1/2 Std. bis wir an die Stelle kamen, an der wir vom Bus abgeholt wurden. Übrigens sahen wir hier einen Kondor fliegen!!!!! Leider hatte niemand ein Bild gemacht.

OLYMPUS DIGITAL CAMERABild: Zimmer im Pink House

Diesen Abend verbrachten wir noch ein weiteres Mal im Casa Cecilia bei dem Schweizer, bevor es dann am 3. Januar nach Punta Arenas weiter ging.

Dort übernachteten wir im „Pink House“, das auch tatsächlich genauso aussieht und im Kitsch ertrinkt! Idyllisch kitschig, sogar mit dekorierter Klobrille! Unglaublich, aber wahr. Und Lady Di guckte uns am nächsten Morgen beim Frühstücken in Übergröße zu!

Im Anschluss an den Bezug unseres Kitsch-Zimmers machten wir uns auf zu einer Stadterkundung. Berühmt in Punta Arenas ist der Stadtfriedhof.

Zuerst sah man die Gräber der „ärmeren“ Bevölkerung. Das sah aus wie eine Häuserfront, die Gräber werden über- und naebeneinander eingesteckt und in der Front mit den furchtbarsten Kitschaccessoires geschmückt.

Je weiter man in den Friedhof hinein geht, desto pompöser wird das Ganze. Hier findet man Familiengruften, viele davon mit deutschen Namen! Sehr schön sehen die kunstvoll geschnittenen Zypressbäume, die in Alleen den Friedhof säumen aus.

Die müssen uralt sein, so hoch sind die! Nach dem Friedhofsbesuch gingen wir weiter an den Strand, um nach Feuerland hinüberzuschauen! Erschreckt hatte uns allerdings der Müll und die Blechhütten, die hier am Strand stehen. Hier sieht man die Armut.

OLYMPUS DIGITAL CAMERANachmittags dann fahren wir zu den Pinguinen, die um diese Zeit gerade ihre Nachkommenschaft Pinguine an der Magellanstraßeaufziehen.

Die Fahrt mit dem Minibus dauert eine Ewigkeit, ist aber landschaftlich sehr schön anzuschauen. Wie wir dort auf einer Tafel erfahren, wiegen die kleinen Pinguine nur um die 5 kg. Sehr süß anzuschauen ist es, wie die in kleinen Trupps umherwatscheln. Und das alles schön im Takt, wie es sich gehört.

Von Punta Arenas im Süden hoch in den Norden in die Atacama-Wüste

Heute fliegen wir zur trockensten Wüste der Welt, der Atacama-Wüste. Der Flug startete gegen 8 Uhr in Richtung Santiago de Chile mit einer Zwischenlandung in Puerto Montt. In Santiago hatten wir noch einen 2stündigen Aufenthalt, den Carlo von 4 auf 2 Std. verkürzen konnte, allerdings mit einem weiteren Stopp in Antifagasta, was aber nicht weiter tragisch war. In Calama angekommen gab es erst einmal ein Schnitt. Vom tiefsten Süden Chiles und Kälte ca. 4000 km hoch in den Norden – mit erbärmlicher Hitze. Die Umgebung Calamas glich einer öden Mondlandschaft.

Nach 1 1/2 stündiger Fahrt nach San Pedro gab es aber die totale Überraschung. San Pedro gleicht einer Oase, es gibt hier zwar nicht jede Menge „grün“, aber doch schon einiges an Sträuchern und Bäumen, die das Ganze doch nicht so öde erscheinen lässt.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAmeine Hausnummer 7! Alles hier ist aus Lehm gebaut (Adobe = luftgetrockneter Ziegel) und taucht alles in heimeliges Licht.Ich freue mich auf den freien morgigen Tag, den wir zu unserer Verfügung haben. Auch das muss einfach einmal sein.

Das Abendessen in einem nett eingerichteten Restaurant war ein absolutes Highlight! Es sah aus wie eine umgebaute Scheune, urig eingerichtet mit viel Holz, einem offenen Kamin, der warm vor sich hin brannte, wunderschöne Bilder an allen Wänden und (ein klein wenig übertriebene) folkloristische Musik. Zum Essen gab es für mich vegetarische Spieße mit höllisch scharfem Reis. Die Speisen waren auch richtig was zum Anschauen! Klasse.

Heute morgen nahm ich eine eiskalte Dusche – mitten in der Wüste. Nicht, weil ich es gerne kalt habe. Es wurde nur nicht warm 🙁 Trotz allem ist es aber sehr lauschig hier in der Wüste. Das krasse Gegenteil zum südlichen Teil Chiles. Überall stehen Lehmhütten, die Häuser fügen sich völlig in die Umgebung ein und sind hier und da durch Büsche ein wenig grün durchwirkt.

Seit gestern Abend habe ich bestimmt schon 4 Liter Wasser getrunken. Man merkt wirklich, dass es hier staubtrocken ist. So fühlt sich also die trockenste Wüste der Welt an. Ich kann es gar nicht fassen, hier haben wir fast 30 °C und zuhause in good Old Germany schneit es gerade. Das ist Urlaub. Am anderen Ende der Welt zu sein, Sonne satt zu tanken, schöne Musik zu hören und sich nebenher auch noch zu verlieben 😉 Was kann es bessers geben.

Bild: Die zwei Tanken Die zwei Zapfsäulen standen hier einfach mitten in der Pampa herum! Und sonst nichts!

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEs wird Zeit, dass wir wieder Programm bekommen. Wir fuhren abends in Valle de la Luna (in der Cordillera del Sal), dort kann man – wenn man denn auch Glück hat – einen wundervollen Sonnenuntergang beobachten.

Na ja, außer einem merkwürdigen Typen im Superman-Kostüm sahen wir davon leider nicht viel. Tja, man darf auf solch einer Reise ja auch mal Pech mit „Sehenswürdigkeiten“ haben.

Nach leckerem Frühstück fuhren wir heute zu den heißen Quellen von Puritama. Nach einer Stunde Fahrzeit waren wir auf einer Höhe von fast 4000 Metern. Mich fror es in meinem T-Shirt und den kurzen Hosen. Wie schön, sich in die Wärme der Quellen legen zu können. Wunderbar. Inmitten von Nichts eine Oase mit Pampas-Gras, herrlich idyllisch.

Gegen Nachmittag machten wir uns auf in eine „geheime“ Schlucht, in die uns Carlo führen wollte. Wir wollten von der Straße her in den Weg abbiegen und wurden von einem Geländewagen aufgehalten, der sich quer gestellt hatte.

Ein Paparazzo erzählte uns, dass sich Cameron Diaz in dieser Schlucht befände. Ja klar – und George Clooney und Kleopatra auch. Nach endlosem Hin und Her kamen wir dann doch durch und wanderten durch das schöne Tal.

atacama_oaseEinige Zeit darauf trafen wir auf ein Kamerateam. Und mittendrin stand – Cameron Diaz!!!! Einfach unglaublich.

Mitten in der Atacama-Wüste in einer verborgenen Schlucht. Eine aus der Gruppe redete irgendwann später noch mit ihr, ich selbst war 2 m von ihr entfernt!!! Hammer! Interessant war, dass sie immer schön den Kopf unten hielt, damit Bilder keinen Sinn haben. Einzig da, als wir beide aus der Gruppe hinter ihr gingen hat sie sich dann zu uns umgedreht.

Ein kleines dünnes Persönchen mit den wohl schönsten hellblauben Augen, die ich je gesehen habe!

Bild mit Gesicht in: Quitor

Nach unserer Heimkehr und nach einer Dusche wollten einige noch nach Quitor zur alten Inkafestung. Lust hatte ich zwar keine große mehr, aber wann kommt man denn noch einmal hierher?

Ein gemütlicher einstündiger Spaziergang in Teva-Latschen, dann kamen wir dort an. Blöd fanden wir, dass sie zur Besichtigung der Festung Geld wollten und wenn ich mich richtig erinnern kann war das kein kleiner Betrag, den wir hätten löhnen müssen.

atacama_quitorMachten wir dann auch nicht und gingen lieber ein Stück weiter zu einer Schlucht, in der Ralf und Susanne ein wenig herum“höhlten“. Ich meinerseits schaute draußen nach einem netten Motiv.

Beim zurückgehen nach San Pedro hatten wir auf einen schönen Sonnenuntergang gehofft, den wir im Valle de la Luna ja nun leider nicht gesehen hatten. Aber den gab’s heute auch wieder nicht

8. Januar 2004 – In dieser Nacht hatte ich nur 3 Stunden geschlafen. Es ist nicht zu fassen, welchen Höllenkrach die Hunde von San Pedro des nächtens veranstalten. Die wetzten hinter der Hütte (der Hof wurde nachts abgeriegelt) ununterbrochen auf und ab. Grauenhaft.

Für heute ist die Altiplano-Tour angesetzt, die um 7 Uhr startet und erst am Abend enden soll. Erster Stopp war bei der Laguna Chaxa mit den ersten rosafarbenen Flamingos, die ich in freier Wildbahn sehe. Der Weg zu den Flamingos bestand praktisch nur aus Salz! Überall Salzkruste. Eine unwirkliche Landschaft.

Dann fuhren wir endlich „hoch“ bis auf 4000 Meter und die Vegetation wandelte sich zusehends. Immer wieder tauchten kleine grüne Oasen auf, welche man in der Wüste nicht vermutet und deshalb vielleicht auch so wunderschön anzuschauen waren. Gelbe Puschelbüsche sahen wir dann auch in Hülle in Fülle.

 

altiplano_lagune1 altiplano_lagune2 Lagune im Altiplano

Es ist sooo schade, dass die Bilder so farblos daher kommen. Mit den ersten Digi-Cams waren farbenfrohe Aufnahmen in gleißendem Licht einfach noch nicht so möglich wie das heute der Fall ist.

Die erste Lagune, Laguna Meniques erblühte leider nicht in einem wundervollen Farbspiel, weil die Sonne eine kleine Pause einlegte.Die nächste jedoch, die Laguna Miscanti sah dann schon ein klein wenig besser aus, wie man hier erkennen kann.

Nach einer weiteren Stunde Busfahrt sahen wir dann doch noch ein wunderschönen Farbenspiel. Im Hintergrund auf dem „Dreispitz“ sah man frischen Schnee. Im Vordergrund des Salar de Atacama sieht man das getrocknete Salz.

Man hatte das Gefühl, man sähe in unendliche Weiten – irgendwie erinnerte mich das doch stark an Island, was das Farbenspiel betraf. Der Salzsee glänzte in schönsten Weiß- und Türkistönen, die bereits ausgetrockneten Salzplatten zeichneten das Kristalllmuster von Salz, innen weiß und an den Kristallkanten schmutzig grau.

Bei der Rückfahrt hielten wir in einem unscheinbaren Dörfchen und aßen dort gegen halb 4 am Nachmittag zu Mittag. Hier in Socaire gab’s dann auch die wohl abgefahrenste „Tankstelle“ (Bild irgendwo weiter oben). Am Ortsausgang stehen auf einer Sandfläche zwei einsame Zapfsäulen. Sonst nichts! Das Dorf selbst besteht aus jeder Menge unfertig gebauten Häusern.

adobe_kirche_san_pedroBild: Adobe Kirche in San Pedro

Der Platz um die schöne Adobe-Kirche wurde von einigen Arbeitern wunderschön hergerichtet, aber wie man in nicht fertig gebauten Häusern leben kann ist mir ein Rätsel …

Das Gebälk in der Kirche bestand aus Kaktusholz und war schon deshalb völlig ungewöhnlich.

Die Menschen hier in diesem Ort (Gebirgsflussoase) betreiben Terrassenfeldbau – man sah Mais, Weizen, Süßkartoffeln und auch einige Sonnenblumen, die hier angebaut wurden.

La Serena – im Kolonialstil geprägte Stadt im Rio Elqui-Tal

Bild: Koffer-Stillleben

Der Abschied von San Pedro fiel (mir) nicht schwer. Nach einigen Tagen und Nächten in der Wüste benötige ich endlich san_pedro_rucksaeckewieder etwas mehr grün um mich herum – und andere Menschen 😉 Der Nachtbus bringt unsere Gruppe nach La Serena, das wir früh morgens gegen 6 Uhr früh erreichten.

Dort angekommen, wurden wir in 3 Taxen verfrachtet und zu unserer Unterkunft gebracht. Wie man erkennen konnte war La Serena nicht gerade klein.

Wir inspizierten den großen Stran, einige aus der Gruppe wollten noch auf den Fischmarkt gehen (habe ich mir geschenkt, ich sehe Fische lieber im Wasser schwimmen als tot auf dem Markt).

Von diesem Markt brachten sie dann auch einen riesigen Fisch mit, den es abends zum Essen gab. Er sah schrecklich aus – und er schmeckte auch so <schüttel>

Nun denn, wir hatten ein schönes Zimmer mit Bad-Ameisen (es gab keine „Ameisen-Straße zum Bad, aber die wuselten da einfach so rum). Und ich schlief das erste Mal richtig gut, seit ich in Chile w

la_serena_shoppingmallBild: Shopping-Mall in La Serena

Der Himmel ist am nächsten Morgen wieder bewölkt, für einen Spaziergang ins Städtchen war das aber genau richtig, weil ich mir davor die Birne verbrannt hatte und mich jetzt ein bisschen schonen konnte.

La Serena selbst ist eine im Kolonialstil erbaute Stadt und man sieht erstmalig mehr Chilenen als Touristen, was sehr angenehm ist.

Im Anschluss unseres kleinen Stadtbesuchs besuchten wir diese Shopping-Mall rechts. Chile steht uns mit solchen Hallen in nichts nach. Es gibt hier einfach alles zu kaufen – wie bei uns.

Einen Tag später fuhr ein Großteil der Gruppe ins Elqui-Tal auf einen Besuch im Paso Negro und dem Observatorium in Mammalluca. Der andere Teil – zu dem auch ich gehörte – haben uns gegen diesen Ausflug entschieden.

Bild rechts: Auto-Stillleben … oder doch eher ein Auto-Friedhof?la_serena_stillleben

Wir waren zu dritt und machten uns ebenso auf ins Elqui-Tal nach Vicuña, allerdings für einen Bruchteil dessen, was die anderen für Ihren Ausflug bezahlt hatten. Die durften 25.000 Pesos löhnen, wir 2.600 Pesos für die Busfahrt.

Dort angekommen schauten wir uns als erstes die Kirche dort an, danach schlenderten wir den Aussichtsturm hoch, in aller Ruhe. An riesign Bougainvillea-Sträucher vorbei, an den staubigen Autos, Pferden, Kakteen. Bezaubernd. Wieder vom Berg herunter schlenderten wir zur Capel-Destillerie am anderen Ende Städtchens und machten dort eine spanische Führung mit.

14. Januar 2004 – unser Ausflug zur Seelöweninsel

muschelstrand_seeloewen1Bild: Seelöwen

Leider weiß ich nicht mehr, wie unser Ausgangsdorf hieß, jedenfalls konnten wir bei der Ankunft nicht sofort mit den Booten hinaus, weil der Seegang zu stark war.

Etwas absolut ungwöhnliches war allerdings, dass der komplette Strand, also praktisch da, wo sonst Sand zu sehen ist mit Muscheln ÜBERSÄT war! Die waren noch nicht fein zermahlen, sondern wirklich noch heile.

Bild rechts: Muscheln ohne Endemuscheln

Beim Sammeln der Muscheln musste ich mich stark bremsen, schließlich hatte man im Rucksack nur eine begrenzte Menge an Platz zur Verfügung.

Eine Stunde später erwartete uns unser Fischer, der auch Guido hieß mit einem leckeren Essen. Es gab gegrillten Fisch (dieses Mal aber wirklich sehr gut) mit Reis und Gemüse.

muschelstrand_annetteBild links: Sylvia, unsere Meisterfotografin Sylvia, die eigentlich die besten Bilder von allen machte, begab sich hier in die Schlingen meines Fotoapparates. Sie hätte besser auf das Display der Digi-Cam geschaut, denn durch den Sucher. Alte Spiegelreflexfotografiererkrankheit 😉

Seeigel – einmal in echt Ein echter Seeigel!

Das Meer zeigte sich plötzlich in Gelb- und Rottönen. Weshalb, war unsere Frage.muschelstrand_getier

Weil es an dieser Stelle des Meeres eine hohe Plankton Dichte gab und diese mit dem Getier einfärbte!

Dann ging es doch noch rein ins Boot und ab ins Meer. Ich dachte ununterbrochen an meine Wal-Safari auf den Lofoten. Aber in Anbetracht dessen, dass es mir dort ja ziemlich schlecht ging, war das jetzt doch relativ harmos, wenn auch die See nicht ruhig war.

Lange Zeit sah man zwar nichts, aber man ROCH es! Seelöwen. So stinkt also der Guano, wenn eine Meute Seelöwen, Pelikane, Seeotter und Pinguine sich auf einer Steininsel niederlassen und alles zusch…..!

Solch ein klares Wasser habe ich bis dahin auch noch nicht gesehen, aber so klar der Pazifik war, so kalt war er auch. Wir machten einen Stopp auf einer kleinen Insel und fläzten uns in die Sonne. Ein gelungener Tag.

An diesem Abend fuhren wir mit dem Pullman-Nachtbuch nach Viña del Mar, das wenige Kilometer von Valparaiso entfernt ist. Gegen 6 Uhr in der Früh kamen wir endlich an – nach einem beschwerlichen Fußmarsch mit unserem Gepäck erreichten wir später das Hotel für unsere letzte Übernachtung.

valparaiso4_gelbeshauspositive Häuserwand in Valparaiso Mit einem öffentlichen Bus fuhren wir nach Valparaiso hinein. Kaum aus dem Bus draußen saßen wir dann auch schon gleich in einem der 16 Schrägaufzüge, die es in Valparaiso gibt. Eine wahrlich interessante Fahrt. An der Aussichtsplattform angekommen, befanden wir uns auch schon inmitten eines netten kleinen Marktes.

Den Nachmittag verbrachten wir mit der Suche nach einem kleinen Cafè und schauten uns noch die Stadt an. Ich bin wohl kein „Städter“ – irgendwann langweilen mich die ganzen Shopping-Malls, Läden, der ganze Trubel.

Die Reise wurde organisiert von Wave-Reisen in Wuppertal!

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20. August 2002
von Annette
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Lofoten/Vesteralen

Über die Vesteralen zu den Lofoten

Unsere erste Erlebnisstation war Nyksund, ein kleines verlassenes Dorf, welches bei unserer Reise so gut wie ausgestorben war. Außer einigen Forschern gab es keine Einheimische mehr.20020731_22

Am 2. Tag unternahmen wir eine Wanderung auf dem Königinnenweg von Nyksund nach Stø – eine wunderschöne Wanderung durch Moose, Fjorde und schöne Felshänge. Hier stand auch ein interessanter Radarturm, der von weitem aussah wie ein überdimensionierter Golfball!

Unser netter sächsische Teamer servierte uns zum Abendessen eine typisch norwegische Spezialität „Rømme“ – hört sich schrecklich an und das Schlimmste, es schmeckte auch irgendwie so – es erinnerte mich jedenfalls stark an Moltofill Spachtelmasse 😉 Also hungrig mussten wir somit nicht ins Bett.

Endlich geht es auf die Lofoten

Wir verließen die Vesteralen und fuhren Richtung Lofoten mit anschließender Fährfahrt von Melbu nach Fiskebol an, das wir eine halbe Stunde erreichten . Die Landschaft ist 20020807_03hier komplett anders. Moosbewachsene Berformationen, wohin das Auge reicht! Und egal, wo man fährt, es geht immer einen Fjord entlang!

Die erste Station heute ist Svolvaer, die Hauptstadt der Lofoten mit der berühmten „Svolvaer-Geiss“, einem Felsen, der an Geißhörner erinnert.

In Kabelvag steht die größte Kathedrale (für 1200 Menschen!) der Lofoten. Nächster Besuchspunkt war Storvagan mit dem Lofot-Museum, dem Aquarium und einer Galerie mit Zeichnungen von (meiner Meinung nach schwer deprimierten) einheimischen Künstlern.

Anschließend fuhren wir in das wundeschöne Henningsvaer, das seinem Namen „Venedig des Nordens“ alle Ehre machte. Hier konnten wir herrliche Stimmungen einfangen (der Himmel siehtalle naslang anders aus) und die toll geschmückten bunten Häuser anschauen. Allein die Stockfisch-Lagerhallen sahen ein wenig furchteinflößend aus mit diesen vertrockneten Fischen. Wir erreichten unser Sjoehus in Maervollen am frühen Abend in in herrlichem Sonnenschein. Die Hausaussicht fällt direkt in den Fjord und gegenüber auf bizzarre Felsformationen. Wahnsinn!

Wanderung über die Berge von Unstad – Mitter“nachtswanderung“ von Eggum nach Unstad

Der nächste Tag startete mit einer Wanderung über die Berge von Unstad, die nicht „ohne“ war. In unseren Breiten findet man überall Wege, die vorher schon begangen 20020804_21wurden. Hier schlägt man sich durch Oberschenkelhohe Farn“wälder“ durch und läuft bestenfalls einmal über Schafpfade.

Nach dieser 4stündigen Wanderung hatten wir im Anschluss unseres Abendessens noch die Idee, die Wanderung von Eggum nach Unstad noch HEUTE Nacht zu machen.

Wir hätten ja nicht gedacht, dass dies noch in Schwerstarbeit ausarten würde. Anfangs verlief die Strecke noch gemütlich entlang der Küste, vorbei an tollsten Skulpturen, die Künstler hier aufgestellt hatten, bis wir dann erste kleine Klettertouren über Felsen erstiegen. Und das mitten in der „Nacht“. Gegen 23 Uhr kamen wir endlich in Unstad an – diese Nacht schliefen alle wie tonnenschwere Steine.
Bild: Von Eggum nach Unstad

 

Wanderung auf den Matmora

20020805_04Diese Tour war bisher die längste und auch schönste. Wir stiegen über unwegsame Schafpfade nach oben, was zwar sehr steil und anstrengend war, aber wohl doch noch zum gemütlichen Teil gehörte. Als wir die Hälfte der Höhe (400 m) erreicht hatten, wurden wir mit einem grandiosen freien Blick über Bergketten und türkisfarbenes Wasser belohnt. Die nächsten 4 Stunden der Wanderung ließen sich ruhig an, stundenlang ging es eher stetig nach oben, bis die „Grat“wanderung folgte.

Als wir auf dem Gipfel standen und nach unten schauten dachte keiner von uns dass wir DA heil runterkommen würden, aber unser Teamer meinte nur ganz lapidar „keine Sorge, es geht“. Himmel! Steiler hätte es dann auch wirklich nicht sein dürfen. Eine der beiden Abstiegsstunden gingen zweifellos mächtig auf die Knie. Als wir es dann fast geschafft hatten, passierten wir noch einen richtigen „Trollwald“ – verwunschener hätte man sich den nicht vorstellen können!

dringendes Ausruhbedürfnis nach 4 Stunden Anstieg auf den Matmora!Der nächste Tag – Faulenzia und das Wikingermuseum in Borg

20020803_02Endlich ein Tag zum Faulenzen – schließlich sind wir im Urlaub und da darf dann ruhig auch mal NICHTS erwandert werden. Soll ja nicht heißen, dass man komplett untätig wäre. Waren wir auch nicht.

Wir frühstückten heute draußen – in diesem Jahr war in Deutschland die „Jahrhundertüberschwemmung“ – und wir hatten hier täglich um die 20-25 °C!

Die Außenanlage des Museums war nicht sonderlich spannend, aber die Führung war dann doch sehr interessant. Es wurde gezeigt, was und an welcher Stelle im Langhaus das Leben früher statt fand. Schön war auch, dass man alle Ausstellungsstücke auch in die Hand nehmen durfte. Bild:  Die Kapelle von Sildpollnes

Bilderhaftes Sund und tolle Rorbuer in Mærvollen

Abfahrt von Maervollen in Richtung Flakstad, duch den Nappstraum-Tunnel. Unsere erste Station heute war das verträumte Sund, welches in einer wunderschönen Bucht liegt (siehe unten) Im Hintergrund die Berge und sehr spannend zu beobachten, die einströmende Flut, die in den kleinen Hafen zurück strömte.

20020807_10

Hier auf der Insel besitzt nicht jedes Haus einen Briefkasten, sondern hier gibt es „Briefkastenfronten“ – was damit gemeint ist, sieht man auf dem Bild: süß verkitschte Briefkästchen!

 Später erreichten wir Moskenesoy und bezogen unser Rorbuer am Spätnachmittag.Welch eine Überraschung!Wir sind in zwei wunderschönen Hütten untergebracht – im Vergleich zu unserer letzten ist das hier der wahre Luxus! Ich darf im Hochbett schlafen – suuuuper!

 

UNESCO-Kulturerbe Nusfjord und die wunderschöne Kvalvik-Bucht

20020807_03Am nächsten Tag machten wir uns auf in Richtung Vikten,wo es eine Glashütte zu besichtigen gab. Die Ausstellungsstücke waren jetzt nicht so meins, aber doch nett anzuschauen. Die „Hytta“ selbst und das Haus gegenüber waren architektonisch allerdings eine absolute Augenweide, ebenso der arktische Mohn, der vor den Häusern in leuchtendem orange blühte!

Die heutige Wanderung beginnt in Kilan, bzw. bei Kilan mitten in der Pampa. Ein stetig leicht ansteigender Pfad führt uns durch die wunderschöne Flora hinauf, von oben haben wir dann einen superschönen Blick hinunter auf einen See, der umringt von Bergen ist und einen Fjord, dem wir dann noch eine Weile auf der Straße bis nach Nusfjord folgen.

Nusfjord selbst ist sehr nett und zählt zum UNESCO-Kulturerbe, wobei mir hier nicht ganz klar ist, warum.

Bild unten: Die Schlacht von Njusford

Nach einem kleinen Kaffeestopp geht es weiter über matschige Moorwege durch moosbewachsene Felslandschaften, über Felsen an der Küste zum winzig kleinen Nesland, in 60020020808_04dem es 4 „Trollkessel“ zu besichtigen gibt. Schade, die Trolle hatte niemand gesehen, so dass wir den Tag heute nicht mit einem Troll-Inn Meeting beendeten, sondern nur mit einem selbst zubereiteten Kabeljau.

Nach einem grandiosen Frühstück in gleisender Sonne geht’s recht früh schon los – heute ist die Kvalvik-Bucht unserer Etappenziel . In der Nähe von Fredvang geht es gemütlich los, sanfte Anstiege mit „richtigen“ Pfaden. Wir haben einen herrlichen Ausblick über die erste Buch, einige sind mutig genug, hier zu baden.

Stimmt schon, das Wetter ist wunderschön, aber ich bin da ein zu großes Weichei (bei mir braucht es eine Wassertemperatur von mind. 30 °C).

Danach geht es über riesige Felsen mit Klettereinlagen (inkl. Ketten und Seil) zurKvalvik-Bucht, die nicht ganz so herrlich ist wie die erste, dafür aber um so belebter.

60020020809_05Sogar 2 Kiter sind hier unterwegs. Einige aus der Gruppe möchten noch auf einen weiteren Berg, ich für meinen Teil ziehe es vor, mich an den Sandstrand zu legen und „Urlaub zu machen“.

Bild: Die Kvalvik-Buch

Fischereidorfmuseum Å – und der Aufstieg auf den Reinebriggen

Und wieder einmal mehr können wir unser Frühstück in der lofotischen Morgensonne bei angenehmen Temperaturen einnehmen. Unser erstes Ziel ist das 20020810_11Fischereidorfmuseum in Å (dieser Ort hier heißt wirklich so!) – dort befindet sich eine alte Bäckerei, in der wir Zimtschnecken und Rosinenbrötchen bekamen. Sehr lecker! Wir bekamen eine Führung durch das Museum, es wurde ein original Rorbu angeschaut, ein Bootshaus, in dem auch gezeigt wurde, wie man Netze macht und auch desinfiziert. Alles in allem ganz nett anzuschauen.

Am späten Nachmittag ging’s los auf den Reinebriggen – sehr steil im Anstieg aber endlich genau das, was mir bisher ein bisschen gefehlt hat. Die Aussicht von dort oben über die Fjorde ist grandios!

Bild: Reine mit Blick auf den Reinebriggen

Das einzig dumme, was mir dann noch passiert ist war, dass ich doch tatsächlich aus Unachtsamkeit – nach Begrüßung zweier weiterer Wanderer – auf dem Weg nach unten gestürzt und mit verletzt habe. Nicht schlimm, mehr oder weniger nur ein Kratzer und zwei blutende Fingernägel.

Dumm jedoch deshalb, weil mein Kreislauf dann etwas mit mir macht, das ich nicht kontrollieren kann. Ich war allein, mit wurde schlecht und dann noch schwarz vor Augen. Panik Infernale! Und – es gab ja keine Möglichkeit, sich hinzusetzen, geschweige denn, hinzuliegen! Gott sei Dank kam dann Evelin von oben und schulterte mich mit meinen Beinen erst einmal (gelernte Krankenschwester), so dass ich in die waagerechte kam … nach unserer Walsafari ein weiterer, „denkwürdiger“ Tag, den ich nicht so schnell vergessen werde.

Puppenmuseum in Sakrisøy – große Wanderung durch einzigartige Landschaft

Die erste Station des heutigen Tages führt uns nach Sakrisøy zum dortigen Puppenmuseum. Na ja, ganz nett, schweineteuer – und aus meiniger Sicht überflüssig. Aber für 60020020812_10alles kann ich mich eben auch nicht begeistern.Dann aber begann unsere superschöne 6-Stunden-Tour, die Sørvågenwanderung, vorrbei am Studalsvatn in Richtung Munkebu nach Dupfjordheia und dem Abstieg nach Moskenes – durch die bisher schönste lofotische Landschaft. Viele Seen in schwindelnder Höhe, riesige Wollgrasfelder, „Neon“ Flechten auf den Felsen, viele wunderschöne saftige Moose und nach dem Abstieg kamen wir dann noch durch eine Art „Urwald“, die bisher faszinierendste Landschaft hier, wenn auch etwas glitschig. Über hohe Gräser, Farne, krumm gewachsene Bäume, vielen Beeren, Moosen und sonstigen Sumpf-Pflanzen.FarbenrauschLetzte Station … der Gezeitenstrom SaltstraumenIn Moskenes angekommen, dirigiert man uns gleich in eine Fähre, die jedoch erst einmal Zwischenstopp auf Værøy macht, bis wir dann nach fast 5 Stunden Fahrzeit endlich in Bodø ankamen. In Knapplund sollten wir dann auf dem Saltstraumen-Campingplatz unsere letzte Nacht in Norwegen verbringen.Verwöhnt von unserer Rorbuer auf Hamnøy waren die Hütten auf dem Campingplatz wieder ein kleiner Rückschlag. Die waren zwar nett eingerichtet, aber um einiges einfacher als bei unserer letzten Schlafstätte.

Nach dem Abendessen gingen wir dann Richtung Saltstraumen, der am heutigen Tag gegen 20:44 den stärksten Durchfluss hat. Das ist schon ein wahres Spektakel, anzuschauen, wie sich das Wasser durch die etwa 150 m Breite zweint und welch eine große Kraft da einwirkt! In der Mitte des Stromes sieht man eine glatte Oberfläche, rechts und links davon bilden sich Wirbel, bzw. Strudel, die wohl alles mitreißen, was sich darin befindet.

Am Himmel komponierte die Sonne mit den Wolken zusammen eine wunderchöne „Melodie“. Alle paar Minuten sah der Himmel anders aus, ein faszinierendes Schauspiel. In dieser Nacht färbte sich der Himmel blutrot!

Am nächsten Morgen machten wir uns nach wundervollen zwei Wochen Farbenrausch, jeder Menge gewanderter Kilometer, unendlichen Weiten, netten Menschen usw. usw. wieder auf in Richtung Heimat.

Ein weiteres Mal Norwegen wird dann mit unseren Rädern besucht!

Bild: der Strudel des Saltstraumen

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20. Februar 2002
von Annette
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Mallorca – Serra de Tramuntana 2002

Im Orangen- und Zitronental von Sollér

600xcimg0109Die Ankunft um 9:20 Uhr in Palma de Mallorca lässt noch nichts Gutes erahnen, war es doch recht diesig und auch nicht allzu warm, als wir draussen nach langer Gangstrecke im Flughafen ankommen und uns nach einem Bus Richtung Palma umsehen.

Unsere Reise beginnt dann doch sehr viel versprechend, nachdem wir gleich mit dem ersten Bus „richtig“ zur Fahrt nach Palma sitzen.

In Palma suchen wir unsere erste Anlaufstelle auf – die Tourist-Information, an der wir uns auch gleich mit einem Stadtplan bewaffnen und uns auf die erste Erkundungstour begeben.Seltsamerweise haben wir beide irgendwie keine richtige grosse Lust, hier in der „Gross-Stadt“ etwas zu unternehmen. Einen kurzen Blick erhaschen wir dann aber doch auf eine kulturelle Sehenswürdigkeit – auf die Kathedrale La Seu.

In einem kleinen Café bei der Kathedrale tranken wir unseren allerersten Café con Leche, den wir hier beim ersten Schluck schon lieben lernten!

OLYMPUS DIGITAL CAMERABild links: der rote Blitz

Kurze Zeit später finden wir uns dann auf dem Bahnhof (besser: Höflein!) ein, um mit dem „Roten Blitz“, dem hier erstmalig 1912 gestarteten Zug die Strecke von Palma nach Sollér zu fahren, vorbei an knall-orangenen Apfelsinen- und quietschgelben Zitronenbäumen, welche uns hier in einer wahren Farbenpracht empfingen.

Danach machten wir uns auf die Suche nach einer Unterkunft für die erste Nacht.

Diese Suche war zuerst nicht sonderlich von Erfolg gekrönt, weil uns die pikierte Dame in dem Tourist-Info-Bus von Sollér zwar einen Kringel auf die Sollér-Stadtkarte malte, uns jedoch keinen Namen des Hostals dazu schrieb. Aber wir fanden unsere erste Übernachtungsmöglichkeit im Hostal Nadal dann doch.

(leider kann man die Holzvertäfelungen hier nicht richtig erkennen, aber der Zug wirkte wirklich super-antik!)

Einige Minuten nach dem Start kann man dann auch schon die ersten Ausläufer der Serra de Tramuntana in der Ferne erk600xcimg0008ennen, die langsam und gemächlich immer näher kommen.

Nach einer Stunde fröhlichen Zuckelns in dem Holzbähnchen kommen wir dann in Sollér an und leisten uns als erstes einen mit nur 0,2 l Inhalt und mit 2 € auch schweineteuren, aber sehr leckeren, frischgepressten Orangensaft, den wir mit Genuss trinken

Auf dem Pilgerpfad Cami des Barranc von Sollér nach Tossals Verds

Unsere heutige (und erste) Mammut-Tour beginnt um ca. 10 Uhr in Sóller und führt uns entlang des mächtigen Massivs der Serra de Alfabia durch eine mit Apfelsinen- und Zitronenbäumen gesäumte Wegstrecke hinauf zu dem kleinen schnuckeligen Dörfchen Biniaraix.

Biniaraix

Hier hätten wir laut unserem Reiseführer einen sehenswerten Marienaltar in der Kirche bestaunen können, wenn diese 600_213_11denn nur offen gewesen wäre. Einige Meter höher konnten wir dann aber noch ein ehemaliges Waschhaus bestaunen, in dem die Frauen noch bis vor wenigen Jahren ihre Wäsche gewaschen haben. Die schräg nach innen gerichteten Steinquader waren von dieser Arbeit schon leicht blank gewetzt. Wie viel an Wäsche dort wohl schon darüber hinweg gewetzt wurde?

Dann endlich begann aber auch der ehemalige Pilgerpfad Cami d’es Barranc, der noch ein wenig beschwerlich zu begehen war, weil der Morgennebel die Steine rutschig machte. Man muss sich also nicht nur darauf konzentrieren, nicht daneben zu treten, sondern auch darauf, nicht wieder rückwärts zu fallen. Wir kommen vorbei an weiss und rosa blühenden Mandelbäumen und an den ersten Trockenmauern. (Tancas) Diese Bauart wird heute auf Mallorca wieder an einer dafür eingerichteten Schule unterrichtet. Trockenmauer deshalb, weil diese Mauern ohne Mörtel oder sonstigen „künstlichen“ Baustoff zusammen halten (oder auch nicht so ganz wie uns unsere weiteren Touren des öfteren gezeigt haben…)

Nach etwa 2 Stunden gemächlichem Höhenanstieg schauen wir immer wieder fasziniert nach unten in denTalkessel von Sóller und auf die schönen, fremdartigen Pflanzen und legen dann unsere erste Rast für heute ein.

Wir geben uns einem feudalen Vollkornbrot-Käseaufschnitt-Snack mit anschliessendem Edel-Dessert, bestehend aus Bananen- und Kokos-Schoko-Müsli-Riegel hin (Aldi!), welches in der freien Wildbahn irgendwie immer ein wenig mehr mundet als zu Hause

Was dann kommt, entlockt uns ein breites Grinsen von einem Ohr zum anderen. Da wurde doch tatsächlich ein Schild angebracht, worauf stand, dass es hier gefääääährliche Stiere gibt!

So gestärkt machen wir uns dann weiter auf den Weg nach Tossals Verds. Es geht immer noch steil bergauf, mittlerweile haben wir jedoch zur Abwechslung ein wenig Waldboden unter, sowie die ersten Schafe vor und neben uns. Die Landschaft hier sieht zerklüftet aus und uns weht ein schneidender Wind um die kalten Nasen (ein Dank an meine supergute Wolfskin-Jacke!). Schade ist nur, dass wir jetzt in ein Nebelbad getaucht sind, so dass wir das Massiv nicht in vollen Zügen geniessen können.

600_230_28Bild: im Tossals Verds

Eine halbe Stunde -und viele Aleppokiefern weiter- können wir endlich den Stausee Cuber sehen, er versteckt sich allerdings ein wenig im Nebel, sowie den l’Ofré, den wir heute wohl nicht anschauen werden, weil man wie bereits gesagt, einfach nur Nebel sieht. Jetzt geht es aber erstmalig auf dieser Tour wieder bergab und nach weiteren 30min. haben wir dann den Stausee erreicht.

Nach einiger Zeit überqueren wir die Staumauern und machen uns auf den Weg nach Tossals Verds. Der schmale Pfad ist mit Schotter bedeckt, was den Abstieg nicht ganz so einfach macht, weil man sich äusserst vorsichtig bewegen muss, um nicht ab- bzw. auszurutschen.

Mittlerweile befinden wir uns zwischen dem Massiv des Tossals Verds und der Serra de Alfabia, die sich rechts und links riesengross vor uns auftürmen. Nach einiger Zeit überqueren wir den Torrent d’Almedra, der jedoch bei unserer Überquerung kein Wasser führt.

Empfangen werden wir auf der anderen Seite des Torrent von einem weissen Schafskopf-Schädelknochen.

Nach einigen Abstiegsmetern auf unserem Pfad, gesäumt von kleinen und grossen Büscheln Dissgras (bei uns unter dem Begriff Pampasgras bekannt), Steineichen und Kiefern erreichen wir unseren ersten Tunnel, den es zu durchwandern gilt. Die Taschenlampen sind gezückt und wir machen uns auf in das Innere des Berges, was sich aber eher als etwas unspektakuläres entpuppt.

Wieder draussen angekommen findet man immer noch Geröll, der jedoch jetzt viel feiner und deshalb auch angenehmer zu durchwandern ist. Nach dem vierten und auch letzten Tunnel, den wir auf dieser Strecke durchqueren und einem anschliessenden eher leichten Spaziergängchen erreichen wir dann auch bald ein Gatter, welches wir über eine kleine provisorische Stiege überqueren.

Ein paar Meter weiter queren wir auch wieder den nicht-wasser-tragenden Torrent d’Almedrá.

Die Schlucht, in der wir uns jetzt befinden ist eine wahre „Schönheit“, zumal wir jetzt endlich auch wieder von ein wenig Sonne beglückt werden und die Landschaft somit doch schon sehr viel prachtvoller wirkt.Unser Weg führt uns durch skurrile Olivenhaine, die ich so witzig fand, dass ich aus einem „guck mal deeeen hier“ und „ist der nicht süss“-freudvollen, infantil anmutenden Freudengeplapper schon fast nicht mehr herauskam.

600_233_31Bild: ohne Worte 🙂 Vor der Hütte suchte meine Kamera noch ein Esel-Motiv, es sollte mein „heissestes“ Motiv werden…. Frisch geduscht lässt es sich jetzt nach 7stündiger Bergtour, die uns auf dem alten Pilgerpfad von Sollér nach Tossals Verds geführt hat, so richtig gut entspannen.

Vor uns flackert das Feuer im Kamin des Gästeraums im Refugi Tossals Verds, ich sitze -einem wunderschönen Jazzkonzert im Hintergrund lauschend- vor dem Kamin, die Füsse zwicken und zwacken an allen Enden – und wir fühlen uns nach einer Mahlzeit aus Oliven, Brot, einer Suppe mit allen möglichen (dicken) Zutaten und einem Gläschen Bier (musste einfach sein!) für mich, sowie einem ganzen Krug roten Hauswein für Jeanette (nein, sie war ehrlich nicht betrunken!) so richtig schön geschafft.

Kohlhiesels Tochter – jedenfalls der Frisur nach!

600_234_32Solch ein gemütliches Zimmerlein würde mir daheim auch voll und ganz genügen. Herrlich!

Einen Tag später hier und wir hätten Pech gehabt mit der Übernachtung, weil für das Wochenende bereits alles ausgebucht war!

Da waren wir wohl doch etwas mutig, zumal das Refugi Tossals Verds die einzig bewirtschaftete Berghütte in der Tramuntana ist!

So aber waren wir zusammen mit einer älteren Hamburgerin, die ihren Wohnsitz nach Palma verlegt hat und die Berge liebt und deren Tochter, sowie unserem „Hausmeister und Koch“ ;-)) ganz allein hier in dieser tollen Berghütte mitten in der Tramuntana.
Vom Refugi Tossal Verds zum Kloster Lluc

Nach einem eher minimalen Frühstück heute morgen (aus Ermangelung an richtigem Brot gab es Zwieback!)), ging es dann gegen 10 Uhr wieder los, um ein weiteres kleines Stück der Tramuntana kennen zu lernen.

Unsere heutige Tour führt uns nach Lluc, was berühmt ist für sein Kloster mit der schwarzen Madonna. Diese Tour wird als eine der eindrucksvollsten und schönsten in der Serra beschrieben, was wir gerne glauben.

Leider hatten wir heute das Pech -nach anfänglich herrlichem Wetter- die meiste Zeit mit Graupelschauern begleitet und umgeben von Nebel die Tour zu wandern.

600_04__0Bild: Graupel

Über den Talhang entlang habem wir noch zu Anfang einen wundervollen Ausblick auf das Tossals Verds Gebirge, vor uns liegt das Gebirge des Massanella. Wir begegnen den ersten „Rotrücken-Schafen“ mit Kuhglöckchen um den Hals. Rotrücken-Schafe? Ja, die hatten wir wegen ihrer Markierung so genannt. Wirklich schön sah das allerdings nicht aus.

Nach dem ersten Graupelschauer war ich ein wenig irritiert, hatte ich doch eigentlich immer nur davon im Wetterbericht gehört. Dass das so irre aussieht, wie diese kleinen Kügelchen auf den Rucksack fallen und sogleich wieder von dort abprallen fand ich dann doch sehr faszinierend.

Ein wenig mulmig war mir dann doch, als es plötzlich nur noch weiss auf dem Weg war. Aber durch diese Form des Eises war der Tritt darauf überhaupt nicht rutschig, so dass wir ohne weiter zu überlegen weiterzogen.

Die Wetterlage wechselte in Minutenabständen von Graupel, über wolkenfreien und letztendlich dann doch wieder Wolken verhangenem Himmel. Einige Zeit später trafen wir dann auf freilaufende Esel, die mich -wie immer halt- so völlig entzückten und mit denen ich dann auch schon nach ein paar Minuten Freundschaft schloss.

600_35_33Bild: Zwei Esel haben Spaß

Einer von den süssen fand mich dann wohl auch zum Anknabbern, er kam auf mich zu, blinzelte mich verführerisch an- und biss mir in meine schweineteure Jacke! Aaargh…

Gott sei Dank war aber ausser dem lecker aussehenden und mengenmässig wirklich viel an meiner Jacke hängenden Esel-Speichels nichts verrissen, allerdings bekam das Eselchen dann einen etwas weniger verführerischen Blick von mir zurück in diese Glutaugen!

Wir durchwanderten einen schönen Steineichenwald, der einen an frühere Märchengeschichten erinnerte, bis es dann wieder geballt von oben heruntergraupelte. Die verschiedenen Köhlerstellen, die es hier in der Tramuntana zuhauf gibt, liessen wir deshalb „links“ liegen. Ausser einem bedeckten weissen Boden konnte man da nämlich leider nicht all zu viel erkennen.

Wenig später konnten wir aber im Massanella-Massiv ein imposantes Äquadukt bestaunen, das man bei guten Wetter hätte aus näherem anschauen können. Von dieser Stelle aus hätten wir jetzt eigentlich nur eine Stunde bis zum Pass gebraucht, aus dem jedoch wegen total schlechter Sicht und unzulänglichen Wegmarkierungen über zwei Stunden wurden!

Auch verliert sich der Pfad immer wieder im Gestrüpp, umher“gestreuten“ Fels und Gras, so dass eine ordentliche Wegbegehung nicht möglich ist. Problematisch wird es kurz vor der Passüberquerung, als wir fast nichts mehr sehen. Wir sind nur damit beschäftigt, die Steinmännchen (Markierungen) aus zu machen, was allerdings keine einfache Aufgabe ist.

Mittlerweile regnet es und die Feuchte dringt langsam aber stetig in uns ein. Einmal bleiben wir stehen, wollen uns kurz ausruhen, was wir jedoch nach 5min. wieder verwerfen, weil man hier im eisigen Wind und in angenässter Kleidung sehr schnell ins Frieren kommt. Das erste Mal drängt sich in mir der Gedanke auf, Jeanette zur Rückkehr zu bewegen. Aber – noch mal 2 Stunden im hohen Dissgras zurück? Zumal der Blick nach hinten unten auch nichts besseres verheisst als der Blick nach vorne. Aber wir müssen es bald geschafft haben. Nur – wo ist diese Trockenmauer, die uns am Pass erwarten soll?

Ich gebe uns noch 10min. Jeanette ist am Suchen, cool, über alles erhaben, ohne Angst. Ich bewundere ihre Sorgenlosigkeit! Und dann…. yeah! Wir haben es geschafft. Die Trockenmauer liegt tatsächlich vor uns und ein „ordentlicher“ Weg ist jetzt auch wieder zu erkennen. Was bin ich froh darüber und mein Herz macht einen grossen Satz. Endlich über’m PassHinter der Passhöhe geht es nun endlich wieder bergab. Wir kommen an einem Schneehaus vorbei.(hier wurde bis in die 20er Jahre Schnee bis in den Sommer hinein zur Kühlung von Speisen und Getränken aufbewahrt)

600l_05__1Ich freue mich tierisch und bin wieder vollen Mutes darüber, dass wir es über diesen Pass geschafft haben. Ja sicher – bei guter Sicht stellt dieser nun wirklich keinerlei Problem dar, aber so „blind“ war das schon ein wenig nervenaufreibend für mich.

Bald erreichen wir dann auch wieder die Baumgrenze. Es ist schon herrlich anzuschauen, wie sich aus anfänglichen kleinen Grasbüschelchen wieder grösser werdende Büschel werden und man dann noch weiter unten wieder die Baumgrenze erreicht. Wir kommen an der Finca Coma Freda vorbei und fragen uns, ob wir heute für die Durchquerung des Privatgeländes eine Maut bezahlen müssen wie es auf einem Baum angeschrieben war.

Aber, wer ist schon so irre und wandert bei diesen widrigen Wetterverhältnissen -ausser uns. Der Mauteintreiber lässt sich jedenfalls nicht blicken und als wir die Stiege neben dem Gatter hochsteigen wollen ist diese mit Ästen versperrt. Tssss. So hält man also hier Wanderer vom Eindringen ab. Einige Minuten später erreichen wir eine Brücke und sehen das erste Mal seit unserem Aufbruch heute morgen wieder menschliche Wesen… auf so komischen Eseln aus Draht.

Dort rechts findet sich eine Tankstelle und daneben ein Restaurant. Uns wird just in diesem Augenblick bewusst, dass wir (wie immer!) mächtigen Kohldampf haben! Nichts wie rein, setzen, etwas essen und trinken. Zivilisation. Komisch eigentlich, dass man diese nach solch kurzer Zeit des einsamen Wanderns dann doch willkommen heissen kann.

Leider bekommen wir noch nichts zu essen, was aber nach einem leckeren, heissen Café con Leche auch nicht mehr ganz so schlimm ist. Wir haben jetzt nur noch etwa 20min. bis zum Kloster Lluc zu gehen. Was ist das schon – nach bereits 6 Stunden Fussmarsch?

Endlich angekommen. Das Kloster sieht „einfach“ aus. Es gibt hier nichts pompöses, erschlagendes, was ich als sehr angenehm empfinde. Unser Zimmer ist genau so einfach eingerichtet und wir haben sogar ein Bad mit dabei! Wunderbar. Die erste Tat… duschen. Nach einer Dusche fühlt man sich doch gleich wieder wie ein neuer Mensch. Wir erkunden dann nicht sogleich das Kloster, sondern steuern zielstrebig auf das dazu gehörende Restaurant zu. Unser Hunger nimmt mittlerweile Dimensionen an, der keinen anderen Gedanken mehr zulässt als: essen, essen, essen etc.

der Abend im Kloster Lluc: Nicht schlecht, aber auch nicht sooo supertoll wie in manchen Reiseführern gelobt war unser Kloster-Abendessen. Bei Jeanette gab es Lamm, bei mir Schwertfisch. Zumindest hat es unsere Mägen gefüllt und wir fühlten uns danach wunderbar.

Einige Zeit später stand dann plötzlich ein junger Mann neben unserem Tisch und fragte uns, ob er sich zu uns setzen dürfe. Wir seien ihm aufgefallen, weil wir NICHT rauchen und KEINEN Alkohol tränken. Diese Aussage hat uns doch sehr verwundert, mich aber auch ziemlich neugierig gemacht. Er ist ganz alleine hier nach Mallorca gekommen, gerade mal 22 Jahre jung. Klaro, da musste ich einfach weiterbohren, weshalb und warum. Er sei gläubiger Katholik, hätte sich mal zu einem „Medium“ begeben, das ihm wohl gesagt hätte, dass er in einem früheren Leben zusammen mit einem anderen Mann als Mönch zu diesem Kloster Lluc gepilgert wäre. Und deshalb wollte er sich hier jetzt umschauen.

Er war mitten im Reden, als sich ein Mann früheren Jahrgangs sich hinter meinen Stuhl stellte. Ein Schweizer aus Bern, der zusammen mit seiner Frau hier war und die Tramuntana mit dem Auto erkundete. Er hatte uns und unseren Ausführungen über unsere Touren wohl zugehört und sagte uns in seinem süssen, schwyzer Dialekt, dass wir unbedingt noch Richtung Pollenca wandern müssten.

Und schon sind wir wieder mitten in einem Gespräch. Dann stehe ich bei dem Berner Urgestein am Tisch und zeige ihm in unserem Reiseführer, welche Tour wir heute unternommen hatten, da kommt eine junge Frau an den Tisch und fragt mich, ob ich keine „Klettertour“ hier in der Gegend wisse. Klettertour? So richtig? So mit Seil und Karabinern? Und schon sitze ich bei Thomas und Anke am Tisch und löchere die beiden zum Thema klettern. 🙂

Meine Güte, was ist dieser Abend interessant und aufregend! Ich betrachte Anke’s Hände, die Finger fast ohne Nägel, dicke „Hornhaut-Kissen“ an den Fingerunterseiten. Ich bin völlig geplättet, „so jemanden“ mal en nature zu sehen. Es gibt wirklich noch vieles, das ich bewundere. Sie zeigt mir ihren Mallorca-Katalog mit den div. Schwierigkeitsgraden. Und dann gab es noch eine Menge neuer, fremder Wörter für mich wie “ Riegel“, „vorsteigen“, „bb“. Welche Felsen Morgensonne haben, welche Abendsonne usw. usw. wir beschliessen, morgen früh gemeinsam einen Kaffee zu trinken.

Gefrühstückt wird sowohl bei den beiden als auch bei uns am nächsten morgen im Zimmer. Aber einen Café con Leche können wir ja leider noch nicht zaubern, weshalb das ein MUSS morgen früh sein wird. Oje, ich habe ganz Wolfgang, unseren netten jungen Mann vergessen, der sich zwischenzeitlich schon ins Bett verabschiedet hat.

Aber vielleicht sehen wir ihn dann morgen früh noch mal in der Messe, der Knabenchor des Klosters ist ganz berühmt und wir möchten uns dieses Highlight nicht entgehen lassen.

Vor unserem gemeinsamen Kaffee machen wir noch eine kleine Klosterrunde, gehen in die Kirche und bestaunten die schwarze Madonna, die den kleinen Jungen Lluc (dem Namensgeber des Klosters) auf dem Arm hat. Dann steigen wir eine Aussentreppe hoch und schauen uns die Sonnenuhr an, auf der man mangels Sonne leider noch nicht so viel erkennen kann.

Danach machen wir uns auf den Weg zu dem kleinen Klosterladen, kaufen noch ein Baguette und diverse andere Köstlichkeiten für den Tag, um uns dann zu unserem wohlverdienten Morgen-Nass draussen mit den beiden Kletterern zu setzen. Um 11 Uhr wurde es dann Zeit für den Kirchengang. Die Kirche ist bis auf den letzten Platz gefüllt, wir bekommen nur noch einen Stehplatz gaaanz hinten, was aber völlig in Ordnung ist.

So musste ich meinen zurechtgemachten Rucksack auch nicht mehr „ausziehen“ (ja, ok. Ich habe mich da wohl nicht ordentlich, sprich: Kirchengerecht verhalten). Die Knaben sangen wirklich nicht schlecht, aber so richtig vom Hocker gehauen hat es mich dann auch nicht.

Vom Kloster Lluc nach Valldemossa

Die Serpentinenfahrt Lluc – Valldemossa (Leider) Ohne Bilder (Prä-Digicam-Zeiten!) dieser Tag war nur ein „Busfahrtag“

Ich habe drei schreckliche Stunden hinter mir. Die Fahrt von Lluc bis nach Palma führte erst einmal eine halbe Stunde die Serpentinen hinunter. Bisher haben mir „solche“ Fahrten eigentlich nicht so viel ausgemacht, aber dem Fahrer schien es wahnsinnig viel zu geben, die Strasse richtiggehend mit seinem Bus hinunterzujagen und den Autofahrern sowie Radlern einen heftigen Adrenalinschock zu versetzen. Und dann genoss er es auch noch, dabei zuzuschauen, wie seine Fahrgäste von den hinteren Plätzen auf die vorderen wechseln und dabei grün im Gesicht anliefen!!!

600_122_18Dann geht es wieder weiter mit dem Bus zu dem Bergdörfchen nach Valldemossa.

linkes Bild: Steintreppe in Valldemossa

Jeanette beruhigt mich, auf dieser Strecke gäbe es keine kurvigen Strassen. Ihr Wort in Gottes Ohr. Aber – sie hatte recht damit. In Valldemossa angekommen, habe ich mich auch fast sofort in diese schnuckelige Gegend mit ihren schönen ockerfarbenen und verwinkelt stehenden Häusern

Aber – man „versteht“ sich und bezieht sämtliche Körperextremitäten bei der Unterhaltung mit ein. Wir haben ein schnuckeliges, kleines, liebevoll eingerichtetes Zimmerchen mit einem sauberen Badezimmer bekommen. Nur – irgendwie riecht es hier nach Chlor. Aber noch ein anderes, weitaus angenehmeres Gerüchlein weht uns um die Nasen. ESSEN – HUNGER! Himmel, was haben wir schon wieder einen Hunger, unglaublich.

Wir haben wohl Nachholbedarf von unseren beiden letzten Touren, die doch ein wenig an unseren Kräften gezehrt haben. Hunger. Dieses Wort wird mal wieder grösser und grösser im Kopf. Morgen wollen wir eine Mischung aus der „kleinen“ und „grossen Runde“ um Valldemossa begehen.

600_123_19Wir haben hier ein nettes Hostal gefunden, das Ca’n Mario , angenehm irgendwie, dass die Gastfamilie weder deutsch noch englisch redet.

Vor rund 100 Jahren liess der österreichische Erzherzog Ludwig Salvator ein Wegenetz im Naturpark Son Moragues mit vielen schönen Aussichtsplätzen (Miradors) anlegen, die wir uns dann anschauen wollen. Die Kartause, in der Frédéric Chopin zusammen mit George Sand gelebt haben und die sich hier in Valldemossa befindet, „schenkten“ wir uns jedoch. Wir haben einfach keine Lust, dafür 9 € pro Näslein zu bezahlen. Ausserdem – es regnet ja nicht, was eine „Innenansicht“ rechtfertigen könnte.

links: Blumendorf Valldemossa

Dieser „kleine“ Rundwanderweg führt über das Refugi d’es Cairats hoch hinauf zum Teix (1064m), zum Puig d’es Pou bis zum Pla d’es Pouet zurück nach Valldemossa. Gerade kommen wir vom Abendessen. Hm – bin ein wenig hin- und hergerissen, weil ich die Einwohner Valldemossa’s als wenig freundlich empfinde. Kommt das von den vielen Touri’s hier? <grübel>

Jetzt befinden wir uns gerade auf Ameisenjagd, eine Tätigkeit, auf die ich zumindest in einem „richtigen“ Zimmer hätte gut und gerne verzichten können. Mittlerweile laufen ganze Strassen hier durch das Zimmer, was mich richtiggehend sauer macht und auch ziemlich anekelt.

„Auf dem verlorenen Weg“ – Höllentour na Sa Foradada

Bis heute dachte ich, dass wir unsere schwersten Touren bereits zu Anfang unseres Urlaubs gewandert sind. Über die heutige Tour stand in beiden Wanderführern auch nur, dass es zum Teil weglos über Felsen und Geröllhalden geht, der ursprüngliche Weg durch Bergrutsche teilweise verschüttet ist und dass Trittsicherheit Voraussetzung sei.

Des weiteren dauere diese (Tor)Tour HIN + ZURÜCK 3 Stunden!!! Also beim besten Willen, wir sind beide geschockt ob diesen Angaben, zumal die sonstigen Touren bisher sehr gut und was die Gehzeiten anging auch ziemlich genau waren. Aber, alles von vorne.

Schade, dieses Hostal Ca’n Mario ist mir trotz vortäglicher Ameisen-Invasion ans Herz gewachsen. Wenn auch der bröselige Teppichboden bestimmt über 1000 Ameisenleichen beherbergt, so ist die Einrichtung doch eine sehr liebevolle. Und das Bett ist herrlich bequem. Wir standen relativ spät auf, es war schon gegen 8:30 Uhr, gegen 9 Uhr nahmen wir dann unser letztes Frühstück in Valldemossa ein.

Danach machten wir uns dann auf den Weg zum Port de Valldemossa, der uns die Serpentinen hinunter führte. Überall dort sahen wir den „Kleinen Aronstab“, der wie ein Orchideengewächs aussieht.. Eine ¾ Stunde später ging’s dann am „Kilometerstein 4“ nach einer gemauerten Einfahrt los. Kurze Zeit weiter kamen wir an dem Gutshof Sa Font Figuera vorbei, dann an dem ehemaligen Weingut S’Estaca.

600_128_24Irgendwie hielt mich Jeanette mit ihrer Aussage „die Zinnen auf dem Haus passen da irgendwie nicht recht da hin“ davon ab, die einstmals Erzherzog Ludwig Salvators gehörende und heute (was ich allerdings erst einige hundert Meter weiter nachgelesen habe!) Michael Douglas! gehörende Villa zu fotografieren, obwohl sie wirklich wunderschön anzuschauen war. <grummel>

Noch befinden wir uns auf einen tollen „Sonntag-Nachmittag-Spaziergang“, der nichts Böses ahnen lässt. Doch schon bald sollte es so richtig heftig zur Sache gehen.

Dieses Mal machten wir schon frühzeitig eine Rast, weil uns der Baumstamm, der vor uns auf dem Weg lag, so lieb eingeladen hatte, auf seinem Rücken eine Kleinigkeit zu essen.

Es gab Orangen, nein, keine geklauten! Dazu Vollkornbrötchen von gestern. Lecker. Der Pfad führte uns hinunter ans Meer, wo unsere Kletterpartie jetzt beginnen sollte. Es ging über Felsen, Stein- und Geröllfelder und abgestürzte Baumstämme.

Diese zum Teil halsbrecherische Kraxelei dauerte gute zwei Stunden, mal unterbrochen von einer „Meeresbrandung-Staunen-Runde“, oder dem Knutschen eines Felsens (irgendwie habe ich nicht mitbekommen, dass dieser tolle Fels noch einen kleinen Arm hatte, der mein Knie nicht ganz so sehr liebkoste, wie ich es mir evtl. gewünscht hätte. Aber mein Aufschrei ging sozusagen im Meerestosen unter) oder aber davon, dass mir meine seitlich angebrachte Flasche runterfiel.

600_131_27

Diese hatte sich wenigstens nicht „nach unten“ begeben, so dass ich sie holen konnte. Jeanette bot mir dann an, diese in ihrem Rucksack zu transportieren, was ich gerne annahm. Ich stand dann mit dem einen Bein auf einem Felsstück und mit dem anderen auf dem nächsten und verstaute die Flasche in den Rucksack. Das blöde war dann allerdings, nachdem dies passiert war, dass ich nach UNTEN schaute und mir so schwindlig wurde, dass ich mich schnell an einem Stein festhalten musste, um nicht abzustürzen. Tssss.

Nun denn, schliesslich und endlich (von wegen) kamen wir an eine Stelle, an der Steinmännchen den Weg nach oben wiesen. Aber – konnte dies wirklich sein?

Ich habe meinen Augen nicht getraut. DA sollten wir hoch??? Wo bitteschön soll man sich hier fest halten? Dies soll der Weg sein? Man MUSSTE sich richtiggehend festkrallen. An hervorstehenden Baumwurzeln und an kleinen Bäumchen! „einfach so“ kam man nicht hoch, also, vorsichtiges vortasten zur nächsten Wurzeln, probieren, ob sie hält, die nächste Möglichkeit suchen, weiter. Die ersten Meter liessen sich dann eigentlich ganz gut bewältigen, dann aber ging’s so richtig zur Sache.

Da kommt ein Felsvorsprung, an dem es gilt, Griff“mulden“ zu finden und sich daran hoch zu ziehen. Das war dann das letzte Mal, dass ich nach unten geschaut habe. In mir kam leichte Panik auf, die es galt, gleich wieder zu unterdrücken um nicht abzustürzen.

Ich bekam diese Panik vorerst tatsächlich aus dem Kopf , schliesslich galt es, vorwärts zu kommen, was auch gelang. Der Schock war jedoch gross, als wir feststellen mussten, dass es jetzt weder hinauf NOCH hinab ging (obwohl, ein Tritt hätte genügt!), so dass wir uns auf der bisher geschafften Höhe weiterbewegten, bis wir an ein Geröllfeld kamen und ich nur noch hinunter wollte. Auf dieser Strecke bis hierher hatten bereits zwei Ziegen (die ja bekanntlich Kletterkünstler sind) ihr Leben gelassen, was wir an herumliegenden Knochen ausmachen konnten.

Jeanette stieg dann vor (rückwärts) und brach mit einem Fuss weg – und fiel! Ich konnte mich in diesem Augenblick kaum unter Kontrolle bringen und zitterte am ganzen Körper. Aber sie hatte sich gleich wieder gefangen!

600_129_25Dann – nach beruhigenden Worten von ihr, passierte etwas schreckliches – wie in Zeitlupe. Ich versuchte mich an einem Stein festzuhalten, dieser brach ab und dann nahm ich war, wie ich gaaanz langsam rückwärts zu fallen begann! Jeanette drückte mein Schienbein geistesgegenwärtig zurück an die Wand, so dass ich mich auch wieder fing. Meine 13kg Rucksackgepäck hatte ich wohl nicht richtig eingeschätzt. Das war ein sehr schlimmer Augenblick für mich.

Pffff… aber es ging weiter und wir schafften es wieder über die Felsen hinweg vorzusteigen. Irgendwann dann (zeitlich hatte ich keinen Anhaltspunkt mehr) hatten wir es dann aber geschafft und wir fanden dann auch den richtigen Pfad nach oben. Nun konnte auch wieder der Ausblick auf Sa Foradada mit seinem genialen „Felsdurchbruch“ genossen werden.

Auf diesem Geröllpfad stiegen wir dann langsam wieder die Serpentinen hoch. Jeanette, die in brenzligen Situationen bisher immer ganz cool blieb und nie die Nerven verlor, war nun aber deutlich anzumerken, dass ihre Kräfte nachliessen und sie ein wenig damit haushalten musste. Mir ging es kräftetechnisch wunderbar (dem Krafttraining sei Dank), nur emotional spürte ich meine grosse Angst die ich heute schon 2x hatte jetzt richtig bewusst. Gegen 16:30 Uhr hatten wir es dann bis zum Herrenhaus Son Marroig geschafft.

Dieser letzte Abschnitt war jedoch wieder so richtig was für mich. Da sah man pittoreske Olivenbäumchen , mitten darin ein Schafherde mit kleinen Lämmern, meine Lieblingsbüsche von denen ich bis heute den Namen nicht weiss(!), die sich hier an diesem Streckenabschnitt zwischen Valldemossa und Deia um einiges grösser wachsen als in den Bergen und dann war da noch dieser faszinierend anzuschauende Fels , der so zerklüftet und auseinander gerissen aussah wie ein aufgegangener Hefeteig! Und dazu leuchtete alles noch herrlich in allen erdenklichen Erdtönen. Wunderbar.

Gemütliche Wanderung von Sollér nach Deia

Unsere letzte (und landschaftlich allerschönste) Tour beginnt ausserhalb des Zentrums von Sollér an einer Tankstelle und führt uns über Orangen- und Zitronenplantagen hinauf an einem wunderschönen und riesengrossen Feigenkaktus, der sich hinter einer Hecke befindet vorbei. Warum auch immer ich DEN nicht fotografiert habe <haarerauf>

Es geht steil bergauf, wir haben heute endlich wieder einmal Sonne im Rücken, die uns schon so gut wärmt, dass wir unsere äusseren Schichten erst einmal ablegen und hemdsärmelig weitergehen.

60007__4aBild: Cala Deia

Beim Zurückschauen hat man einen herrlichen Blick auf den Talkessel von Sollér. Dieser Teil hier wird auch S’Horta (der Garten) genannt. Weiter geht es den Cami d’es Rost, durch Olivenhaine hindurch bis wir dann einige Zeit später an der Finca San Mico stehen.

Diese Aussicht verlangte förmlich danach, aufgesaugt zu werden. Es geht weiter durch einen verwunschenen Märchenwald mit zum Teil neuen Pflanzen, die ich noch nicht gesehen habe.

Wir rasteten auf einem Felsen, ein wenig entfernt von dem „Silberhaar-Völkchen“, das sich gerade an der Bucht einfand, aber wohl nicht zu uns herüber klettern wird. Es gibt leckeren Gouda mit Vollkornbrot, Jeanette schälte uns eine Mega-Orange (der helle Wahnsinn! Einen wundervollen Geschmack haben die) und dann liessen wir uns ein wenig von der Sonne verwöhnen, die es bis dahin ja nicht sonderlich gut mit uns meinte.

Ein faszinierendes Schauspiel spielte sich vor unseren Augen beim Anblick auf die Brandung ab. Die Wellen schlugen an die Seite der Felsen und wanderten dabei seitlich weiter nach vorne, so dass man meinen konnte, aus dem Felsen fliessen kleine Wasserfälle ab ins Meer. Und diese leuchtenden Türkistöne, die man ausmachen kann. Wir können uns gar nicht genug daran satt sehen.

60008__5akleine Rast an der Cala Deia

Etwa eine ¾ Stunde später befinden wir uns dann aber auch schon wieder auf dem Weg hinauf nach Deia.

Wir sind bisher 4 Stunden unterwegs, zurück sollte es dann aber mit dem Bus gehen. Und schon wieder sieht man überall Silberhaar-Geschwader (nein, das soll nicht negativ klingen, aber jetzt wissen wir, wo ALLE älteren Leute im Winter sind).

20.02.07…. Rückflug

Die Zugfahrt mit dem Roten Blitz war auch dieses Mal wieder wunderbar, obwohl wir beide das Gefühl hatten, wir seien bei der Hinfahrt nicht durch so viele Tunnels gefahren. In Palma angekommen, suchen wir nach unserer Linie, die uns zum Flughafen bringen soll. Wir haben noch 1 ½ Std. Zeit hier, die wir nützen, uns unseren wirklich letzten Café zu trinken.